Schulöffnung in Bremen

Bremer Bildungssenatorin Bogedan in der Kritik

Corona-Test in einer Bremer Grundschule. Die Bildungssenatorin steht derweil stark in der Kritik.
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Corona-Test in einer Bremer Grundschule. Die Bildungssenatorin steht derweil stark in der Kritik.

Bremen - Die Senatsentscheidungen zum Schulbetrieb zum Lockdown sorgen weiter für Kritik. Sie seien „nicht im Takt“ mit der Realität an den Schulen, hieß es am Freitag von der Lehrergewerkschaft GEW. „Durch die Fortschreibung der Aufhebung der Präsenzpflicht bleibt die Situation an den Schulen unkalkulierbar.“ Ein Gefühl, das – nicht nur in Bremen – auch viele Eltern teilen.

+ + + Update vom 22. Januar 2021: + + +

„Es gibt erhebliche Unruhe an den Schulen“, so GEW-Stadtverbandssprecherin Corinna Genzmer. Lehrkräfte verschiedener Schulen hätten deshalb Briefe an Bildungssenatorin Claudia Bogedan (SPD) geschrieben. Da die Eltern über den Schulbesuch ihrer Kinder entscheiden, müssten die Schulen in aller Regel gleichzeitig das Lernen zu Hause organisieren – und in der Schule Präsenzunterricht anbieten. „Das ist doppelte Arbeit und auf Dauer nicht zu stemmen.“

„Die GEW hat lange für Wechselunterricht in Kleingruppen geworben“, so GEW-Landesvorstandssprecherin Barbara Schüll. Ziele: Verlässlichkeit und Ruhe, Einhaltung der Abstandsregeln, möglichst wenig Ansteckungen. Und: eine komplette Umstellung auf Distanzunterricht vermeiden. Doch: „Nun sind wir aber in der Situation, dass die Inzidenzwerte und die ansteckenderen Virusmutationen bundesweit zu einem Lockdown führen, der dann auch an den Schulen eingehalten werden sollte.“ Das Aufheben der Präsenzpflicht führe zudem zu mehr Bildungsungerechtigkeit. So zeigten Rückmeldungen aus den Schulen, dass es „häufig bildungsbenachteiligte“ Schüler seien, die nicht in der Schule erscheinen. 

Die GEW forderte Bogedan auf, „sich an die Absprache der Länder mit dem Bund zu halten und die Schulen in den Lockdown einzubeziehen“. Nach dem Lockdown solle es Wechselunterricht in Halbgruppen geben.

Originaltext vom 13. Januar 2021:

Seit Tagen regen sich viele Eltern und Lehrkräfte über den Corona-Kurs von Bildungssenatorin Claudia Bogedan (SPD) auf. Inzwischen ist auch die Opposition aufgewacht – nachdem Bogedan, wie berichtet, scharfe Kritik selbst aus dem rot-grün-roten Regierunslager einstecken musste, von den Grünen nämlich. Die CDU hat am Mittwoch eine Aktuelle Stunde in der Bürgerschaft „zum Bremer Sonderweg“ beantragt.

Bogedan hatte Eltern dazu aufgerufen, ihre Kinder in die Schule zu schicken, sie übernehme die Verantwortung dafür. Bremerhavens Magistrat stellte sich gegen die Senatorin und bat darum, die Kinder zu Hause zu lassen. Berlin war unterdessen von einer dort geplanten schrittweisen Schulöffnung wieder abgerückt, in der Hauptstadt hatte es heftige Proteste gegeben.

In Bremen blieb es beim Kuddelmuddel-Weg: Präsenz- und Digitalunterricht parallel, Doppelbelastung für Lehrer; Schulen voller als nötig. Dabei hatten doch Kanzlerin und Ministerpräsidenten am 5. Januar beschlossen, „Kinder zu Hause betreuen und beschulen zu lassen, wann immer es möglich ist“, so die CDU-Bildungspolitikerin Yvonne Averwerser.

CDU: „Wir wollen den Bremer Sonderweg stoppen“

„Wir wollen den Bremer Sonderweg der Bildungssenatorin stoppen und damit verhindern, dass die Gesundheit von Lehrkräften und Schülern sowie der Unterricht an unseren Schulen gefährdet werden“, sagte die CDU-Politikerin.

Trotz freier Wahl zwischen Präsenz- und Digitalunterricht während des Lockdowns habe die Senatorin mit ihrem Aufruf, Kinder in die Schule zu schicken, „für maximale Verwirrung“ und eine „enorme Verunsicherung in der Bevölkerung“ gesorgt – das sagt die bildungspolitische Sprecherin der FDP-Fraktion, Birgit Bergmann. Der Bremerhavener Weg könne „beispielgebend sein“.

Und: Bogedan begründe die Öffnung „mit sozialen Motiven, stellt aber nicht sicher, dass tatsächlich gefährdete Kinder wirklich die Kitas und Schulen besuchen“. Bergmann weiter: „Die nun laut werdende Kritik des grünen Koalitionspartners heizt die Stimmung in der Stadt zusätzlich an.“

Koalitionskrach um Bremer Schulöffnung

Die Aufforderung der Bildungssenatorin an Eltern, „alle Kinder“ in die Schule zu schicken, sei in der aktuellen Situation „falsch“, hatte der Grünen-Landesvorstand erklärt. Es gelte gegenwärtig, die Kontakte in der Bevölkerung „so stark wie möglich“ zu reduzieren. Auch die Lehrergewerkschaft GEW hatte Bogedans Vorgehen scharf kritisiert. Die Senatorin „tanzt politisch, pädagogisch und epidemiologisch auf sehr dünnem Eis“, hieß es in einer Erklärung unter anderem.

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