21.500 Besucher unterwegs

„Langen Nacht der Museen“: Wartezeit vor Sternenhimmel

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Das Ende der Rallye „Findet Nemo!“ im Hafenmuseum in der Überseestadt. Die Teilnehmer müssen fünf Bälle in eine Toilette werfen. Kim Kirchhoff gibt die Bälle aus und ist selbst ganz schön treffsicher geworden. 

Bremen - Von Martin Kowalewski. Ein Bild hängt verkehrt herum. Auf der Rückseite ist aber auch etwas Spannendes zu sehen: Ein Gesäß ragt den Besuchern entgegen. Ein verborgenes Werk von Josef Scharl (1896 bis 1954), versteckt hinter „Selbstbildnis“ von 1921. Im gutbesuchten Paula Modersohn-Becker Museum zeigt Anna Schrader am Sonnabend eine besondere Umsetzung des Mottos „Unbekannte Welten“ bei der „Langen Nacht der Bremer Museen“.

Um 1 Uhr endet die Museumsnacht mit einem dicken Plus im Vergleich zum Vorjahr: 21 580 Menschen besuchen die 24 teilnehmenden Häuser (2017: 20 330).

Neben dem aufgedeckten Akt steht Schrader, in der Hand ein Foto mit der Vorderseite, ein stattliches Personenporträt in Öl. „Scharl hat viele Frühwerke übermalt oder die Leinwand genommen und die zweite Seite bemalt“, sagt die 29-jährige wissenschaftliche Volontärin. Künstler, oft mittellos, wären mitunter zur Sparsamkeit gezwungen gewesen. Der Akt ist aber auch mit einer Schicht Farbe überzogen. „Das war entweder ein Versuch, den Akt zu verdecken, oder Scharl hat die Leinwand vorbereitet, um etwas Neues darauf zu malen“, sagt Schrader.

Johanna Schwarze (22), gebürtige Bremerin und jetzt Biologie-Studentin in Braunschweig, betrachtet das Gemälde „Geschlachteter Hammel“ von Josef Scharl aus dem Jahr 1933. „Das kann man recht ruhig angucken. Es ist weniger bedrückend als zum Beispiel ein Foto. Mir gefallen vor allem die Farben. Interessant ist die Darstellung des Gehirns, auch wenn die nicht genau ist“, sagt Schwarze.

Christian Neuhof (29) aus Bremen wühlt in Wolle im Hafenmuseum in der Überseestadt. Er macht mit bei der Rallye „Findet Nemo!“, angelehnt an den gleichnamigen Kinderfilm. Er sucht einen Hai und eine Schildkröte, natürlich beides in Form kleiner Figuren.

Die Bildrückseite von „Selbstbildnis“, gemalt von Josef Scharl, offenbart eine Aktzeichnung mit ausgestrecktem Gesäß. Im Paula-Modersohn-Becker-Museum zeigt Anna Schrader daneben die Vorderseite in klein. 

Am Ende der Rallye wartet auf die Teilnehmer eine Toilette. In diese müssen sie fünf Bälle hineinwerfen. Das spiegelt das Ende des Films wider, in dem Nemo die Flucht aus der Praxis eines Zahnarztes durch die Kanalisation gelingt. „Die meisten Spieler brauchen schon etwa vier Versuche, bis sie treffsicher werden“, sagt Kim Kirchhoff (15), die Bälle an die Besucher ausgibt. Um sie herum ist einiges los. Schon eine Stunde nach der Eröffnung füllen sich die Gänge zügig, und auch Vorträge finden viele Zuhörer.

Im Olbers-Planetarium ist der Besucherandrang so groß, dass die ursprüngliche Planung geändert wurde. Nicht stündlich, sondern im rasanten 20-Minuten-Takt sind Vorführungen unter der künstlichen Sternenkuppel zu sehen. Wartezeit: eine Stunde. Einige Besucher nehmen eine Reservierungskarte mit und gehen erstmal in ein anderes Museum.

Nach einem langen Museumstörn in die Nacht tanzen. Ab 24 Uhr bot der lateinamerikanische Tanzverein „Casa Cultural“ eine Show und einen Workshop im Übersee-Museum an. Vor dem großen Walherz gehen die Tänzer in Pose. 

Sandra Vogel (35) gibt eine kleine Einführung in den Nachthimmel. Schnell entdeckt ein Kind den großen Wagen. Da das Planetarium aufgrund des Mottos der Nacht erstmals dabei ist, folgt ein Exkurs in die Kunst von Vincent van Gogh. Dessen Gemälde „Die Sternennacht von Saint-Rémy-de-Provence“ sieht als Projektion an der Kuppel einfach umwerfend aus. Van Gogh, hatte einen sehr genauen Blick, sagt Vogel. Sie ruft den Sternenhimmel über dem französischen St. Rémy am 19. Juni 1889 auf, zeigt eine Projektion entsprechend dem Bildausschnitt und kann der Sternenkonstellation auf dem Gemälde eine Uhrzeit zuordnen: 4 Uhr morgens. „Den Mond hat van Gogh erst genau gezeichnet. Das sah wohl nicht gut aus, denn dann ist er zu einer künstlerischen Malweise übergegangen“, sagt Vogel.

Kurz nach 23 Uhr ist viel los in den Gängen des Übersee-Museums. Zu hören sind sphärische Klänge aus Java, gespielt vom Gamelan-Orchester Arum Sih. Mariam Basko (50) aus Stuhr ist hochkonzentriert. Sie steht an einem leuchtenden Tisch mit einer Asienkarte. Sie bewegt durchsichtige Elemente nach Längen- und Breitengraden, wodurch Fragen, aufgeschrieben auf den Elementen, beantwortet werden. Basko weiß das Meiste schon vorher. Schnell findet sie auch den tiefsten See der Welt, den 1 637 Meter tiefen Baikalsee im Osten Russlands.

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