Bilder des Wahnsinns

Ausstellung „Madness“ widmet sich psychisch Kranken

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Fotografien, Gemälde, Installationen – all das und noch mehr zeigt die Ausstellung „Madness“. Auf diesem Foto betrachtet ein Besucher ein Werk des rumänischen Künstlers Sergiu Toma.

Denkt man an psychisch Kranke, fallen vielen Menschen wohl Assoziationen ein, die an Hollywood-Klassiker wie „Das Schweigen der Lämmer“ oder „Einer flog über das Kuckucksnest“ erinnern. Doch wie gehen Künstler mit dem Thema Psychiatrie und Wahnsinn um, welche Verbindungen knüpfen sie? Die Galerie im Park des Klinikum Ost widmet sich ab Sonntag, 13. Oktober, diesem Thema in der Ausstellung „Madness“.

Bremen - In großen blauen Lettern prangt der Schriftzug über zwei Infotafeln. Darauf zu lesen: „Die Verrückten übernehmen die Anstalt“. Der Satz ist nicht wörtlich zu nehmen, sondern bezieht sich vielmehr auf die Psychiatriereformen in Italien und Deutschland der 80er Jahre. Statt psychisch Kranke in riesige Schlafsäle zu verfrachten, ohne Privatsphäre und ohne jeglichen Kontakt zur Außenwelt, sollten sie nun mehr und mehr Teil der Gesellschaft werden und auch so behandelt werden. Dieses Thema und die Auseinandersetzung damit stehen im Mittelpunkt des italienischen Künstlers Christian Fogarolli, dem die Ausstellung „Madness“ großen Platz einräumt. Seine Werke sind vom mittelalterlichen Glauben inspiriert, dass Geistesstörungen durch einen „Stein des Wahnsinns“ herrühren, der im Kopf seelisch Kranker steckt. Dieses Thema greift Fogarolli in seinen Fotografien und Installationen wiederholt auf. Dabei verbindet er Kunst, Kreativität und wissenschaftliche Disziplinen wie die Psychologie und Psychiatrie. „Das ist ein Thema, was die Leute fürchten, was die Leute interessiert“, sagte Kurator Uwe Goldstein.

Anders als Fogarolli befasst sich die Schweizerin Karina Wisniewska verstärkt mit dem Thema Demenz und zeigt in ihren Fotografien und Zeichnungen, wie erkrankte Menschen ihre Umwelt wahrnehmen. Laut Kurator Goldstein schaffe sie ähnlich wie die Künstlerin Simone Haack, die einst in Bremen studierte, „fast magische Bilder, von denen man nicht weiß, was man davon halten soll“. Genau hier liege ihre Stärke. Denn: „Wenn man es nicht einordnen kann, ist es richtig gut“, so Goldstein. Wenige Meter weiter hängen Fotografien des dänischen Künstlers Per Morten Abrahamsen, der in seiner Bilderreihe „Plastic“ berühmte Schauspieler Dänemarks porträtiert. Dabei versuchen sie, sich mittels einer wasserbefüllten Plastiktüte umzubringen. Ähnlich wie Abrahamsen spielt auch Richard Wathen mit dem Morbiden und der Melancholie. In seinen Gemälden verschmelzen Personen in historischen Gewändern mit Stilelementen der Britpop-Art. Seine Stärke laut Goldstein: „Seine Kunst entzieht sich jeglichem Humor.“

„Die Ausstellung“, sagte Achim Tischer, Leiter der verantwortlichen „Kulturambulanz“, frage auch nach unserem Menschenbild und nach unserem Umgang mit psychisch Erkrankten. „Sie stellt uns Fragen und konfrontiert uns direkt.“ Alle sieben Künstler – drei Frauen, vier Männer – würden dazu ihren individuellen Beitrag leisten. Es sei wichtig, die Dinge offen zu lassen und den Menschen keine Krankheit „überzustülpen“. Genau das schüfen die Künstler.

Start am 13. Oktober 

Die Ausstellung „Madness“ wird am Sonntag, 13. Oktober, um 15 Uhr in der Galerie im Park des Klinikum Bremen-Ost (Züricher Straße 40) offiziell eröffnet. Rainer Beßling, ehemaliger Kulturchef der Mediengruppe Kreiszeitung, wird zur Eröffnung einführende Worte sprechen. Bis zum 16. Februar 2020 ist „Madness“ dann zu sehen. Die Galerie im Park öffnet jeweils mittwochs bis sonntags von 11 bis 18 Uhr. Der Eintritt beträgt vier Euro, ermäßigt zwei Euro.

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