Corona-Teststraßen am Airport sind in Betrieb

Bremen: Abstrich nach Landung

  • Jörg Esser
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Bremen – Reiserückkehrer aus Risikogebieten können sich ab sofort auch am Bremer Flughafen auf das Corona-Virus testen lassen. Zwei Teststraßen sind am Freitag am Terminal 1 in Betrieb genommen worden. Noch sind die Tests freiwillig. Die Resonanz am Vormittag ist durchaus positiv. Wartezeiten werden in Kauf genommen. In der nächsten Woche soll die Testpflicht kommen. Bremen ist darauf vorbereitet. Fragen und Antworten zum Thema.

Wo und wann werden die Passagiere getestet?

Der Airport hat zwei Teststraßen am Terminal 1 unmittelbar neben der Gepäckausgabe aufgebaut. „Zwei Teams mit je vier Personen sind im Drei-Schicht-Betrieb vor Ort“, sagt Dr. Sylvia Offenhäuser, Ärztin vom Gesundheitsamt Bremen. Neben dem medizinischen Personal, das die Abstriche nimmt, sind auch Containment-Scouts (sie verfolgen die Kontakte nach) im Einsatz. Ende der Woche gibt es zudem Verstärkung von der Bundeswehr. Bis zu 600 Tests pro Tag sind derzeit möglich, in Stoßzeiten 200 in anderthalb Stunden. Kommt die Testpflicht, dann werden die Kapazitäten auf bis zu 1 200 Abstriche hochgefahren. „Das Konzept liegt in der Schublade“, sagt Offenhäuser. In der nächsten Woche soll eine weitere Teststrecke am Terminal 2 in Betrieb gehen.

Wer wird getestet?

Urlauber aus Risikogebieten. Dazu zählen diejenigen, die direkt aus der Türkei kommen und in Bremen landen, sowie diejenigen, die über Drehkreuze wie Frankfurt und München an die Weser fliegen. Die Zahl der Direktverbindungen aus der Türkei ist derzeit überschaubar, da Turkish Airlines die Flüge von und nach Istanbul für den August ausgesetzt hat. Dennoch wird mit um die 1 000 Passagieren pro Woche gerechnet. Die Tests sind kostenlos.

In Schutzanzügen nehmen Mitarbeiter der Corona-Testanlagen Passagiere in Empfang.

Wie lange dauert der Test?

„Etwa drei Minuten pro Person“, sagt Offenhäuser. Die Kontaktdaten werden erfasst, Laborzettel ausgefüllt. Und dann wird die Rachenschleimhaut mit einem Wattestäbchen abgestrichen. Hinzugerechnet werden muss allerdings die Wartezeit vor den Teststraßen. Danach müssen sich die Getesteten sofort in häusliche Quarantäne begeben, bis das Ergebnis vorliegt. Das soll innerhalb von 24 Stunden telefonisch mitgeteilt werden. Die durchgeführten Tests „haben eine relativ hohe Sicherheit“, sagt die Gesundheitsbehörde.

Ist ein negatives Ergebnis mehr als eine Entwarnung, vielleicht eine Art Freifahrtschein?

„Das Ergebnis ist eine Momentaufnahme“, sagt Uwe Schmid aus dem Gesundheitsressort. Wer sich beispielsweise erst kurz vor der Abreise oder auch auf dem Rückflug – warum auch immer – mit dem Virus angesteckt, hat ein negatives Testergebnis. Die Inkubationszeit dauert einige Tage. Es gibt Überlegungen, nach einigen Tagen einen zweiten Test zu veranlassen.

Was passiert mit Testverweigerern?

Noch sind die Tests freiwillig. „Wer sich testen lässt, hilft auch anderen“, sagt Schmid. Es gehe darum, eine „zweite Corona-Welle frühzeitig zu vermeiden“. Grundsätzlich gilt zudem für Rückkehrer aus Risikogebieten einen 14-tägige Quarantänepflicht. Kommt die Testpflicht, droht den Verweigerern kein körperlicher Zugriff von Ordnungskräften, sagt Polizeipräsident Lutz Müller, der zugleich Leiter des Bremer Corona-Krisenstabs ist. Allerdings werde die Quarantänepflicht dann verschärft überwacht. „Es gibt Möglichkeiten einzugreifen“, sagt Müller. Szenarien werden durchgedacht und durchgespielt. „Wir sind vorbereitet.“ Wer dann gegen die Quarantänepflicht verstößt, dem droht ein Bußgeld bis zu 3 000 Euro.

Welche Länder gelten als Risikogebiete?

Das legt das RKI täglich neu fest. Derzeit zählen außer Norwegen, Großbritannien, Island, der Schweiz und Liechtenstein alle Länder außerhalb der EU als Risikogebiet. In der EU sind es Luxemburg und Teile Spaniens. Es ist durchaus möglich, dass ein Land während des Urlaubs zu einem Risikogebiet wird. Eine Reise in Pandemie-Zeiten sei ein Risiko, sagt Schmid. Man kann Pech haben. Man kann aber auch Glück haben. So galt Schweden einige Zeit als Risikoland, ist aber nun nicht mehr in dieser Kategorie eingestuft.

Können sich eigentlich auch Urlauber aus Ländern, die nicht als Risikogebiet gelten, am Flughafen testen lassen?

Nein. Die anderen Reisenden haben wie auch Urlauber, die per Bahn oder Auto unterwegs waren, die Möglichkeit, sich innerhalb von 72 Stunden nach ihrer Rückkehr im Testzentrum in den Messehallen auf der Bremer Bürgerweide testen zu lassen.

Von Jörg Esser

Warteschlangen: Urlauber aus Risikogebieten, die über Frankfurt eingereist sind, warten auf dem Bremer Airport vor den neuen Corona-Teststraßen am Terminal 1 auf den Abstrich. Und auf die Rückkehrer wartet an diesem Vormittag auch die Presse.

Rubriklistenbild: © Esser

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