Senatorin: "Abscheulich und ekelhaft"

Brandanschlag auf Containerdorf für Flüchtlinge

Bremen - Von Thomas Kuzaj. Unbekannte Täter haben am Dienstag gegen 1.45 Uhr ein noch nicht komplett fertiggestelltes – und damit unbewohntes – Containerdorf für Flüchtlinge in Huchting angezündet. Die Polizei richtete eine Ermittlungsgruppe unter Beteiligung des Staatsschutzes und der Fachdienststelle für Branddelikte ein. Die Ermittler halten einen politischen Hintergrund für wahrscheinlich, hieß es. Menschen wurden nicht verletzt, wie eine Polizeisprecherin weiter berichtete.

„Die Zahl der Anschläge auf Flüchtlingsunterkünfte steigt bundesweit dramatisch. Ich finde es abscheulich, dass dies nun auch in Bremen möglich ist“, sagte Pastor Renke Brahms, Schriftführer der Bremischen Evangelischen Kirche (BEK).

Über Notruf hatte ein Zeuge das Feuer in dem Übergangswohnheim an der Obervielander Straße (in Sichtweite der B 75) gemeldet. Zu der Anlage gehören insgesamt 80 Wohncontainer. „Vier der Container brannten aus, zwölf weitere wurden beschädigt“, sagte die Sprecherin. Und: „Mit der Hilfe eines Großaufgebotes von Feuerwehr und Polizei gelang es, den Brand in relativ kurzer Zeit zu löschen und erste Ermittlungen einzuleiten.“

Die Polizei geht von Brandstiftung aus. Die Täter hatten zunächst Fensterscheiben eingeworfen – „zum Teil mit Pflastersteinen“. Anschließend folgten die Brandsätze. Nicht alle der „Molotowcocktails“ zündeten – sonst wären wohl noch mehr Container ausgebrannt, womöglich gar „das ganze Übergangswohnheim“. Tatortbereitschaft und Delaborierer hätten „erste Spuren“ gesichert, so die Sprecherin. „Der Tatort wurde weiträumig abgesperrt und bewacht.“ Bis zum Nachmittag waren die Brandspezialisten dort. Eine erste Fahndung blieb ohne Ergebnis. Die Ermittler suchen nun Zeugen. Hinweise nimmt der Kriminaldauerdienst unter 0421/362-38 88 entgegen.

Reaktionen aus der Politik 

Etliche Reaktionen kamen aus der Politik. Sozialsenatorin Anja Stahmann (Grüne) bei einem Ortstermin an der Einrichtung: „Dieser feige Anschlag ist abscheulich und ekelhaft. Er ist ein Angriff auf die Schwächsten der Gesellschaft, und er trifft die Gesellschaft mitten ins Herz.“ Und: „Wer sich von dieser feigen Tat verspricht, dass Bremen sich weniger um die Aufnahme von Flüchtlingen kümmert, erliegt einem schweren Irrtum.“ Sükrü Senkal (SPD): „Wer meint, dass mit Brandanschlägen die Weltoffenheit und Toleranz unseres Bundeslandes infrage gestellt werden kann, dem müssen wir zeigen, wie wehrhaft unsere Demokratie ist.“

„Nicht Flüchtlinge bedrohen unsere Demokratie, sondern diejenigen, die gegen Schutzsuchende hetzen und Flüchtlingsunterkünfte niederbrennen“, sagte der Grünen-Abgeordnete Wilko Zicht. Die Huchtinger CDU sprach von einem „hinterhältigen und feigen“ Anschlag. Yvonne Averwerser, Vorsitzende der CDU-Beiratsfraktion: „Hass und Gewalt sind und bleiben absolut inakzeptabel.“ Er sei „fassungslos“ – zumal „Übergriffe auf Einrichtungen für Flüchtlinge auch in Bremen zunehmen“, erklärte Michael Horn, Huchtinger Beirat und Mitglied im Landesvorstand der Linken.

Der Vorfall schlage zudem „ein neues Kapitel in Sachen Gebäudesicherung auf“, sagte Senatorin Stahmann. Bislang seien Sicherheitsdienste eingesetzt worden, sobald eine Immobilie an die Sozialbehörde übergeben worden ist. Es gelte nun, über Sicherheitskonzepte nachzudenken, die vorher greifen.

Das Containerdorf mit Platz für 135 Flüchtlinge sollte Anfang November an die Behörde übergeben werden. Ob der Anschlag diesen Zeitplan verzögert, lasse sich derzeit noch nicht beurteilen, hieß es. Derweil richtet die Polizei „ein verstärktes Auge auf Flüchtlingsunterkünfte in Bremen“, so die Polizeisprecherin. Schutzmaßnahmen würden „anlassbezogen intensiviert“.

Rubriklistenbild: © dpa

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