Mädchen in Männerdomänen / Arbeit auf der Deponie

Blick vom Müllberg

Jonna (v.l.), Kim, Marisa und Cleo waren erstaunt, wie viel Wasser benötigt wird, damit Waren wie Obst und Jeans im Geschäft zu kaufen sind. ·
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Jonna (v.l.), Kim, Marisa und Cleo waren erstaunt, wie viel Wasser benötigt wird, damit Waren wie Obst und Jeans im Geschäft zu kaufen sind. ·

Bremen - Von Viviane ReinekingSchritt für Schritt setzen 25 Kinder, aufgereiht wie an einer Schnur, einen Fuß vor den anderen. Vorsicht ist geboten. „Das ist ganz schön steil!“, ist von weiter oben zu hören. Stimmt, denn beim „Girls’ Day“ geht es gestern hoch hinaus auf Bremens höchsten Berg.

Fast 50 Meter hoch ist die Blocklanddeponie mittlerweile. Um die bei einer geführten „Tour de Müll“ des Umweltbetriebs Bremen (UBB) zu erklimmen, ist gutes Schuhwerk ebenso nötig wie ein wenig Kondition. Da immer noch wenige Mädchen und junge Frauen zu Ausbildungsberufen aus Technik und Naturwissenschaften greifen, öffnen an diesem Tag zahlreiche Unternehmen, darunter das Mercedes-Werk und Arcelor-Mittal sowie Institutionen aus Wissenschaft, Kultur, Politik und Verwaltung ihre Türen, um den „Girls“ Einblicke in typische Männerdomänen zu gewähren.

Auf der Deponie lernen die Schüler, welche Berufe die Menschen haben, die auf der Deponie arbeiten. Eine Fachkraft für Kreislauf- und Abfallwirtschaft beispielsweise nimmt Abfälle an, unterscheidet Schadstoffe und sortiert sie so, dass sie gefahrlos entsorgt werden können. Alles andere als ein trockener Bürojob: „Gute Kenntnisse in Naturwissenschaften und die Bereitschaft zur Arbeit im Freien gehören bei der dreijährigen Ausbildung dazu“, sagt Thorsten Schumann vom Umweltbetrieb. Genau dort hakt es aber bei der Suche nach Auszubildenden: „Viele wollen heute lieber einen Bürojob, als viel Zeit draußen zu verbringen“, so Personalmann Marc Dallmann. Zu sehen sind auf der Mülldeponie eigentlich nur Männer – Deponie-Leiterin Roswitha Blöthe ist hier eine Ausnahme.

Sarah (10) interessiert sich weniger für Müll als für Biologie. Dass hier eine Menge Tiere leben, weiß Karin Mauelshagen: „Wir haben hier Raubvögel, Rehe, Füchse und viele Kröten, die sich hier wohlfühlen“, so die Referatsleiterin Kundenberatung des UBB. „Mich interessiert, was mit dem Abfall passiert, wenn die Müllabfuhr da war“, so Sarahs Freundin Hannah (11). Dass es einzelne Recycling-Stationen gibt, aus Bioabfall Dünger wird und der Restmüll im Müllheizkraftwerk landet, wo durch Verbrennung Wärme entsteht, finden die „Girls“ und „Boys“ am „Zukunftstag“, besonders spannend.

Abfälle, die nicht verbrannt werden können, landen auf der Deponie. Und die wächst und wächst – auch in die Höhe. Nach dem abenteuerlichen Aufstieg oben angekommen, staunen die Bergsteiger über den weiten Blick über Bremens Dächer, der bis zum Dom reicht.

Um Energie- und Wassersparen geht es beim „Girls’ Day“ des Bundes für Umwelt und Naturschutz (BUND). An acht Stationen führen 14 Mädchen technische und naturwissenschaftliche Experimente durch, lernen Leuchtmittel kennen, messen den Durchfluss von Wasserhähnen und den Stromverbrauch von Elektrogeräten. Fremdwörter wie ein Perlator, mit dem sich bis zu sieben Liter Wasser in der Minute einsparen lässt, und Luxmeter, der Helligkeit misst, sind für die Mädchen nach dem „Zukunftstag“ keine Fremdwörter mehr.

„Wenn man die Lautstärke eines Radios nach oben dreht, erhöht sich der Stromverbrauch, das Gleiche passiert beim Fön, stellt man ihn eine Stufe höher“, erklärt die 14-jährige Claudia. Celina (12) liest den Verbrauch ab, der die Erfahrungen der Mädchen stützt. Cleo, Marisa, Jonna und Kim erfahren, dass für Waren aus verschiedenen Ländern eine unterschiedliche Menge Wasser benötigt wird, bis sie im heimischen Supermarkt landen. „Es ist besser, Dinge zu kaufen, die aus Europa statt aus Südamerika kommen.“

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