Marum untersucht Meteoriteneinschlag

Bohrkerne erzählen Prähistorisches

Ursula Röhl steht an einer Bohrprobe, die Aufschluss über den dramatischen Meteoriteneinschlag vor 66 Millionen Jahren in Mexiko gibt. - Foto: Kowalewski

Bremen - Von Martin Kowalewski. Ursula Röhl, Geowissenschaftlerin am Zentrum für Marine Umweltwissenschaften (Marum), mustert einen halbierten Bohrkern. Das knapp ein Meter lange Stück erzählt eine imposante Geschichte. Auch wenn die Größe des Bohrkerns eine lange Entstehung erwarten lässt, umfasst die Geschichte nur ein paar Wochen, vielleicht einige Monate.

Steinbrocken finden sich in der Probe. Sie ist auch leicht porös. „Hier hat sich Gestein und Material abgesetzt, das hochgeschleudert wurde“, sagt Röhl. Ursache hierfür war der Einschlag eines riesigen Meteoriten, der vor etwa 66 Millionen Jahren den „Chicxulub-Einschlagskrater“ nahe der Küste Mexikos in den Grund des Ozeans gerissen hat. Diesen Krater hat eine Expedition vom Europäischem Konsortium für Ozeanbohrungen untersucht. Die Bohrproben werden zur Zeit am Marum ausgewertet und eingelagert.

Das Besondere an dem Krater: Seine Entstehung gehört zu einer Reihe von Katastrophen, die die Dinosaurier aussterben ließ, woraufhin andere Lebewesen und der Mensch entstanden. 1 300 Meter tief mussten die Bohrer in das Gestein unter dem 20 Meter tiefen Meer dringen, um die fossilen Überreste dieses prähistorischen Ereignisses zu erreichen. Nun untersuchen die Forscher anhand der Proben, wie sich so ein Einschlag auf das Leben auswirkt. Die Forscher wissen, dass sich in dem Krater relativ schnell wieder Leben entwickelt hat. Mikroorganismen konnten die chemische Struktur des porösen, geschmolzenen und zerbrochenen Gesteins nutzen. Weitere Erkenntnisse sind zu erwarten: Die Proben geben auch Auskunft über die Zeit, in der sich das Leben im Meer wieder erholte.

Nachdem von den Bohrkernen mit 830 Metern Gesamtlänge in den USA Kernspinaufnahmen gemacht wurden, werden sie nun im Marum mit Hilfe einer großen Säge mit einem Diamantsägeblatt in zwei Hälften geteilt. Aus der „Arbeitshälfte“ dürfen Proben für Forscher in aller Welt herausgesägt werden. Von den „Archivhälften“ machen die Forscher Fotos oder gucken die Proben mit einer elektrischen Lupe an, notieren Besonderheiten. Ein Spektrometer misst noch einmal mit Licht. An den Arbeitshälften wird weiter gesägt. „Wenn wir etwas herausschneiden, setzen wir Schaumstoff an die Stelle in der Bohrung“, sagt Röhl.

Beide Hälften landen im „Bremen Core Reository“, einem riesigen Lagerraum mit vier Grad Kühltemperatur. Dort lagern bereits 154 Kilometer Bohrkerne.

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