Fertigstellung: Ende 2022

Bremer Innenstadt: Das „Wallkontor“ wächst in die Höhe

Das Erdgeschoss auf Wall-Höhe ist fertig, nun wächst das „Wallkontor“ weiter nach oben – Monat für Monat um jeweils ein Geschoss. Ende Mai sollen die ersten Fenster eingesetzt werden, im Sommer folgen 40 Tonnen Naturstein für die Fassade.
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Das Erdgeschoss auf Wall-Höhe ist fertig, nun wächst das „Wallkontor“ weiter nach oben – Monat für Monat um jeweils ein Geschoss. Ende Mai sollen die ersten Fenster eingesetzt werden, im Sommer folgen 40 Tonnen Naturstein für die Fassade.

Jetzt geht‘s hoch auf der „Wallkontor“-Baustelle in der Bremer Innenstadt. Die Büroflächen in dem Neubau sind bereits jetzt gefragt, heißt es. Es ist ein Bauwerk auf historischem Grund.

Bremen – „Alle vier Wochen ein Geschoss.“ Bauleiter Stephan Seyb lässt keinen Zweifel aufkommen. Auf der Baustelle für das „Wallkontor“ geht es nicht nur voran, sondern auch nach oben. „Mitte Oktober wollen wir Richtfest feiern.“ Eine klare Ansage auf einer der markanten Baustellen in der Bremer Innenstadt.

Auf dem Areal der einstigen Harms-Brandruine in der Straße Am Wall baut der Investor Marco Bremermann (Müller & Bremermann) das „Wallkontor“ für eine zweistellige Millionensumme. Ende 2022 soll es fertig sein und hauptsächlich Platz für Büros und Einzelhandel bieten. Gebaut wird seit Juni 2019.

Wie hoch wird das „Wallkontor“? Kommt drauf an, von wo man guckt. Vom Wall aus betrachtet, sind es 28 Meter und acht Etagen. Von der Rückseite – sprich: von der Museumstraße – aus gesehen, sind es insgesamt 38,50 Meter und elf Etagen. Drei von ihnen zählen bautechnisch als Tiefgeschosse. Zudem liegt der Wall höher als die Straßen hinter ihm.

Arbeiter übernachten auf der „Wallkontor“-Baustelle

Die Baustelle stellt das zwölfköpfige Team – aus dem vier Mann dort auch übernachten – vor Herausforderungen. So gibt es keinen Platz zur Baustelleneinrichtung, das Material kann ja nicht einfach am Wall aufgestapelt werden, wo der Verkehr fließt. Also wird immer auf einer Seite Material gelagert und auf der anderen gebaut – und dann gewechselt. Jetzt, im April, wurde das Wall-Straßenniveau erreicht. Nun geht es weiter hoch.

Überblick: Investor Marco Bremermann (l.) mit Bauleiter Stephan Seyb auf dem Baugerüst.

Apropos Höhe. Der Baukran reicht 43 Meter hoch. Bauleiter Seyb klettert gern mal nach oben. „So einen Blick bekommt man nicht wieder.“ Von dort, wo einmal die Gauben des „Wallkontors“ sein werden, fällt der Blick auf den Marktplatz. „Da können Sie direkt in die gute Stube Bremens gucken.“

Interessenten kommen aus der Bremer Überseestadt

Die Vermarktung der Flächen laufe sehr gut, sagt Investor Bremermann. „Der Wall ist ein klassischer Bürostandort.“ Aber daran allein liegt das große Interesse offenbar nicht. „Ein Großteil der Mieter kommt aus der Überseestadt“, so Bremermann. Dort klagen viele über Verkehrs-Stress, Dauer-Stau und fehlende Infrastruktur. Zustände, die manche Firmen ihren Mitarbeitern nicht auf Dauer zumuten wollen. „Mitarbeiter wollen nicht stundenlang im Auto sitzen“, so sieht es Bremermann.

Steht nicht der Homeoffice-Trend dem Interesse an neuen Innenstadt-Büroflächen entgegen? „In den ersten Wochen fanden viele Homeoffice toll“, sagt Bremermann. Aber: „Zum Arbeiten gehört auch ein soziales Umfeld, gehören kurze Wege, das Gespräch auf dem Flur und auch ein bisschen Klatsch und Tratsch. Das vermissen viele Menschen im Homeoffice.“

Spektakuläre archäologische Funde in der Baugrube

5 500 Quadratmeter Fläche wird das „Wallkontor“ haben; ganz unten liegen Parkplätze in einer Tiefgarage. Ganz unten war die Baugrube zu Beginn der Arbeiten zu einer archäologischen Fundgrube geworden. Mehrere historische Brunnen wurden hier entdeckt. Und Überreste eines Stadtturms vom Beginn des 13. Jahrhunderts: Teile der alten Stadtmauer, die mehr als 40 dieser Türme hatte. „Zuvor hatte man angenommen, die Mauer würde unterhalb der Straße verlaufen“, so Bremermann. Das Wehrturm-Mauerstück wurde abgetragen und soll an präsenter Stelle ins „Wallkontor“ integriert werden.

Rückseite: Blick von der Museumstraße auf die „Wallkontor“-Baustelle.

Spektakulär war die Freilegung eines wohl 1 200 Jahre altes Grubenhauses. Etwa zehn Meter unter der Wall-Ebene hatte sich dessen Grundriss als großer Fleck aus schwarzem Lehm abgezeichnet – zur Freude der Archäologen. Denn erstmals war damit der vollständige Grundriss eines Grubenhauses in der Altstadt gefunden worden.

Auf der Baustelle bereits zu erahnen – sprich: in Grundzügen sichtbar – ist die neue „Wallpassage“. Sie führt durch das Gebäude direkt auf die dahinter liegende Museumstraße und ermöglicht damit eine direkte Verbindung (und Sichtachse) zwischen Wall und Domshof-Passage. Damit entsteht im „Wallkontor“ einer der „Rundläufe“, die in der Bremer Innenstadt an so vielen Stellen vermisst werden.

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