Bilanz: Arbeitnehmerkammer beantwortet fast 100000 Rechts- und Steuerfragen

Beratung auf Rekordniveau

Bremen - Von Thomas Kuzaj. Ingo Schierenbeck, Hauptgeschäftsführer der Arbeitnehmerkammer, sagt es so: „Beratung hat Konjunktur.“ Im vergangenen Jahr beantwortete die Kammer knapp 100000 Rechts- und Steuerfragen – ein Rekord, es waren 2000 mehr als 2014 und insgesamt so viele wie nie zuvor in der etwa 100-jährigen Kammergeschichte.

Warum hat Beratung Konjunktur? Die Kammervertreter erklären es sich mit der Entwicklung der Wirtschaft und den starken Veränderungen in der Arbeitswelt. Zugenommen hätten insbesondere Beratungen zu Kündigungen. Auch wachsender Leistungsdruck sowie wechselnde Arbeitszeiten und -orte sorgten häufig für Auseinandersetzungen im Betrieb. Und dann werden die Kammer-Fachleute eingeschaltet. „Die Wirtschaft hat sich 2015 gut entwickelt. Und damit nehmen die Belastungen für viele Arbeitnehmer zu“, sagt Schierenbeck.

Schwerpunkt der Beratungen seien erneut arbeitsrechtliche Probleme gewesen – die Beratungszahlen stiegen hier um 1600 auf 42649 (es kamen: 24796 Frauen und 17853 Männer). Im Vordergrund standen (wie in den Vorjahren) Gehaltsfragen: Fragen zur angemessenen Vergütung, zu Ansprüchen auf Zulagen und Zuschläge oder zur gleichen Bezahlung von Teilzeit- und Vollzeitbeschäftigten. In Zeiten abnehmender Tarifbindungen gebe es in vielen Betrieben zunehmend intransparente Gehaltsstrukturen, so die Kammervertreter.

Familiäre und private Bedürfnisse vieler Arbeitnehmer müssen zugunsten der Verfügbarkeit am Arbeitsplatz immer stärker zurücktreten. „Der immer lauter werdende Ruf der Betriebe nach flexibleren Mitarbeitern steht dem politischen Anspruch entgegen, Beruf und Familie besser vereinbaren zu können. Vereinbarkeit lässt sich aber nur erreichen, wenn auch die Betriebe und ihre Strukturen flexibler auf private und familiäre Interessen der Beschäftigten reagieren“, meint Schierenbeck.

Wer den Arbeitsbelastungen nur noch eingeschränkt gewachsen ist, verliere nicht selten seinen Arbeitsplatz. „Besonders betroffen hiervon sind ältere Arbeitnehmer. Das Ausscheiden von älteren Arbeitnehmern wird häufig dazu genutzt, Kosten zu sparen. Denn Neueinstellungen finden in der Regel befristet und zu schlechteren Bedingungen statt“, heißt es bei der Kammer. Und Befristungen würden vielfach als „Dauer-Probezeit“ empfunden.

Mit mehr als 42000 Fällen nahmen auch die Steuerberatungen zu. Viele Steuererklärungen seien komplizierter als früher. So spielten immer häufiger die steuerliche Berücksichtigung von Fahrkosten und des zusätzlichen Verpflegungsaufwands bei auswärtigen Arbeitseinsätzen eine Rolle. Inzwischen erstelle die Kammer mehr als 30000 Steuererklärungen für ihre Mitglieder. Schierenbeck: „Jeder zehnte Arbeitnehmer in Bremen lässt seine Steuererklärung von der Arbeitnehmerkammer machen.“

In der öffentlichen Rechtsberatung, die die Kammer im Auftrag des Landes für Bürger mit geringem Einkommen anbietet, wurden verstärkt Fragen nach der Höhe des Kindesunterhalts beantwortet.

Rubriklistenbild: © dpa

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