Biotop mit Abflugplan

Landschaftsökologe Simon Köcher kümmert sich um Flora und Fauna am Flughafen

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Praller Sonnenschein und ein laues Lüftchen: Simon Köcher und „Hera“ sind bei ihrer Flughafenrunde ausgestiegen.

Bremen - Von Martin Kowalewski. „Hera“, eine große Bretonische Vorstehhündin, ist gut gelaunt, als Simon Köcher (38) sie aus ihrem Transport-Käfig hebt. Beide gehen durchs Gras, etwas entfernt von der großen Start- und Landebahn des Bremer Airports. Köcher hat eine ganz besondere Arbeit am Flughafen. Er betreut ihn gewissermaßen als Biotop.

Köcher ist Umweltmanager am Flughafen und in einer Nebentätigkeit auch Wildlife-Manager. Er ist Landschaftsökologe und zudem Falkner und Jäger. Schon als Kind träumte er davon, irgendwann den Beruf des Falkners zu ergreifen. Er verjagt auch Vögel, die sonst den Flugzeugen nahekommen könnten.

Da hilft „Hera“. Die sechsjährige Hündin ist agil und braucht am Tag etwa zehn Kilometer Auslauf. Dafür bietet das Flughafengelände mehr als genug Platz, vor allem, wenn sie neben dem Auto herläuft. Und es hilft „Peter“, ein drei Jahre alter Rotschwanz-Bussard.

Köcher und „Hera“ besuchen ihn kurz. Er sitzt im Schatten, hinter einem Häuschen. „Peter“ ist seit Anfang des Jahres am Flughafen. Köcher übt morgens mit ihm. „Er fliegt in einem Umkreis von maximal 200 Metern. Es reicht, wenn er aktiv ist. Ich gebe ihm die Beute dann aus der Hand“, sagt Köcher. „Man kann ihn auch einfach dahinstellen, wo keine Vögel hinsollen.“ Eine moderate Methode, verglichen mit den Gasschussanlagen im 200-Meter-Abstand zur Startbahn; ihre Schüsse lassen Vögel das Weite suchen.

Köcher grüßt seinen gefiederten Partner: „Hallo, ,Peter'.“ Er redet mit ihm wie mit „Hera“. Aber zwischen Hund und Bussard ist ein großer Unterschied. „Ein Vogel ist ein Kumpel, kein Untergebener“, sagt Köcher während „Peter“ auf seinem Arm sitzt und interessiert umherschaut. „Manchmal hat er auch faule Tage. Dann will er gar nicht auf die Jagd gehen.“ Köcher, „Hera“ und „Peter“ wohnen im Umland, wenn sie nicht arbeiten.

Auf der anderen Seite ist Hochbetrieb im ganz tiefen Luftraum. Fünf Honigbienen-Völker leben dort. Sie sind in einem Radius von dreieinhalb Kilometern um ihren Bienenstock unterwegs. 2018 haben sie 200 Kilo Honig produziert. „Das war ein sehr gutes Honigjahr. Es gab kaum Regen“, sagt Köcher. Der Honig vom Flughafen ist bereits ausverkauft. „Da wir nicht spritzen, leiden die Bienen nicht unter Insektiziden. Der Zustand der Bienen ist ein Indikator für das ganze Gebiet. Wenn es den Bienen gut geht, läuft nichts falsch.“

230 Hektar ist das Flughafengelände in Bremen groß. Die Hälfte davon sind Freiflächen. Tatsächlich hat die Natur auf dem Flughafengelände vergleichsweise viel Ruhe vor Lärm und Eingriffen. Anders als etwa am Flughafen Frankfurt, startet in Bremen nicht alle eineinhalb Minuten ein Flugzeug. „Wir düngen und spritzen nicht. Auf den Flächen sind keine Gülle, kein Müll und keine Menschen“, sagt Köcher.

Das Biotop Flughafen ist sogar recht unbelastet. Dafür gibt es einen alltagsbekannten Indikator. „Im Rahmen des Bio-Monitorings bauen wir auf dem Flughafen Grünkohl an. Wegen der großen Blätter nimmt dieser Schadstoffe besonders gut auf“, sagt Köcher.

„Wir vergleichen die Belastung unseres Grünkohls mit der von Grünkohl aus der Region. Bisher haben wir nur marginale Unterschiede gemessen.“ Der Grünkohl wächst direkt neben der Piste. „Einen Großbrand in der Nähe des Flughafens würden wir an den Werten des Grünkohls sofort bemerken“, so Köcher.

Bis zu zehn Runden übers Gelände macht Simon Köcher am Tag. Und das freut auch die bewegungsfreudige „Hera“.

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