Bildungssenatorin reagiert auf Unterrichtsausfall / CDU: „Zu spät“

Maßnahmen und Statistiken

+
Bildungssenatorin Eva Quante-Brandt.

Bremen - Von Thomas Kuzaj. Die Emotionen kochen hoch mitten im Bürgerschaftswahlkampf, und wieder einmal geht es um ein Bildungsthema – Unterrichtsausfall. „Wir sorgen für Transparenz und Offenheit“, sagte Bildungssenatorin Eva Quante-Brandt (SPD) gestern bei der Vorstellung einer neuen Statistik und eines neuen Zählsystems zum Thema. Die oppositionelle CDU spricht weiter von „Unterrichtsausfall auf Rekordniveau“.

2,8 Prozent (von insgesamt 3,62 Millionen) Unterrichtsstunden sind komplett ausgefallen. Diese Zahl nannte Quante-Brandt für den Zeitraum von Februar 2014 bis Januar 2015. In weiteren 3,7 Prozent der Stunden waren Vertretungslehrer im Einsatz. In Vertretungsstunden wird nicht notwendigerweise in dem Fach unterrichtet, das eigentlich ausgefallen ist.

Der Komplett-Ausfall ist um 0,2 Prozentpunkte gestiegen. Der Wert von 2,8 Prozent liege im Bundesvergleich aber im Mittelfeld, so Quante-Brandt. Die Bandbreite reiche von 1,6 Prozent in Bayern bis 4,8 Prozent in Baden-Württemberg. Ziel sei es, den Bremer Wert weiter abzusenken.

Ein Grund für einen „erhöhten Krankenstand der Lehrkräfte“ sei die gestiegene Zahl werdender Mütter unter den Lehrerinnen. „Ein Drittel der Vertretungsanlässe ergibt sich aus dem Mutterschutz.“ Seit dem 1. März gelte die Regelung, dass schwangere Lehrerinnen zu 100 Prozent vertreten werden – und nicht mehr (wie bisher) bloß zu 75 Prozent.

Quante-Brandt hat den Vertretungspool erneut aufgestockt. Bis 2013 hatte Bremen für Vertretungen jährlich 3,75 Millionen Euro eingeplant. Dann kam eine Million Euro hinzu. Zum 1. März wurden weitere 1,7 Millionen Euro zur Verfügung gestellt. 1,7 Millionen Euro entsprechen 34 Lehrerstellen. „Das wird zu einer enormen Entlastung führen“, sagt Quante-Brandt. Zwei Drittel der Stellen seien inzwischen besetzt, hieß es weiter.

Einheitliche Software, einheitliche Erfassungsmöglichkeiten – ein neues und gemeinsam mit den Schulen entwickeltes System soll dazu beitragen, Unterrichts-ausfall „flächendeckend und zeitnah“ zu dokumentieren. Die Daten würden einmal im Monat ins Internet gestellt – allerdings „nicht schulscharf“, so die Senatorin.

2,8 Prozent Ausfall? Viele Bremer Eltern erleben das subjektiv anders, sprich: drastischer. Es wurden Petitionen mit der Forderung nach mehr Lehrerin initiiert. Mit dem Leiter eines Gymnasiums, an dem deutlich mehr Unterrichtsstunden ausgefallen waren, hat das Ressort inzwischen gesprochen. Offenbar kamen ein paar gute Tipps zur Sprache. Quante-Brandt: „Wenn Lehrer während einer Grippe zur Fortbildung wollen, kann man als Schulleitung sagen, das geht jetzt leider nicht.“

„2014 sind 329616 Stunden nicht regulär erteilt worden, davon sind etwa ein Drittel – 101240 Stunden – komplett ausgefallen. Besonders betroffen sind Gymnasien und Oberschulen“, heißt es bei der CDU. Die Maßnahmen des Ressorts kämen „zu spät“. „Sie reichen nicht aus, um dem Unterrichtsausfall wirksam begegnen zu können“, so der CDU-Abgeordnete Thomas vom Bruch. Die CDU fordert, 100 weitere Lehrer einzustellen.

100 Stellen fordern auch Bremer Eltern in einer Petition. „100 Stellen reichen nicht“, sagt die Lehrer-Gewerkschaft GEW.

„Die grundlegende Unterfinanzierung der Bremer Bildung wird im Stadtstaatenvergleich deutlich“, heißt es in einer Erklärung der Bremer GEW-Landesvorstandssprecherin Petra Lichtenberg. „Bremen gibt im Vergleich zu Hamburg und Berlin pro Schüler 1100 Euro weniger aus. Um die Schüler-Lehrer-Relation von Hamburg zu erreichen, müsste Bremen sofort 400 zusätzliche Lehrkräfte einstellen, im Vergleich zu Berlin sind es 350.“

Trump: Lösung im Nahost-Konflikt kann Region befrieden

Trump: Lösung im Nahost-Konflikt kann Region befrieden

Viele Tote bei Anschlag in Manchester - Täter ermittelt

Viele Tote bei Anschlag in Manchester - Täter ermittelt

Ajax gegen Man United: Ein "Giganten-Duell" im Schatten des Terrors

Ajax gegen Man United: Ein "Giganten-Duell" im Schatten des Terrors

Lkw-Unfall an Stauende in Oyten

Lkw-Unfall an Stauende in Oyten

Meistgelesene Artikel

Feuerwehr rettet drei Menschen aus brennendem Wohnhaus

Feuerwehr rettet drei Menschen aus brennendem Wohnhaus

Spenden aus dem Bremer Untergrund

Spenden aus dem Bremer Untergrund

Wasser, Wohnen, Wohlfühlen – Weserhäuser in der Überseestadt

Wasser, Wohnen, Wohlfühlen – Weserhäuser in der Überseestadt

„Die Ware sucht sich den Weg“

„Die Ware sucht sich den Weg“

Kommentare