Der Blick in die Tiefe

Materialprüfungsanstalt eröffnet Kompetenzzentrum für Holz und holzähnliche Stoffe

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Holz, Bambus und Reet (Foto) sind Naturstoffe und gefragte Baumaterialien. Die MPA Bremen hat jetzt ein Kompetenzzentrum für Holz eröffnet. Leiterin ist die Forstwissenschaftlerin Dr. Jana Gelbrich.

Bremen - Von Jörg Esser. Die Bremer Materialprüfer setzen einen weiteren Schwerpunkt. Am Dienstag hat die Amtliche Materialprüfungsanstalt der Freien Hansestadt Bremen (MPA) ein Kompetenzzentrum für Holz und holzähnliche (lignocellulose) Stoffe offiziell eröffnet. Leiterin ist die studierte Forstwissenschaftlerin Dr. Jana Gelbrich, die zuvor im Deutschen Schiffahrtsmuseum Bremerhaven (DSM) unter anderem mit der Bremer Kogge beschäftigt war.

Gelbrich stammt aus Bitterfeld, hat in Göttingen studiert und hat mit „Dr. forest“ (Doctor scientiae rerum forsetalium) abgeschlossen. Sie hat sich seither vor allem auf Holzbiologie spezialisiert. Die MPA, die seit Jahresbeginn ein Geschäftsbereich des Leibniz-Instituts für Werkstofforientierte Technologien (IWT Bremen), stärkt mit der Forstwissenschaftlerin die interdisziplinäre Zusammenarbeit der verschiedenen Spezialgebiete rund um Mikrobiologie, Physik, Chemie und Denkmalpflege. „Dass wir jetzt auch Holz und holzähnliche Stoffe untersuchen, ergänzt das Profil der MPA ideal“, sagt Professor Hans-Werner Zoch, geschäftsführender Direktor des IWT Bremen.

Holz ist vielseitig und ein beliebtes Material im Bauwesen, im Handwerk, in der Kunst. Doch Holz, Bambus und Reet seien als Naturstoffe auch besonders anfällig für die Zersetzung durch Insekten, Bakterien und Pilze sowie für Wasserschäden, sagt Gelbrich. Und das bringt die Materialforscher ins Spiel. Es sei wichtig, verschiedene Holzarten und mögliche Schadensursachen zu analysieren, heißt es.

Breitgefächertes Spektrum an Forschungsmöglichkeiten

Ein Beispiel:  Als Folge von Abbaumechanismen am Naturbaustoff Holz entstehen häufig Schäden an Gebäuden und Bauwerken. Gelbrich und Kollegen „blicken in die Tiefe“. Sie gehen der Ursache materialkundlich auf den Grund, um zukunftsfähige Lösungen zu finden. „Es geht immer um Dauerhaftigkeit“, sagt Gelbrich. „Wer zu uns kommt, will wissen, wie lange das Material hält oder warum es kaputtgegangen ist.“ Das Aufgabengebiet ist vielschichtig. Das Landesamt für Denkmalpflege ist Dauergast bei den Materialprüfern. Für Holzwerkstätten werden Schäden untersucht. Versicherungen sind Auftraggeber, wenn es beispielsweise um potenziell fehlerhaftes Material in den Holzstielen von Werkzeugen geht. Und auch Diebstähle lassen sich mikrobiologisch aufklären.

Die Materialprüfer sind Dienstleister. Und Wissenschaftler. „Unsere Stärke ist die angewandte Forschung“, sagt Dr. Axel Meyer, Leiter der Überwachungs- und Zertifizierungstelle für Bauprodukte beim MPA. „Wir nehmen ein Problem aus der Praxis auf und erarbeiten neue Lösungen für die Praxis.“ Dabei sei es nicht immer einfach, für Projekte auch Fördermittel zu bekommen, heißt es. Der Bedarf hingegen ist groß. „Der breite, aktuelle Einsatz nachwachsender Baumaterialien, aber auch der historische Einsatz von Hölzern bietet ein breitgefächertes Spektrum an Forschungsmöglichkeiten.“

Zur Information

Biologen, Physiker, Chemiker

Die Amtliche Materialprüfungsanstalt der Freien Hansestadt Bremen (MPA, Sitz an der Paul-Feller-Straße in der Neustadt) bietet Forschungs- und Serviceleistungen auf dem Gebiet der Werkstoff- und Baustoffprüfung sowie der Schadensanalytik an. Es gibt vier Abteilungen – Metallische Werkstoffe, Bauwesen, Analytische Baustoffmikroskopie und Mikrobiologie. Hinzu kommt jetzt das Kompetenzzentrum für lignocellulose Bau- und Konstruktionsstoffe. Die MPA ist ein Geschäftsbereich des Leibniz-Instituts für Werkstofforientierte Technologien (IWT). Das Leibniz-IWT vereint die drei Fachdisziplinen Werkstofftechnik, Verfahrens- und Fertigungstechnik unter einem Dach. An der MPA in der Neustadt arbeiten 30 bis 35 vor allem Wissenschaftler – Biologen, Maschinenbauer, Physiker, Chemiker und Baustoffprüfer. Das IWT Bremen beschäftigt rund 170 Mitarbeiter.

je

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