Bremer Autor Peter Kurze erwirbt Industriemodell aus der hanseatischen Kraftfahrzeugschmiede

Borgward-Kampfpanzer entdeckt

Peter Kurze mit dem von ihm wiederentdeckten Industriemodell des Borgward-Kampfpanzers.

Bremen - Von Ulf Kaack· Ein lange verschollen geglaubtes Relikt aus der Historie des Borgward-Konzerns ist vor kurzem wieder aufgetaucht: das Industriemodell einer Panzerkonstruktion aus der hanseatischen Kraftfahrzeugschmiede. Es ist zugleich Zeugnis für deren in weiten Teilen unbekannte Aktivitäten auf dem Gebiet der Rüstung.

Wiederentdeckt hat es der Bremer Autor, Verleger und Automobilhistoriker Peter Kurze, renommierter Fachmann in Sachen Borgward-Geschichte. „Ab 1935 fertigte Borgward Fahrzeuge für die Wehrmacht“, berichtet Kurze über die Rüstungsaufträge des Konzerns.

„Im Zweiten Weltkrieg entstanden im Bremer Werk vor allem Halbkettenfahrzeuge als geländegängige Zugmaschinen für die Artillerie, mehr als 25 000 Lkw und außerdem unbemannte Kleinpanzer, die ferngelenkt Sprengladungen gegen feindliche Militärobjekte transportierten.“

Auch in den 50er Jahren, das im Krieg in weiten Teilen zerstörte Werk war wieder aufgebaut, versuchte Carl F. W. Borgward, an lukrative Rüstungsaufträge zu kommen. So beteiligten sich die Bremer gegen die Konkurrenz von Porsche und DKW an der Konstruktionsausschreibung für einen leichten Geländewagen für die noch junge Bundeswehr. Den Zuschlag bekam seinerzeit DKW mit dem technisch unterlegenen Zweitakter vom Typ Munga. Eine politische Entscheidung.

Die Bundeswehr wurde im Januar 1956 mit M 47-Kampfpanzern „Patton“ aus US-amerikanischer Produktion ausgerüstet. Bereits zwei Jahre später sollten diese Kettenfahrzeuge, so die Planung der Militärs, abgelöst oder ergänzt werden – möglichst durch eine deutsche Konstruktion.

„Hier witterte Carl F. W. Borgward, der innovativen Ideen und neuen Marktchancen fast immer offen gegenüber stand, einen staatlichen Großauftrag“, erklärt Kurze. „Intern beauftragte er 1956 seine Abteilung ,Sonderentwicklung’ mit der Konstruktion eines Kampfpanzers für das Heer.“

Unter der Leitung von Dipl.-Ing. Erich Übelacker entstanden technische Zeichnungen und Entwürfe für einen Kampfpanzer, der in großen Teilen aus Aluminium gebaut werden sollte. Durch geringes Gewicht und eine starke Motorisierung waren hohe Endgeschwindigkeit und extreme Wendigkeit vorgesehen, mit der man sich großkalibrigem feindlichem Beschuss entziehen wollte. Die Panzerung schützte nur gegen Projektile aus leichteren Waffen. Übelacker verzichtete bei seiner Konstruktion auf einen Turmaufbau. Die Kanone war stattdessen freischwingend gelagert. „Technisch gesehen war der Borgward-Panzer seiner Zeit weit voraus“, so das Urteil von Kurze. „Trotzdem fiel er bei den zuständigen Prüfgremien der Bundeswehr durch. Ein Prototyp wurde niemals realisiert.“

In der Abteilung Musterbau im Sebaldsbrücker Werk entstanden unter der Leitung von Oberingenieur Fritz Hattesohl lediglich zwei Industriemodelle. Beide galten bisher als verschollen. Auf verschlungenen Wegen tauchte nun eines der Modelle wieder auf und wurde kürzlich von dem Bremer Technik-Historiker erworben. „Offenbar kam ein Modell in den Wirren des Konkurses der Borgward-Gruppe 1961 in die Hände eines Mitarbeiters“, rekonstruiert Kurze. „Nach dessen Tod gelangte es zu einem Antiquitätenhändler, der den technikgeschichtlichen Wert des Modells gar nicht einschätzen konnte. Durch einen Insidertipp aus der Borgward-Szene konnte ich das Exponat für die Nachwelt sichern. Ich werde es möglicherweise einem langfristig geplanten Museum für Bremer Technik- und Industriegeschichte zur Verfügung stellen.“

Der Rumpf des Panzermodells besteht aus Aluminium-Guss. Das Modell ist innen hohl, 68 Zentimeter lang (mit Kanone 98) und 34 Zentimeter breit. Das fast 20 Kilo schwere Modell ist im Maßstab 1:10 gefertigt. 1 000 Euro hat Kurze für seine Neuerwerbung gezahlt.

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