10.000 Besucher trotzen regnerischem Wetter

„Sommer in Lesmona“: „Blauer Himmel – fast wie hier“

Arbeitet mit seiner Stimme: Schauspiel-Star Günther Maria Halmer liest beim „Sommer in Lesmona“. - Foto: Kowalewski

Bremen - Von Martin Kowalewski. Die Wiese ist matschig und der Himmel verhangen. Dennoch bauen die Besucher beim „Sommer in Lesmona“ in Knoops Park in St. Magnus ihre Tische auf und bestücken sie mit leckeren Sachen. Es beginnt zu regnen. Die Besucher spannen Planen und Regenschirme auf und lassen sich beim „Tee in Lesmona“ nicht vom Wetter stören. Zum Auftritt des Schauspielers Günther Maria Halmer reißt die Wolkendecke dann auf.

Halmer schaut während der Lesung zumeist auf die Bücher auf dem kleinen Tisch vor ihm hinab. Das stört aber überhaupt nicht. Seine dynamische Stimme drückt die Lyrik und die in den Erzählungen dargestellten Persönlichkeiten hervorragend aus. Mit den Armen tut Halmer ein Übriges. Hin und wieder wirft er Blicke in Richtung des Publikums.

Gemütliche Stimmung. Die Pausen füllen Musiker der Kammerphilharmonie mit Kammermusik. Da passt es nur zu gut, dass Halmer als erstes das Gedicht „Der Kenner“ von Eugen Roth liest. „Der Mensch sitzt stolz, programmbewährt, in einem besseren Konzert. Fühlt sich als Kenner überlegen, die anderen sind nichts dagegen“, beginnt Halmer das Gedicht, das für den angeberischen Protagonisten aber peinlich endet, als auch der Sitznachbar von der vermeintlichen Kennerschaft erfahren soll und der Angeber sagt: „Nein, wirklich himmlisch, dieser Bach!“ Halmer holt kurz Luft: „Sein Nachbar aber grinst abscheulich, ,Sie haben das Programm von neulich.‘ Und sieh, woran er gar nicht dachte, man spielet heut Abend Bruckners Achte.“

23. Sommer in Lesmona eröffnet

Halmer liest genüsslich und sacht, aber das Gedicht wirkt perfekt und erntet Lacher. „Und jäh, wie Samson seine Kraft, verliert der Mensch die Kennerschaft“, liest Halmer und bringt die lyrische Abrechnung zu Ende.

Lacher und Applaus, eine geschickte Eröffnung. Doch dann kommt er zum Thema des Nachmittags: „Leidenschaft“. „Man denkt immer, das habe mit Liebe und Sexualität zu tun“, sagt er. Doch da muss er sein Publikum enttäuschen. „Ich habe gegoogelt und herausgefunden, es bedeutet, sich für Dinge begeistern, die einen ganz in ihren Bann ziehen.“

Zur Darstellung dieses Zustands greift Halmer auf Erzählungen von Ephraim Kishon zurück. Zielobjekt der Begierde ist zum Beispiel die Hündin „Franzi“.

Diese betrachtet die Wohnung ihrer Familie zwar als Klo und den Garten als Wohnung und zerfetzt auch gerne mal ein paar Kissen – aber die Familie verteidigt die Hündin gegen die Erziehungsmaßnahmen des selbsternannten staatlichen Hundeerziehers. Am Ende der Lesung verabschiedet Halmer sich humorvoll. „Ich fahre jetzt nach Sylt. Da ist das Wetter schön, mit blauem Himmel – fast wie hier.“

Insgesamt wurden für „Sommer in Lesmona“ 10 000 Tickets verkauft, so Andrea Katzmarczyk, Sprecherin der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen. Die Veranstaltungen wären nicht durch Regen gestört worden. So sei es auch auf der „Bremer Freitagnacht“ mit dem amerikanischen Bariton Thomas Hampson gewesen.

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