Bremer Universität stellt auf Hannover-Messe Assistenzroboter für Schwerbehinderte vor / Probanden für Test gesucht

Mit Blicken durchs Labyrinth navigieren

Versuchssituation einer Probandin mit dem Assistenzroboter „Friend“.

Bremen - (gn) · Joghurt aus dem Kühlschrank holen, essen, wenn man Hunger hat, sich kratzen, wenn‘s juckt: Handlungen, die für gesunde Menschen kein Problem sind, für behinderte Menschen oft aber nur mit fremder Hilfe möglich sind. Helfen soll nun der Assistenzroboter „Friend“.

Um Patienten mit Querschnittslähmung, Muskelerkrankungen, schweren Lähmungen nach Schlaganfällen oder Multipler Sklerose wenigstens für einige Stunden ihren Alltag selbstbestimmt und ohne fremde Hilfe zu ermöglichen, haben Wissenschaftler der Universität Bremen Roboter „Friend“ entwickelt.

Auf der Hannover-Messe will das Team um Professor Axel Gräser vom Institut für Automatisierungstechnik (IAT) die neue Technik vorstellen und mit Hilfe von Probanden testen und weiterentwickeln. Wer Interesse hat mitzumachen, findet das Institut bei der Hannover-Messe vom 19. bis 23. April in Halle 14 (Stand L10). Die Anmeldung erfolgt direkt am Stand.

Die Kommunikation zu dem Roboter soll zukünftig direkt durch die Auswertung der Gehirnaktivitäten realisiert werden. Dadurch sollen schwerstbehinderte Personen in die Lage versetzt werden, ohne jegliche Muskelbewegungen zu kommunizieren und ein eigenständigeres Leben zu führen. Das Wissenschaftsteam vom IAT führt im Rahmen des EU-geförderten Projektes „Brain“ die Weiterentwicklung des „Brain-Computer Interfaces“-Systems (BCI) vor, das die Gehirnaktivitäten in Computerbefehle übersetzt.

Dieses BCI-System soll bei der Hannover-Messe von Freiwilligen getestet werden. Die Teilnahme sei ohne Risiko, so die Forscher. Die Ergebnisse werden den Angaben nach ausschließlich für Forschungsarbeiten verwendet. Für die Experimente auf der Messe wird den Teilnehmern eine Kappe mit Elektroden auf den Kopf gesetzt. Die an der Kopfhaut platzierten Elektroden registrieren jedes noch so kleine elektrische Signal, das das Gehirn erzeugt. Die Hirnsignale werden mit Hilfe eines Computers verarbeitet. Konkret sollen die Probanden blinkende Lichter ansehen, was zu einer bestimmten Hirnaktivität führt, die wiederum benutzt wird, um einen Roboter zu navigieren. In dem dreiviertelstündigen Versuch geht es darum, dass die Testperson ausschließlich durch Gehirnaktivität einen Miniaturroboter durch ein Labyrinth steuert.

Im Projekt „Brain“ arbeitet die Universität Bremen als Projektkoordinator mit sechs weiteren Partnern aus Nordirland, Polen, den Niederlanden und Spanien zusammen. Das Wissensschaftsministerium fördert die Entwicklung des Roboters mit 1,2 Millionen Euro, die EU gibt 2,7 Millionen Euro dazu.

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