Hoher Sachschaden

Brandanschlag bei OHB: Innenressort geht von linksextremen Tätern aus

In der Neujahrsnacht haben bislang unbekannte Täter Brandsätze auf den Sitz des Bremer Luft- und Raumfahrtunternehmens OHB geworfen. Bremens Innensenator vermutet, dass die Täter aus der linksextremen Szene kommen.
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In der Neujahrsnacht haben bislang unbekannte Täter Brandsätze auf den Sitz des Bremer Luft- und Raumfahrtunternehmens OHB geworfen. Bremens Innensenator vermutet, dass die Täter aus der linksextremen Szene kommen.

Nach dem Brandanschlag in der Neujahrsnacht auf das Bremer Raumfahrtunternehmen OHB in Horn vermuten die Sicherheitsbehörden die Täter erneut in den Reihen der linksextremistischen Szene.

Bremen - Noch liege kein Bekennerschreiben zum Brandanschlag auf das Raumfahrtunternehmen OHB in der Neujahrsnacht vor, sagte Innensenator Ulrich Mäurer (SPD) am Montag. „Aber natürlich liegt der Verdacht nahe, dass die Täter auch dieses Mal vermutlich in der linksextremistischen Szene zu suchen sind“, so der Senator.

Mäurer bezog sich damit auf einen Anschlag Ende November 2021, als zwei Brandsätze auf einem Parkplatz vor dem Unternehmen entdeckt worden waren. Der Senator will sich noch diese Woche mit OHB-Chef Marco Fuchs treffen. „Die Besorgnis bei OHB ist groß. Das nehmen wir sehr ernst“, so Mäurer.

Bekennerschreiben auf linksextremistischer Plattform

Nach den im November entdeckten Brandsätzen tauchte kurze Zeit später auf einer vom Verfassungsschutz als linksextremistisch eingestuften Internetplattform ein Bekennerschreiben auf, das die Polizei prüfte und als echt wertete. Als Motiv für die Tat im November wurde unter anderem die Geschäftsbeziehung zwischen OHB und der Bundeswehr genannt. Auch 2018 gab es einen ähnlichen Zwischenfall bei OHB, als Container in Brand gesetzt wurden. Der Umsatzanteil durch das Geschäft mit der Bundeswehr liegt laut OHB im einstelligen Prozentbereich.

Anschlag auf OHB in Bremen: Schaden in sechsstelliger Höhe

Das Feuer in der Nacht zum 1. Januar (direkt nach Mitternacht) zog mehrere Büroräume auf zwei Etagen stark in Mitleidenschaft. Zwar laufe die Schadensermittlung noch, man könne aber sicher von einem sechsstelligen Betrag ausgehen, sagte OHB-Vorstandsmitglied Dirk Schulze. Die Unternehmensführung zeigte sich schockiert über den Anschlag. Zum Tatzeitpunkt hielt sich ein Wachmann im Gebäude auf, er blieb unverletzt, hieß es.

Nach Bürgermeister Andreas Bovenschulte (SPD) verurteilte auch Wirtschaftssenatorin Kristina Vogt (Linke) den Anschlag. „Gewalt ist kein Mittel der Politik und kann es auch nicht sein“, sagte sie bei einem Besuch vor Ort.

CDU zum Brandanschlag: „Verfestigte Strukturen in linksextremistischer Szene“

CDU, Grüne und FDP verurteilten den Anschlag in Stellungnahmen. Die CDU-Fraktion forderte einen „deutlich besseren Schutz“ von Unternehmen im Bereich sensibler Produktion vor extremistischen Taten. „Brandanschläge und politisch motivierte Gewalttaten gegen ansässige Unternehmen dürfen in keiner Weise hingenommen werden. Diese jüngsten, militanten Angriffe aus der linksextremistischen Szene sind ein Weckruf für uns alle“, sagte Christine Schnittker, stellvertretende CDU-Fraktionschefin. Und der innenpolitische Sprecher Marco Lübke sagte, es sei zu sehen, dass die Täter inzwischen gezielter vorgingen als bei den anderen Anschlägen. Auch in technischer Hinsicht seien diese jüngsten Taten anders zu bewerten. Lübke: „Wir haben es mit verfestigten Strukturen in der linksextremistischen Szene Bremens zu tun.“

Björn Fecker, Fraktionschef der Grünen, sagte: „Brandanschläge gefährden Menschenleben und sind eine schwere Straftat. Solche Taten sind durch nichts zu rechtfertigen.“ Wer durch sein Handeln feige und selbstgefällig den Tod von Menschen in Kauf nehme, stelle sich außerhalb unserer Demokratie.

FDP: Rot-Grün-Rot muss endlich handeln

FDP-Chef Thore Schäck erklärte: „OHB ist ein verdientes Bremer Unternehmen mit Strahlkraft weit über die Grenzen Bremens hinaus. Dass OHB immer wieder Ziel von Angriffen aus dem linksextremen Lager ist, darf der Bremer Senat nicht weiter hinnehmen.“ Neben Angriffen auf private Unternehmen und staatliche Institutionen würden auch regelmäßig private Fahrzeuge in Brand gesteckt. Das seien Straftaten linker Extremisten, „denen die Freiheit und der Lebensstil anderer Menschen nicht passen“. Sie stünden damit im Gegensatz zur freiheitlich-demokratischen Grundordnung. In einer Demokratie seien Debatten gefragt, nicht körperliche Angriffe. Die rot-grün-rote Koalition müsse endlich etwas tun, sagte Schäck.

Konkrete Zeugenhinweise auf die Täter gab es laut Polizei bis Montag nicht. Die Brandursachenexperten nehmen nun die Brandsätze genau unter die Lupe, der Staatsschutz ermittelt zu möglichen politischen Motiven, hieß es.  (gn/dpa)

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