Bilder zum Aufrütteln

„Mein Kunst-Stück“ mit Sabine Hartisch und der „Vertreibung aus dem Paradies“

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Die Bremer Künstlerin Sabine Hartisch will mit ihren Bildern „Vertreibung aus dem Paradies“ vor allem aufrütteln.

Bremen - Von Ilka Langkowski. „Vertreibung aus dem Paradies“ heißt Sabine Hartischs Werk, das sie in unserer Serie „Mein Kunst-Stück“ vorstellt. Es besteht aus zwei zusammengehörenden Einzelbildern, die einen ganz aktuellen Bezug haben, obwohl sie 2015 entstanden sind.

„Das zweite Bild zu ‚Vertreibung aus dem Paradies‘ war nicht geplant. Es wurde mir allerdings ein Bedürfnis, es zu malen“, erzählt Sabine Hartisch. Der Ausgangspunkt war zunächst nur das Thema Fisch. Ein Freund, der Fisch-Mosaiken herstellte, brachte Hartisch auf die Idee, sich dieser scheinbar einfachen Form zu widmen. Erinnerungen an einen Schnorchelurlaub wurden geweckt, und Hartisch begann über die symbolische Bedeutung des Fischs zu recherchieren.

Der Fisch ist sowohl ein christliches Symbol als auch ein Symbol für Glück, Reichtum und gute Ernte im fernöstlichen Raum. In der Sprache begegnet einem der Fisch in Redewendungen wie „Sich wie ein Fisch im Wasser fühlen“ oder „Ein Fisch im Wasser ist nicht durstig“. Durch ihn werden Zufriedenheit und Ganzheitlichkeit dargestellt. In Anbetracht der Verschmutzung und Überfischung der Meere wollte Hartisch ihre Darstellung des fröhlich bunten Unterwasserbildes nicht unkritisch stehen lassen. „Während es mir beim Malen des ersten Bildes gut ging, begleitete mich beim zweiten Bild ein schlechtes Gefühl“, sagt Hartisch. Die klaren Konturen und knalligen Farben aus Bild Eins wurden zu unklaren Strukturen, verwischten Flächen mit vergifteten Meeresbewohnern.

„Es ist kein Bild zum Aufhängen, eher eins zum Ausstellen und Aufrütteln“, sagt die Bremer Künstlerin. In einigen Bereichen sei der Blick auf das, was einmal Natur war, heute kaum mehr auszuhalten. Der Weg zur Kunst begann mit einem traurigen Anlass. Nach dem Tod ihres Bruders sagte sich die heute 68-Jährige: „Was wir tun möchten, müssen wir jetzt tun.“ Zwar hatten schon die Lehrer Hartisch für ihre Arbeiten gelobt, aber ernsthaft auf die Kunst gekommen ist die pensionierte Lehrerin erst durch den Verlust. Heute nutzt sie die frühere Werkstatt ihres Bruders als Atelier. Dort oder bei sich zu Hause trifft sie sich mit anderen Künstlern, um zu malen und sich über die Arbeiten auszutauschen.

Die Herausforderung des Künstlerlebens sieht Hartisch darin, authentisch zu bleiben. „Es gibt in der Kunst immer wieder Tendenzen, den Fokus auf die Hässlichkeit des Daseins zu richten. Das liegt mir nicht.“ Hartisch sieht sich als einen absolut positiven Menschen und schon das vorgestellte Bild sei ungewöhnlich negativ für sie.

Ob wir Kunst brauchen? „Grundsätzlich unbedingt. Sie ist, glaube ich, friedenstiftend. In der Kunst lebt der Künstler immer Gefühle aus. Es ist wie bei Romanen, bei denen das Schreiben für den Autor einen fast therapeutischen Charakter hat. Außerdem kommuniziert Kunst übersprachlich. Sie ist eine Erweiterung der Kommunikation.“

Zu den Künstlern, die für Hartisch besonders bedeutend sind, zählen der norddeutsche Expressionist Emil Nolde (1867 bis 1957) und der spanische Maler und Bildhauer Pablo Picasso (1881 bis 1973). An Noldes Aquarellbildern fasziniert Hartisch deren „bombastische Farbkraft“. An Picasso bewundert die Bremerin seine Experimentierfreudigkeit und seinen Mut, eine Malweise einfach „über den Haufen zu werfen“ oder bis auf den Strich zu reduzieren.

Wenn Hartisch jemandem ein Bild als Botschaft schicken sollte, dann ginge eines an den Deutschen Bundestag. Es sollte dazu drängen, Entscheidungen zum Schutze der Tiere und der Umwelt und damit zum Wohle der Bevölkerung zu treffen. „Die industrielle Ausbeutung von Tieren geht gar nicht“, sagt die Künstlerin. Es sei die Aufgabe der Parlamentarier, hier mutig Gesetze zu machen.

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