„Bombenstandard aus Holland“

30-Jähriger Bremer steht wegen Drogenhandels vor Gericht

Der Angeklagte spricht mit seinem Verteidiger Ladislav Anisic.
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In den Chats sehr auskunftsfreudig, vor Gericht schweigsam: Der Angeklagte wollte sich nicht zu den Vorwürfen äußern. Sein Verteidiger Ladislav Anisic (l.) kündigte jedoch an, sein Mandant könne im Falle einer Verständigung aussagen.

Ein 30-Jähriger steht wegen Drogenhandels vor Gericht. Sein Geschäft flog auf, als Ermittler die Handy-Software knackten.

Bremen – Sie benutzten Phantasienamen, nannten sich „littlepallace“ und „keywaiter“ und machten mit Drogengeschäften vermutlich das große Geld. Einer der mutmaßlichen Dealer steht seit Montag vor dem Landgericht Bremen. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm Betäubungsmittelhandel im großen Stil vor. Zum Teil mehrmals wöchentlich soll der 30-jährige Deutsche Kokain und Marihuana im Kilobereich verkauft haben. Bis die Ermittler „Encrochat“-Handys entschlüsselten und eine Welle von Razzien begann.

Los ging es im August 2020. Hunderte von Ermittlern stürmten Wohnungen und Geschäftsräume in Bremen und Umgebung, nahmen immer wieder Personen fest, die im Verdacht standen, im großen Stil mit Drogen gehandelt zu haben. Polizei, Zoll und Sondereinsatzkommandos stellten Monat für Monat Betäubungsmittel sicher, dazu Waffen, Schmuck, hochpreisige Autos und Bargeld in Millionenhöhe, verhafteten nach und nach mehrere Dutzend Verdächtige. Unter ihnen ist auch der Angeklagte, der am 16. September 2020 festgenommen wurde und seitdem in Untersuchungshaft sitzt.

Cannabis und Kokain

Seit 2018 soll der 30-Jährige in mehreren Fällen Cannabis und Kokain an andere Personen verkauft haben. Mal sei es dabei um Beträge von wenigen zehntausend Euro gegangen, mal soll die Ware mehr als 100  000 Euro wert gewesen sein. Was alle angeklagten Taten gemein hatten: Es ging nicht um Geschäfte im Grammbereich – sondern um ein Vielfaches. Bis zu 30 Kilo Marihuana pro Lieferung, so der Vorwurf der Staatsanwaltschaft, verkaufte der Mann. Insgesamt soll er mindestens 100 000 Euro Gewinn gemacht haben.

Was den Tätern offenbar lange Zeit in die Karten spielte, entpuppte sich letztlich als Fallbeil für die äußerst lukrativen Geschäfte: Viele der mutmaßlichen Drogendealer kommunizierten untereinander mit Krypto-Handys. Mit den nach außen handelsüblich wirkenden, jedoch mit einer speziellen Software namens „Encrochat“ ausgestatteten Smartphones war es über Jahre hinweg möglich, verschlüsselte Nachrichten von einem Handy zum anderen zu senden, ohne dass die Ermittler in der Lage waren, die Texte mitzulesen. Was die Täter nicht wussten: Es war den Behörden zwischenzeitlich gelungen, die Software zu entschlüsseln.

Verschlüsselte Infos

So wog sich auch der 30-Jährige lange Zeit in Sicherheit, verhandelte laut Anklage unbekümmert mit den Abnehmern – und verschickte Infos zu konkreten Treffpunkten, Kilopreise der Drogen und auch Fotos, die die Betäubungsmittel zeigten. Aus wechselnden Autos heraus soll der Mann die Drogen unter anderen auf Parkplätzen, an Einkaufszentren und Schnellrestaurants verkauft haben. Zudem soll er die Ware kategorisiert haben, mal gab es demnach „Standardqualität“, an anderen Tagen „Bombenstandard aus Holland“. Und: „Stimmte die Qualität der Drogen nicht, wurden Retouren veranlasst“, so der Staatsanwalt.

Wer die Drogen letztlich kaufte, scheint nur im Ansatz klar zu sein. Immer wieder hieß es bei einzelnen Anklagepunkten, die Ware sei an „Unbekannt“ oder eine „nicht näher identifizierte Person“ veräußert worden.

Kommt es zum „Deal“?

Der Angeklagte selbst schwieg zu Prozessauftakt, könnte sich aber im Laufe des Verfahrens äußern, sagte sein Verteidiger, Rechtsanwalt Ladislav Anisic.

Für das Verfahren sind elf weitere Verhandlungstage angesetzt. Hinter verschlossenen Türen begannen am Montag erste Gespräche über eine Verständigung („Deal“) zwischen dem Gericht und den Verfahrensbeteiligten.

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