Heilige Drei Könige kommen mit dem Fahrrad

Bremer Eiswette: Der Boykott des Schneiders

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Action und Bewegung – Eiswettschneider Peter Lüchinger, im richtigen Leben Schauspieler der Bremer Shakespeare-Company, lässt prüfen, ob sein Bügeleisen auch heiß ist.

Bremen - Was soll man sagen? Es war alles wie immer. Die Weser war nicht zugefroren, der Schneider war sehr frech. Und genau das macht ja den Charme des Spektakels am Punkendeich (Osterdeich, Höhe Sielwall) aus. Die Eiswettprobe folgt einem festen Ritual – und eben darin liegt ihr Reiz. Und der Reiz liegt natürlich auch in der Frage, was und wen der Eiswettschneider mit dem losen Mundwerk denn dieses Mal aufs Korn nimmt.

Den SPD-Chef und Ex-Kanzlerkandidaten Martin Schulz zum Beispiel, der auch mal Bürgermeister von Würselen in Nordrhein-Westfalen gewesen ist. Eiswettschneider Peter Lüchinger (Bremer Shakespeare-Company) bezeichnete den Sozialdemokraten mit der zuweilen klagend wirkenden Stimme als „Martin Schnulz“. Dann erklärte er ihn auch noch zum „Würselener Würstchen“.

Comedy also am Punkendeich – zusammengehalten vom festen Band des traditionellen Rituals. Die Heiligen Drei Könige kamen per Fahrrad. Die Eiligen Drei Könige? In gewisser Weise. Anders, so erklärten sie, gebe es in Bremen ja kein Durchkommen.

Anspielungen auf Donald Trump

Apropos „Durchkommen“. Im vergangenen Jahr, so klagte der Schneider, sei er von Fotografen bedrängt worden. Deshalb boykottiere er das Ritual in diesem Jahr, ließ er per E-Mail an den Notarius Publicus Thomas Röwekamp (Rechtsanwalt und CDU-Fraktionschef) wissen. „Zum ersten Mal seit 189 Jahren ist die Zeremonie von Beginn an außer Kontrolle“, stellte Eiswett-Präsident Patrick Wendisch nüchtern fest.

Notarius Publicus Thomas Röwekamp (Rechtsanwalt und CDU-Fraktionschef) beim Spektakel am Punkendeich.

All das unter den Augen von sieben Eiswett-Novizen – unter ihnen der Bremer Bestsellerautor David Safier (Mieses Karma“), Matthias Zimmermann (Weser Wohnbau) und Moritz Prescher (Peter Harms Schifffahrts- und Speditionsgesellschaft).

Aber dann kam er ja doch noch, der Schneider. „Schneider first“ – das stand in Anspielung auf US-Präsident Donald Trump auf einer Mütze, die er trug. Dabei muss er doch eigentlich einen Zylinder aufsetzen. „We will make Eiswette great again“, hatte es zuvor schon geheißen.

„Stern“ und Stephaniebrücke auf die Schippe genommen

Aber auch Bremisches wurde auf Eiswett-Art satirisch in den Fokus gerückt. Der Umbau des Kreisverkehrs am „Stern“ ebenso wie die Sanierung der Stephanibrücke und die Diskussion über ein Rauchverbot an Bus- und Bahnhaltestellen. Haschisch rauchen sollte Pflicht werden in Bremen, forderte der Eiswettschneider. Seine Begründung: „Die bremische Politik kann man nur bekifft aushalten.“ Auch die Opposition kam ihr Fett weg. Zum CDU-Vorschlag, die Neustädter Häfen in ein Baugebiet umzuwandeln, sagte der Schneider, da könne man ja auch gleich die Weser zuschütten. Dann müsse er auch wenigstens nicht mehr zur Eiswette kommen.

Was ja schade wäre, sehr schade – nach so langer Zeit. Die Weser, sie war natürlich nicht zugeschüttet – aber eben auch nicht zugefroren. Um trockenen Fußes über den Fluss zu kommen, musste der Schneider einmal mehr die Hilfe der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS, Sitz: Bremen) in Anspruch nehmen. Und das tat er dann auch.

Für die – aus Spenden und Zuwendungen finanzierte – DGzRS wird beim Stiftungsfest der Eiswette wieder gesammelt – am Sonnabend, 20. Januar, wenn etwa 800 Herren im Congress Centrum (Bürgerweide) zu Kohl und Pinkel zusammenkommen. 2016 spendeten sie 450.000 Euro für die Seenotretter, im vergangenen Jahr sind es 450 238,97 Euro gewesen – das war ein Rekord. 

kuz

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