Innovative Bio-Yachten

Friedrich Deimann gewinnt den „Bremer Umweltpreis“

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„Umweltpreis“ für Bio-Boote: Friedrich Deimann („Greenboats“) mit seinen Naturmaterialien vor einem Wettbewerbsplakat.

Bremen - Von Thomas Kuzaj. Der Bremer Boots-und Schiffbaumeister Friedrich Deimann hat sein Handwerk in einem klassischen Holzbootsbaubetrieb gelernt. Später arbeitete er auf einer Werft, die glasfaserverstärkten Kunststoff (GFK) nutzt – ganz klassisch. Dort kam Deimann eine Idee, für die er am Dienstagabend den „Bremer Umweltpreis“ bekommen hat.

Mit seinem 2013 gegründeten Unternehmen „Greenboats“ fertigt Deimann, 31, Bootsrümpfe nicht mehr aus Kunststoff, sondern aus natürlichen Materialien. Bootsbau mit Naturfasern – das hat etwas Revolutionäres. Und das Interesse daran ebbt nicht ab.

Glas- und Kohlefasermaterialien seien „unangenehm zu verarbeiten“ und enthielten „viele Giftstoffe“, so Deimann. Zurück zum Holz wollte er bei seinen Yachten aber auch nicht: „Nicht mehr zeitgemäß.“ Also suchte er nach Alternativen, die auch die Vorteile des Kunststoffbaus haben – schließlich sei Kunststoff „superleicht“ und gut „in Serie“ zu verarbeiten. Und er „verrottet nicht“.

Flachsfaser statt Glasfaser

Eigenschaften, die nun auch die Bio-Boote von „Greenboats“ haben. Statt Glasfaser nimmt Deimann Flachsfaser für die Deckschicht. Statt Schaum für den Kern seines im Sandwichverfahren gefertigten Materials nimmt er Kork – etwa als Granulat aus der Altkorksammlung. Für die untere Schicht greift Deimann nicht zu Erdölharz, sondern zu Produkten auf Leinölbasis.

Mit diesem Konzept haben die Entwickler des ersten Serien-Segelboots aus natürlichen Materialien 19 Mitbewerber um den mit 10 000 Euro dotierten „Umweltpreis“ hinter sich gelassen. Neben „Greenboats“ (Sitz: Haferwende, Horn) waren das Atlantic-Hotel „Sail City“ (Bremerhaven), die Fischmanufaktur „Deutsche See“ mit ihrer Solar-Kühllogistik und das Bremerhavener Kommunikationsgeräte-Reparaturprojekt „Siwona“ ins Finale des Wettbewerbs gekommen. Über die Preisvergabe entschied eine siebenköpfige Jury.

80 Prozent weniger Energieverbrauch bei der Herstellung

„Wir gratulieren Deimann zu einem Werkstoff, der wegweisend in industriellen Produktionsprozessen werden kann. Für das Land Bremen ist das ein echtes Aushängeschild“, sagte Umweltsenator Joachim Lohse (Grüne), der Schirmherr des Wettbewerbs. „80 Prozent weniger Energieverbrauch bei der Herstellung und die Verwendung nachwachsender Rohstoffe sind in diesem Bereich etwas ganz Besonderes“, sagte Ralf Stapp, Geschäftsführer der Bremer Aufbau-Bank (BAB). Die Förderbank richtet den Wettbewerb aus.

Vier Bio-Boote hat das „Greenboats“-Team inzwischen gebaut. Das Unternehmen entwickelt neben Motorbooten und Yachten auch Kanus, Kites und andere Boards. „Wir reduzieren die Schadstoffbelastung allein durch den Verzicht auf rohölbasierende Glasfaser- und Kohlefaserkunststoffe erheblich. Das kommt nicht nur der Umwelt zugute, sondern auch den Mitarbeitern in der Verarbeitung und unseren Kunden“, so Deimann. Auf einer Bio-Yacht herrsche „ein anderes Raumklima“, es gebe „keine Geruchsbelastung“. Die Bio-Boote sind etwa 15 Prozent teurer als konventionell gefertigte.

Auch in anderen Branchen ist man auf Deimanns Material aufmerksam geworden. Es lasse sich beispielsweise auch im Fahrzeugbau einsetzen, sagt der Bootsbaumeister. „Es ist robust und wetterbeständig, dämpft Schall und isoliert Wärme.“

Deimann will es auch als Plattenwerkstoff anbieten. Und so wird das Preisgeld gleich investiert. Der 31-Jährige möchte sich damit nämlich nun eine Plattenpresse anschaffen.

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