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Boulevardtheater Bremen sucht den optimalen Erzeuger

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Von: Thomas Kuzaj

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Auf der Suche nach dem optimalen Erzeuger . . . von links gesehen: David Gundlach, Markus Weise, Kai Hochhäusler und Sarah Kluge in der Komödie „Ich will ein Kind von dir“, die am Boulevardtheater Bremen uraufgeführt wird.
Auf der Suche nach dem optimalen Erzeuger . . . von links gesehen: David Gundlach, Markus Weise, Kai Hochhäusler und Sarah Kluge in der Komödie „Ich will ein Kind von dir“, die am Boulevardtheater Bremen uraufgeführt wird. © Boulevardtheater Bremen

Bremen – Premiere und Uraufführung in einem: „Ich will ein Kind von dir“, so heißt die neue Komödie am Boulevardtheater Bremen, der zweiten Spielstätte des Weyher Theaters. Das Stück von Kay Kruppa und Frank Pinkus wird am Freitag, 11. Februar, im Bremer Tabakquartier uraufgeführt. Für Regisseur Marc Gelhart ist es zugleich eine Premiere – im Interview spricht er über seine erste Inszenierung am Boulevardtheater Bremen, die auch seine erste Regie für ein Abendstück ist.

Wenn Sie kurz zusammenfassen müssten, worum das Stück sich dreht, wie würden Sie es machen?

Emma und Nicky teilen sich eine WG. Nach einer misslungenen Beziehung hat Emma keine Lust mehr auf eine feste Bindung, wünscht sich aber dennoch sehnlichst ein Kind. Daher regt Nicky eine Art Casting für die Suche nach dem optimalen Erzeuger an. Vier Männer kommen infrage und bringen jeweils viel Unruhe in den Haushalt; besonders, als alle gleichzeitig auf der Matte stehen und ihre Dienste anbieten, aber gar nichts voneinander wissen…

Sind Emma und Nicky ebenso unterschiedliche Typen wie die vier „Vaterschafts-Kandidaten“?

Oh ja! Aber daher ergänzen sich die beiden auch so wunderbar. Emma, gespielt von Sarah Kluge, wäre vermutlich nie auf die Idee gekommen, sich einen Mann nur für diese eine Aufgabe zu suchen – dafür ist sie zu brav und klebt zu sehr an moralischen Traditionen. Nicky (Christina Stephan) ist viel impulsiver, unbedarfter, entsprechend auch ab und zu etwas zu ruppig im Charme, sorgt aber eben auch dafür, dass Emma vorankommt. Allerdings ist sie dabei auch recht übergriffig. Die Idee dieser ungewöhnlichen Erzeuger-Suche findet sie jedenfalls unbedenklich – bis auch ihr Freund Julius (Christian Hamann) sich als Kandidat ins Gespräch bringt…

Was ist das Geheimnis einer guten Komödie?

Eine gute Komödie hat zunächst mal liebenswerte Charaktere, mit denen man sich bestenfalls auch identifizieren kann. Meist hat jede Figur ein „Problem“, das sie antreibt und was in der Geschichte zu einem Konflikt mit anderen führt. Bei aller beabsichtigter Komik sollten diese Aspekte jeweils ernst genommen werden und nichts einfach bloß für einen billigen Effekt oder Gag passieren, sondern nachvollziehbar bleiben. Ein besonderes Beispiel ist unsere Produktion „Und immer wieder zahlt das Amt“, für die wir uns bewusst zur Eröffnung unseres Boulevardtheaters entschieden haben. Das Stück ist eine der genialsten Komödien, die ich kenne. Es geht extrem turbulent zu, weil Autor Michael Cooney mit mathematischer Präzision jeden auf jeden treffen lässt und jeder jeden für jemand anderen hält. Wer den Durchblick behält, wird feststellen, dass alles nachvollziehbar bleibt. Wenn eine Komödie Logikfehler enthält oder keinen versöhnlichen Schluss hat, wird es schwierig. Und unser Publikum soll unsere Häuser immer glücklicher verlassen, als es sie betreten hat.

Was ist wichtig, damit eine Komödie funktioniert – Tempo, Präzision, Figuren?

Ein gewisses Tempo ist heutzutage schon nötig. Im Idealfall nimmt das Tempo im Laufe des Stückes zu, aber zumindest nicht ab. Und trotz und gerade wegen des Tempos muss eine gewisse Präzision erhalten bleiben. Eine gute Pointe muss oftmals sorgfältig aufgebaut und präzise serviert werden, sonst verpufft sie einfach. Sowohl Tempo als auch Präzision sind Teile der komödiantischen Handwerkskunst, die durchaus harte Arbeit erfordern. Dafür proben wir schließlich mehrere Wochen. Wieviel Handwerk gerade im Komödienspiel steckt, hätte ich früher auch nicht geahnt, als ich ans Weyher Theater kam. Aber gerade dort habe ich hierfür die ideale Schule und mit Kay Kruppa und Frank Pinkus wunderbare Lehrer gefunden. Und zu guter Letzt darf das Ganze auch nicht nach Arbeit aussehen, sondern wie zufällig in diesem Moment entstanden.

Sorgt eine Uraufführung hinter den Kulissen für noch größere Aufregung als eine Premiere?

Dadurch, dass Kay Kruppa und Frank Pinkus unserem Ensemble schon unheimlich viele Stücke auf den Leib geschrieben haben, kommen wir verhältnismäßig häufig in den Genuss, eine Uraufführung spielen zu dürfen. Daher fällt dieser Faktor nicht so enorm ins Gewicht. Bei den meisten von uns ist die Aufregung bei einer Premiere so groß, dass es eh nicht viel „schlimmer“ werden kann. Für mich als Regisseur dieses Stückes ist es aber reizvoll, keinerlei Referenzen zu haben, sondern mit dem ganzen Team – vom Bühnenbild über Maske bis hin zur Kostümabteilung – von vornherein unser eigenes Ding daraus zu machen.

Frank Pinkus ist im September – kurz vor Eröffnung des Boulevardtheaters Bremen – auf der Bühne gestorben. Wie präsent ist er jetzt?

In meinen Gedanken ist Frank generell viel und oft präsent. Ich muss nur die Bühne des Boulevardtheaters betreten – bin mir dann aber auch sicher, dass er als guter Geist über das Geschehen wacht, mit der Vorstellung hoffentlich zufrieden ist und nicht kopfschüttelnd die Augen verdreht, wie er es bei Proben gerne aus Spaß gemacht hat. Bei den Proben selbst bin ich diesbezüglich relativ frei, versuche aber das anzuwenden, was ich von ihm gelernt habe. In den vergangenen Jahren habe ich oft Regieassistenz an seiner Seite machen dürfen, und bei der gemeinsamen Arbeit von der anderen Seite der Bühnenkante gab es auch noch einige erleuchtende Momente für mich. Ich bedauere schon, dass er meine fertigen Inszenierungen nicht mehr sehen kann, aber zumindest hatte er 2020 noch Proben von meiner „Urmel-aus-dem-Eis“-Regie begutachten können. Bei „Ich will ein Kind von dir“ gibt es übrigens einige Merkmale, die typisch Pinkus sind und die uns alle bei der Arbeit mit Schmunzeln an ihn denken lassen.

Was wünschen Sie sich für den 11. Februar, 20 Uhr?

Ich wünsche mir, dass meine Kolleginnen und Kollegen sowie vor allem die Zuschauerinnen und Zuschauer Spaß an den sympathischen Figuren haben, dass alle diese liebenswerte Geschichte genauso lieben wie ich und dass alles so, wie ich es mir ausgemalt habe, aufgeht. Und kein Kopfschütteln mit verdrehten Augen von oben!

Karten und Termine

Die Komödie „Ich will ein Kind von dir“ von Kay Kruppa und Frank Pinkus ist ab Freitag, 11. Februar, im Boulevardtheater Bremen im Tabakquartier (Woltmershausen) auf dem ehemaligen Brinkmann-Areal regulär zu sehen. Beginn: 20 Uhr (36 und 38 Euro). Vor der Uraufführung gibt es eine Preview, die am Donnerstag, 10. Februar, um 20 Uhr beginnt (25 Euro). Weitere Vorstellungen ab Sonnabend, 12. Februar, 20 Uhr (32 und 34 Euro; Loge 42 Euro). Eintrittskarten sind unter dieser Adresse zu haben.

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