1400 Flüchtlinge müssen Zelte erneut räumen / Bundeswehr und THW helfen

Nachtlager in der Schule

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Die evakuierten Asylbewerber richten sich im Schulzentrum an der Ronzelenstraße für die Nacht ein. Einige Männer spielen Karten, andere stehen vor der Tür, versuchen Kontakt zu Freunden und Angehörigen aufzunehmen.

Bremen - Von Steffen Koller. Alle 1400 Flüchtlinge aus allen vier Zeltstädten mussten am Dienstagabend wegen der Sturmwarnung evakuiert werden – und Mittwochabend wird es ihnen nicht anders ergehen, wie das Sozialressort am Nachmittag entschied.

Mit Sonderbussen wurden (und werden) die Asylsuchenden aus ihren Zeltunterkünften in nahe Schulen gebracht. Eine wahre Herkulesaufgabe, wie Eindrücke vor Ort zeigten. „Geht, geht!“, ruft ein Bundeswehrsoldat. Der Andrang am Schulzentrum an der Ronzelenstraße in Horn ist groß. Gerade sind Busse mit rund 120 Asylbewerbern angekommen. Etwa 300 Meter vor der für diese Nacht kurzfristig eingerichteten Unterkunft steigen die Menschen aus, Sicherheitskräfte begleiten die Flüchtlinge durch die dunklen Straßen. Ihre Habseligkeiten haben sie in Plastiktüten verstaut, Mütter führen ihre Kinder an der Hand. Das angekündigte Sturmtief „Heini“ lässt zu diesem Zeitpunkt noch auf sich warten. Später zieht kräftiger Wind über die Stadt, Blitze sind zu sehen.

Mehrere evakuierte Flüchtlinge warten vor der Gesamtschule Ost auf ihr Nachtlager.

Wenige Stunden vorher hatte Sozialsenatorin Anja Stahmann (Grüne) die Evakuierung der vier Zeltstandorte angeordnet. Grund waren die für diese Nacht erwarteten Sturmböen von bis zu 11 Beaufort (105 km/h). Die Zelte seien nach Herstellerangaben jedoch nur für eine Windstärke von bis zu 10 Beaufort (89 km/h) ausgelegt, hieß es. Stahmann bedauere die Maßnahme, sagte sie. „Die Flüchtlinge in den Zelten leben ohnehin schon unter den schwierigsten Bedingungen von allen“, so Stahmann. Am Flughafen wurden in dieser Nacht Spitzenwerte von 83 Stundenkilometer (Windstärke 9) gemessen. An den Zelten habe es nur kleinere Schäden“ gegeben, sagte Sprecher Bernd Schneider heute. „Keines der Zelte ist aber in seiner Standfestigkeit beeinträchtigt.“ Die Lage an den Schulen scheint entspannt. Kinder spielen in einer Turnhalle, Mitarbeiter des Technischen Hilfswerk (THW) und Bundeswehrsoldaten bauen Feldbetten auf. In einer Ecke spielen Männer Karten, andere telefonieren vor dem Schulgebäude.

Zelte von Flüchtlingen in Bremen werden evakuiert

Während die, die gerade erst angekommen sind, sich einen Schlafplatz suchen, haben andere bereits ihr provisorisches Nachtlager eingerichtet. Decken liegen in den Gängen, Behördenmitarbeiter stehen in einer Traube am Eingang. Eine Frau sagt: „Wir haben alles im Griff.“ Dann ein Anruf, sie muss weg. „Wir haben zu tun“, sagt sie und verschwindet in der Menge. Eine halbe Stunde später an der Gesamtschule Ost: Der Deutsche Wetterdienst warnt weiterhin vor „markantem Wetter“, heftige Böen peitschen durch die Straßen. Vor dem Eingang steht Sicherheitspersonal, im Inneren haben sich Asylbewerber eingerichtet. Stühle und Tafeln sind an den Rand der Aula geschoben worden, Menschen sitzen auf Feldbetten oder tragen große Taschen in den Saal.

Vor der Tür diskutieren mehrere Flüchtlinge, jeder scheint wissen zu wollen, wie es weitergeht. Ein Mann vom Sicherheitspersonal sagt, es sei „alles gut“. Aus Sicht von Senatorin Stahmann ist die Evakuierung „problemlos“ verlaufen. „Die Flüchtlinge haben durchweg verständnisvoll reagiert“, sagt sie. Unter anderem waren 54 Ehrenamtliche des THW, 80 Bundeswehrsoldaten und sieben Busse der BSAG im Einsatz, so Stahmann. Sie bat um Verständnis, dass „die Evakuierung den Schulbetrieb erheblich beeinträchtigt“ habe. Sturmtief „Iwan“ zwingt das Sozialressort heute Abend zur erneuten Evakuierung der Zeltunterkünfte. Wieder kommen rund 1400 Menschen in umliegende Schulen.

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