Biologen erforschen die Zucht von Nützlingen für die Schädlingsbekämpfung

Gefräßige Helfer

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Nützling mit großem Appetit: eine Brackwespe beim Verspeisen einer Mehlmottenlarve. Bremer Biologen arbeiten daran, die Züchtung der nützlichen Tiere für die biologische Schädlingsbekämpfung zu verbessern.

Bremen - Von Viviane Reineking. Biologische Schädlingsbekämpfung statt chemischer Keule: Biologen an der Universität Bremen arbeiten in einem Forschungsprojekt daran, sogenannte tierische Nützlinge besser züchten zu können und deren Wirksamkeit zu verbessern.

Marienkäfer fressen Blattläuse, Raubmilben machen sich über Falsche Spinnmilben her. Die gefräßigen Helfer sind eine wirksame biologische Schädlingsbekämpfung, der eine immer größer werdende Bedeutung zukommt. „Weil viele Schadinsekten längst gegen Giftstoffe resistent geworden sind, wird die Bekämpfung mit Insektiziden schwerer“, sagt Dr. Andra Thiel vom Institut für Ökologie an der Uni Bremen.

Viele Insektenvernichtungsmittel hätten zudem Nebenwirkungen und könnten auch nützlichen Tieren wie zum Beispiel der Honigbiene schaden, sich in der Nahrungskette anreichern und so auch für Wirbeltiere schädlich werden, so die Biologin.

Deshalb werden die EU-Richtlinien für den Einsatz der Pestizide laufend verschärft – was das Interesse an einer biologischen Alternative, den Nützlingen, wachsen lässt. „Agrarpflanzen und Nutztiere werden gezüchtet, seit der Mensch sesshaft geworden ist“, so Thiel. Die Zuchtwahl, die gezielte Kreuzung von Individuen mit gewünschten Eigenschaften, wurde bislang jedoch noch nicht zur Verbesserung von Nützlingen genutzt. Damit beschäftigt sich nun ein internationales Forschungsnetzwerk mit dem Namen „Bingo“ („Breeding Invertebrates for next Generation Biocontrol“, zu Deutsch: das Züchten von wirbellosen Tieren für eine nächste Generation von biologischer Schädlingsbekämpfung).

Wissenschaftler aus neun europäischen Ländern wollen die Unterschiede von Merkmalen zwischen Individuen derselben Art erforschen. Das Ziel: die Effizienz in der biologischen Bekämpfung von Schadinsekten zu verbessern, ohne auf nicht-heimische Arten zurückgreifen zu müssen.

Zwei der 13 Forschungsprojekte werden von der Arbeitsgruppe Populations- und Evolutionsökologie an der Bremer Uni durchgeführt. Für ihre Arbeit erhalten die Wissenschaftler 450000 Euro.

Durch den Vergleich der Eigenschaften verschiedener Wildpopulationen einer Brackwespe wollen die Forscher in einem Projekt die Züchtbarkeit der Wespe unter Massenzuchtbedingungen ebenso verbessern wie ihren Erfolg in der Bekämpfung des Maiszünslers, ein Kleinschmetterling, der vor allem im Maisanbau große Schäden anrichten kann.

„Zudem wollen wir feststellen, welche Gene für diese Eigenschaften jeweils verantwortlich sind, so dass zum Beispiel zukünftig anhand eines Genscreenings geeignete Linien, auch anderer Arten, erkannt werden können und langwierige Verhaltenstests entfallen“, so Thiel.

Im einem zweiten Projekt erforschen die Biologen, wie sich das Freilassen von Nützlingen in großer Anzahl auf bereits vorhandene Nützlingspopulationen auswirkt. Konkret wollen sie dies am Beispiel der nützlichen kleinen Schlupfwespe in Kohlfeldern untersuchen.

Sind die vorhandenen Nützlinge bislang ausreichend gewesen, kommt es im Zuge der Globalisierung und des weltweiten Warentransports immer häufiger dazu, dass gebietsfremde Schädlinge aus anderen Ländern eingeschleppt werden. Weil natürliche Feinde fehlen, können sich diese Eindringlinge schnell ausbreiten. Zur Kontrolle dieser invasiven Schädlinge werden bislang häufig exotische Nutzinsekten eingesetzt, die unter Umständen die heimische biologische Vielfalt bedrohen können.

Thiel: „Deshalb versuchen wir, unter den heimischen Nützlingsarten Individuen mit Eigenschaften zu finden, die eine erfolgreiche Schädlingsbekämpfung der ‚Neulinge‘ ermöglichen.“

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