1. Startseite
  2. Lokales
  3. Bremen

Boulevardtheater Bremen: Schauspieler Carsten Steuwer über Machos und Weicheier

Erstellt:

Von: Thomas Kuzaj

Kommentare

Vier „Machos und andere Weicheier“ eröffnen die zweite Spielzeit des Boulevardtheaters Bremen im Tabakquartier.
Vier „Machos und andere Weicheier“ eröffnen die zweite Spielzeit des Boulevardtheaters Bremen im Tabakquartier. © Boulevardtheater Bremen

Bremen – Vorhang auf – mitten im Sommer eröffnet das Boulevardtheater Bremen im Tabakquartier, zweite Spielstätte des Weyher Theaters, die neue Saison. Zum Auftakt seiner zweiten Spielzeit zeigt das Boulevardtheater in der Regie von Marc Gelhart „Machos und andere Weicheier“, eine Komödie von Kay Kruppa und Frank Pinkus (1959 bis 2021). Premiere: Freitag, 1. Juli, 20 Uhr. Weitere Vorstellungen stehen bis Ende August auf dem Spielplan (Karten ab etwa 33 Euro).

Wie ist sie gelaufen, die erste Spielzeit im Boulevardtheater Bremen, der zweiten Spielstätte des Weyher Theaters? Im Grunde gut. In seiner Rolle als Sprecher des Hauses gibt Marc Gelhart eine differenzierte Antwort. Bis zur vierten Corona-Welle sei die erste Saison im Woltmershauser Tabakquartier „recht gut und steil“ verlaufen. „Wir konnten bereits die ersten ausverkauften Vorstellungen verzeichnen.“ Doch: „Seit der vierten Welle verzeichnen wir einen deutlichen Rückgang, der sicher auch der Gesamtsituation im Mix mit Krieg, Inflation et cetera geschuldet ist. Das ist aber ein Problem, das so ziemlich alle Theater derzeit eint“, so Gelhart weiter.

Gleichwohl sind die Theaterleute gut in Pusdorf – wie die Bremer Woltmershausen nennen – angekommen. „Wir können bereits auf eine treue Fangemeinde blicken, die nicht nur aus den bereits ,üblichen Verdächtigen‘ aus dem Weyher Theater besteht. Viele aus der Pusdorfer Nachbarschaft sind sehr dankbar, so ein kulturelles Angebot vor Ort zu haben. Aber auch hier kommen viele aus dem Umland“, sagt Marc Gelhart.

Ein weiteres Detail ist dem Boulevardtheater-Team aufgefallen – und es führt zu einer konzeptionellen Änderung. Gelhart: „Da sich die Zuschauerkreise von Weyhe und Bremen bisher nicht in dem riesigen Maße decken, wie zu erwarten war, tauschen wir nun auch mal Produktionen untereinander aus.“ Genau das war anfangs so nicht geplant worden. Für die neue Saison aber wird es bereits konkret: „,Ich will ein Kind von Dir‘ kommt im September nach Weyhe, dafür statten die ,Männer allein zu Haus‘ aus Weyhe dem Boulevardtheater Bremen ein Gastspiel ab“, so Gelhart. Apropos Männer – reine Männerkomödien haben am Weyher Theater eine lange Tradition als Publikumserfolge.

Bremen knüpft daran an, so soll es auch mit der Komödie „Machos und andere Weicheier“ sein. Worum geht’s? Um das, was Firmen sich zuweilen ausdenken, um ihre Mitarbeiter auf die Probe zu stellen. In diesem Fall wollen vier Kollegen Bezirksleiter einer Bausparkasse werden. So werden sie für ein Wochenende auf einer unbewohnten und ungemütlichen kleinen Insel mitten in einem See ausgesetzt – und sollen nun zeigen, wer von ihnen für diesen Job am besten geeignet ist. Da ist Jörg Brehme (David Gundlach), der sich selbst ziemlich unwiderstehlich zu finden scheint. Da ist Stefan Nussbaum (Carsten Steuwer), der sich angewöhnt hat, alles lustig und „herrlich“ zu finden. Da ist der eher zurückhaltende Zyniker Theo Nielsen (Christian Schliehe). Und da ist schließlich noch Gregor Gregersen (Marco Linke), der immer versucht, die Harmonie zu erhalten und hinter seiner fröhlichen Oberfläche ein gut gehütetes Geheimnis verbirgt… Wer ist Macho, wer Weichei? Es ist nicht alles so, wie es scheint.

Als „Rückkehrer“ ins große Gesamtensemble steht der Schauspieler Carsten Steuwer mit dieser Produktion nun erstmals auf der Bühne des Boulevardtheaters Bremen. Im Interview spricht er über seine Rolle, das Theater – und über Bremen.

Carsten Steuwer, Schauspieler.
Carsten Steuwer, Schauspieler. © Boulevardtheater Bremen

Was haben Sie vor Ihrer Rückkehr gemacht?

Zuletzt war ich als Theatermanager auf dem Kreuzfahrtschiff „Mein Schiff 3“. Und davor als Regisseur in Würzburg und als Schauspieler in Regensburg.

Wie fühlt sich die Arbeit an auf der Bühne im Bremer Tabakquartier?

Unheimlich spannend, weil für mich einerseits vieles bekannt ist beziehungsweise etliche Kolleginnen und Kollegen vertraut sind – und andererseits es sich aber dennoch um einen neuen Spielort und eine neue Situation handelt. Und natürlich kommen vor Ort nun auch nochmal Erinnerungen an Frank Pinkus hoch. Das heißt, ein bisschen Trauer und vor allem Dankbarkeit und viel Freude darüber, dass sicherlich auch in seinem Sinne alle Beteiligten weitermachen.

Was verbinden Sie persönlich mit Bremen?

Ich bin sehr dankbar, dass ich über meine Arbeit Bremen so richtig kennenlernen durfte. Als Norddeutscher aus Osnabrück war Bremen mir früher eher von ein paar Tagesausflügen bekannt. Mit der Arbeit in Bremen zunächst am Theaterschiff und dann vor allem am Weyher Theater habe ich dann erfahren können, was für eine wundervolle Stadt Bremen ist. Ich verbinde mit Bremen Lebendigkeit und Vielfalt.

Was für ein Typ ist der Stefan, den Sie spielen?

Stefan ist sehr optimistisch und möchte das Leben immer auf einen angenehmen Nenner brechen. Konflikten geht er gerne aus dem Weg beziehungsweise lässt sie am liebsten erst gar nicht entstehen. Sein Privatleben scheint etwas einfältig und langweilig, das Wochenende auf der einsamen Insel mit seinen Kollegen ist ihm eine willkommene Abwechslung, um etwas Farbe in sein Leben zu bekommen. Außerdem hat er dadurch Zuhörer. Das trifft sich ziemlich gut, denn er erzählt unheimlich gerne von sich.

Wenn einer alles „lustig“ und „herrlich“ findet – wie zeigt man das auf der Bühne? Muss man aufpassen, so etwas nicht zu überzeichnen?

Im Theater gibt man im allgemeinen vielen Dingen und Gefühlen Raum, die man extrem und dramatisch darstellt. Entscheidend ist nicht, wie extrem diese Dinge dargestellt werden, sondern ob man es der Figur, dem Charakter auf der Bühne als Zuschauer glaubt und abnimmt. Dabei die richtige Balance zu finden, ist Teil unserer täglichen Probenarbeit. Ich hoffe natürlich, die richtige Mischung zu finden.

Wie sehen Sie sich privat, sprich: Wie ausgeprägt sind Ihre Macho-Anteile?

Auf das Stück bezogen kann man sicher beobachten, dass jeder der Charaktere mit typischen männlichen Fragestellungen und Problemen zu kämpfen hat, auf die jede Figur innerhalb ihrer charakterlichen Befindlichkeiten für sich antworten findet oder eben auch neue Fragestellungen. Darin liegt oft auch die Komik im Stück. Ich persönlich würde über mich sagen, dass ich Macho-Anteile habe, aber auch genug Selbstironie, um damit umgehen zu können. Außerdem hab‘ ich keine Probleme, zuzugeben, dass ich zum Beispiel körperliche Schmerzen nicht ertrage und die meisten Frauen das viel besser können. Aber auch das ist womöglich ein männliches Phänomen. Wie man sieht, geht man damit am besten, genau wie das Stück, mit Humor um.

Auch interessant

Kommentare