Die musikalische Lesung „Tee in Lesmona“ bringt Gäste zum Schmunzeln

Blicke ins Private bei Rilke

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Schauspielerin Johanna Christine Gehlen trug beim „Tee in Lesmona“ Texte vor. Dabei bekamen die Besucher in Lesum unter anderem Einblicke in das Leben von Rainer Maria Rilke. - 

Bremen - Von Martin Kowalewski. Auch die 21. Ausgabe des Kulturfestivals „Sommer in Lesmona“ war wieder ein voller Erfolg. 10.500 Besucher kamen in Knoops Park nach Lesum. Die großen Konzerte am Freitag- und Sonnabendabend waren ausverkauft. Wieder präsentierten sich auf der dreitägigen Veranstaltung am Wochenende viele der Gäste im Stil der Zeit von Marga Berck, deren Roman „Sommer in Lesmona“ dem Festival den Namen gab.

Mit vielen Einblicken in das Privatleben bekannter Künstler wie Rainer Maria Rilke oder auch Heinrich Vogeler, die sich vor etwa 120 Jahren in Worpswede niedergelassen hatten, amüsierten sich die Besucher am Sonnabend beim „Tee in Lesmona“. Diese besonderen Einblicke sind im „Konzert ohne Dichter“ von Klaus Modick zu finden. Sehr lebendig trug Schauspielerin Johanna Christine Gehlen die Texte vor. „Hat Rilke jemals das Thema Geld in den Mund genommen? Für den profanen Alltag fehlen ihm die Worte“, liest Gehlen aus dem Text. Etwas später erfahren die Zuschauer allerdings, mit welch umständlichen Worten Rilke seinen Freund Vogeler um Geld anpumpt und sich dann bei der Suche nach einem Gönner, der die Literatur lieben und Geld haben sollte, von ihm beraten lässt. Gehlen trug vor, dass sich für Rilke reiche Frauen besser eignen. Die sollten aber verheiratet sein, damit sie nicht ihren Hausstand vor seiner Tür abladen.

Das Publikum schmunzelte. Darunter waren auch viele ältere Frauen und Männer. Gerade diese hatten sich die Mühe gemacht, sich mit aufwendigen, teilweise mit Tüchern umwickelten Hüten der Zeit der Texte anzupassen.

Streichersextett der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen griff Stimmungen auf

Die Texte aus Marga Bercks „Die goldene Wolke“ wirkten etwas moderner und zeigten eine Vereinigung von jungen Künstlern, die ausgiebig die Nächte durchfeiern und gerne über gesellschaftliche Normen scherzen. „Divorce“, die Scheidung, damals ein absoluter Tabubruch, war ein großes Thema. Ein Streichersextett der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen griff die wechselnden Stimmungen auf.

Am Sonntag kamen die Kleinsten zum Zuge. Das Mitmachorchester erlaubte 20 Kindern verschiedenster Spielnieveaus, zusammen mit Profis auf die Bühne zu gehen. „Wir haben alle Kinder unterbringen können, egal ob sie seit einem oder seit 15 Jahren spielen“, sagte Lieske Strudthoff, die diesen Programmpunkt organisiert hatte. Viele Besucher hatten sich beim Familientag Mühe gegeben, ihren Picknick-Tisch im Stile der Zeit von „Sommer in Lesmona“ zu dekorieren. Der Preis für den besten Picknick-Tisch ging an vier Familien nach Fischerhude. „Die Tischdecke war aus Leinen wie zu der damaligen Zeit. Auch das Porzellan und die Speisen waren authentisch“, sagte gestern Sprecherin Andrea Katzmarczyk. „Da waren viele tolle Tische, aber der war noch eine Klasse besser.“

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