Serie „Sommermomente“

Der Bibelgarten am Dom – grüne Oase mitten in der Bremer Innenstadt

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Blick der Gartenfreunde: Henrike (links) und Anneke Weyh betrachten im Bibelgarten einen Zitronenbaum. Der Bibelgarten am Dom ist eine Oase mitten in der Innenstadt. 

Bremen - Von Martin Kowalewski. Plötzlich ist alles ruhig. Kaum ist der Eingang zum Bibelgarten am St.-Petri-Dom durchschritten, ist von dem belebten Treiben an der Domsheide und auf dem Marktplatz nichts mehr wahrzunehmen. Bei gutem Wetter und Sonnenschein ist der Garten gut besucht. Ein schattiges Plätzchen bieten die Sitzbänke an der Arkade auf der Seite der Glocke. Gegenüber steht eine Pflanzenpracht, die zu einer Art botanischem Spaziergang durch das Alte Testament einlädt.

Im Rahmen unserer Serie „Sommermomente“ stellen wir heute den Bibelgarten als einen Ort vor, der die Hektik des Stadtlebens in wenigen Augenblicken vergessen lässt.

Ein großer Feigenbaum fällt sofort ins Auge. Der Baum trägt Früchte, aber sie sind noch nicht groß. „Die Feige ist die erste Pflanze, die in der Bibel erwähnt wird, in Zusammenhang mit dem Sündenfall. Nachdem Adam und Eva von der Frucht des Baumes der Erkenntnis gegessen haben, werden ihnen die Augen geöffnet und sie sehen, dass sie nackt sind. Sie verwenden Feigenblätter, um sich Schürzen zu machen“, sagt Henrike Weyh. Sie ist Leiterin des Dommuseums, bietet aber auch Führungen im Bibelgarten an.

Direkt unter dem Birnenbaum wachsen in Hochbeeten Gerste, Weizen und Hirse. Auch das passt zur Geschichte von Adam und Eva. „Beide verlassen das Paradies und sorgen für sich durch Ackerbau“, erklärt Weyh. In der Nähe der Nutzpflanzen steht der Feind: die Distel. „Die Distel erschwert den Ackerbau allerdings. Sie ist schön im Garten. Aber ungeplant, im Feld, verdrängt sie die anderen Arten“, sagt Weyh. Die Distel hier ist allerdings schon etwas welk und wohl keine Gefahr mehr.

Granatapfel-Busch neben Linsengewächs

Der Bibelgarten soll die Rolle von Natur und Garten in der Bibel lebendig erfahrbar machen. „In der Bibel heißt es, in sechs Tagen erschuf Gott die Welt, machte dann einen Tag Pause und legte am achten Tag einen Garten an, den Garten Eden“, sagt Weyh. „Der Garten spielt in der Bibel eine große Rolle. Das Leben der frühen Kultur korrespondiert sehr stark mit Ereignissen in der Natur.“

Weyh geht weiter und zeigt auf einen prächtigen Granatapfel-Busch. „Im Orient ist er ein Symbol für Fruchtbarkeit, in der Bibel eines für die Liebe Gottes. Er schließt alle Kerne mit ein“, sagt Weyh. Einige Blüten haben schon hübsche kleine Kronen ausgebildet. „Deine Schläfen sind hinter Deinem Schleier, wie eine Scheibe vom Granatapfel“, heißt es im „Hohelied“ Salomos. Ein Linsengewächs rankt sich an zwei Stangen hoch. Linsen spielen eine wichtige Rolle in der Geschichte von Jakob und Esau. Der hungrige Esau tauscht bei seinem Bruder Jakob sein Erstgeborenrecht gegen ein Linsengericht ein und überträgt damit sein Recht, Stammvater des Volkes Israel zu werden, so Weyh. „Die Linse wurde schon in der Steinzeit kultiviert. Sie ist ein wichtiger Eiweißlieferant.“

In der Mitte des Gartens steht seit 2007 ein Brunnen, der bei Ausgrabungen im Stephaniviertel gefunden wurde. An ihm wachsen Rosen. „Auf Gemälden wird Maria gerne mit Rosen dargestellt“, sagt Weyh. Die vier Wege, die von dem Brunnen abgehen, sollen die vier Paradiesströme im Garten darstellen. Mittels Schläuchen fließt reales Wasser vom Brunnen zu den Pflanzen.

„Der Bibelgarten ist ein Ort der Besinnung“

Die 13-jährige Anneke Weyh ist wie ihre Mutter Henrike gerne im Bibelgarten. „Ich bin konfirmiert und gern in der Kirche. Da komme ich oft am Bibelgarten vorbei“, sagt sie. Die in direkter Nachbarschaft wohnende Seniorin Monika Kühtz ist gekommen, um sich den Feigenbaum anzusehen. „Ich will sehen, ob er Früchte trägt. Er hat einen sehr guten Platz hier. Ich habe auch eine Feige im Garten, die steht aber nicht so günstig“, sagt sie. „Der Bibelgarten ist ein Ort der Besinnung. Ich komme oft her. Ich lese auch gerne auf der Bank an der Arkade. Das ist immer ein angenehmer Schatten.“ Im Eingangsbereich steht eine Bibel griffbereit.

Am Sonntag. 20. August, lohnt sich der Besuch im Bibelgarten besonders. Dann findet das Bibelgartenfest statt. „Es beginnt um 10 Uhr mit einem Gottesdienst. Dabei wird eine Pflanze im Vordergrund stehen“, sagt Henrike Weyh. Außerdem wird es Essen geben, das in der Bibel eine Rolle spielt. Mittags steht eine Führung auf dem Plan. Zu kaufen sind an diesem Tag Honig und Öl aus dem Bibelgarten.

www.stpetridom.de

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