Manche Getränke der Schaffermahlzeit haben ihre ganz eigene Tradition / „Wichtiger Bestandteil des Proviants“

Das Bier, das wie Hustensaft schmeckt

Wenig Wasser und sehr viel Rotwein – die Flaschen stehen in der Wittheitsstube des Rathauses bereit. ·
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Wenig Wasser und sehr viel Rotwein – die Flaschen stehen in der Wittheitsstube des Rathauses bereit. ·

Bremen - Von Thomas KuzajEin Bier, das wie Hustensaft schmeckt – wo gibt‘s denn sowas? Bei der Schaffermahlzeit. Fester Bestandteil der Zeremonie ist das traditionelle Seefahrtmalz. Heute das womöglich mit Abstand regionalste Nischenprodukt eines weltumspannenden Konzerns, der wegen des geplanten Stellenabbaus am Traditionsbrauort Bremen in der Kritik steht („Bier braucht Heimat“).

Der Brauer Wilhelm Remmer hatte das Seefahrtbier einst am Buntentorsteinweg in der Neustadt gebraut. 1917 kaufte die Kaiserbrauerei (sprich: Beck & Co.) Remmer auf, ließ die Marken aber bestehen. Und natürlich auch das Seefahrtbier, dessen Herstellung ein Auftrag war, der Renommee versprach.

Heute gehört Beck & Co. zum Brauereikonzern Anheuser-Busch Inbev. Hier holt man „jedes Jahr aufs Neue das alte Seefahrtmalz-Rezept hervor, das aus dem Jahr 1554 stammt“, sagt Unternehmenssprecher Oliver Bartelt. „Auf dem Firmengelände am linken Weserufer ist die Herstellung von Seefahrtmalz sogar Teil des Lehrplans für angehende Brauer.“

Nur 120 Flaschen Seefahrtmalz verlassen Jahr für Jahr die Brauerei, die den Schaffern das Bier spendet. 120 Flaschen für ein Essen mit 300 Teilnehmern? Nun, das Bier wird im Silberhumpen herumgereicht, aus dem mehrere Gäste trinken. Und das womöglich nicht mit Genuss – aber was tut man nicht alles für die Traditionspflege.

Bartelt: „So mancher Herr im Frack wird zwischen Stockfisch und Braunkohl schon mal leicht den Mund verziehen, wenn der Humpen weitergereicht wird.“ Denn: „Denn das braune Getränk, mit dem da so feierlich angestoßen wird, ist ähnlich zähflüssig wie Hustensaft und schmeckt ungefähr so, als hätte man eine große Tüte Malzbonbons in einem kleinen Wasserglas aufgelöst.“

Wie soll man sagen? Es schmeckt. . . gesund. Und gesund soll es auch sein. Bartelt: „Das eher klebrige Bier war einst nicht etwa als Getränk für feucht-fröhliche Abende an Bord gedacht, sondern galt vielmehr als wichtiger Bestandteil des Proviants.“ Schließlich enthält es gleich mehrere wertvolle Vitamine – wichtig für Menschen, die mehrere Monate an Bord verbrachten.

Der Unternehmenssprecher: „Bis in die 30er Jahre hinein wurde das alkoholfreie Bier kräftig als Mittel gegen fast alle Krankheiten beworben, und noch in den 60er Jahren fand man es in den Regalen von Reformhäusern. Im Zeitalter von Vitamintabletten und Energy-Drinks ist es jedoch vollkommen aus dem Handel verschwunden.“ Nur von der Tafel der Schaffermahlzeit nicht – das Bier, das wie Hustensaft schmeckt.

Mosel-Riesling

und Bordeaux

Nicht nach Hustensaft schmeckt der Wein, der Jahr für Jahr so streng wie sorgfältig ausgewählt wird. Der Weiße war in diesem Jahr ein 2012er Mosel-Riesling (Spätlese, Lage: Ürziger Würzgarten). Der Rotwein für die 470. Schaffermahlzeit war einmal mehr ein Bordeaux – ein 2009er Château Arnauld (Haut-Médoc).

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