Studie zum Sport in Behindertenwerkstätten

Bewegung hilft bei Inklusion

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„Aktivierung führt zu allgemeiner Aufmerksamkeit“, sagen die Autoren einer Studie von Uni, AOK und Werkstatt Bremen. Ihre These: Sport macht Menschen mit Behinderungen gezielt stärker. 

Bremen - Von Thomas Kuzaj. Im Bildungsbereich ist die Inklusion in die Kritik geraten – weil Geld und Personal fehlt, gibt es oft mehr Frust als Erfolg. Ein Gegenbeispiel aus der Arbeitswelt kommt nun von der AOK, den Behindertenwerkstätten des Martinshofs und der Bremer Uni – mit einer bundesweit einmaligen Studie zum Thema sportliche Aktivierung von Menschen mit Behinderung.

Ergebnis: Sport ist gesund. Oberflächlich betrachtet: eine Binsenweisheit. Aber in der praktischen und alltäglichen Umsetzung eben doch nicht selbstverständlich. Die Studie ist über einen Zeitraum von fünf Jahren erarbeitet worden. Sie basiert auf speziellen Sportkursen der Jahre 2012 bis 2015.

Inklusion sei mehr als das Zusammenbringen von Behinderten und Nichtbehinderten, sagt Prof. Dr. Dietrich Milles, der Studienleiter. „Inklusion ist die Befähigung zur Teilnahme.“ An der Studie teilgenommen haben insgesamt 58 Beschäftigte der Werkstatt Bremen – der jüngste 18, der älteste 57 Jahre alt. Menschen mit geistigen und mehrfachen Behinderungen, die anfangs ein Punkt einte: Sie gingen nicht gern zum Sport, vermieden Bewegung oder lehnten sie strikt ab, nahmen Sport-Angebote des Martinshofs nicht an. Das Team um Prof. Milles entwickelte nun ein Bewegungstraining für sie. 26 Studien-Teilnehmer trainierten am Standort Buntentor (Neustadt), 32 an der Georg-Gries-Straße in der Vahr. Die Sport-, Spiel- und Bewegungsstunden wurden als betriebliche Gesundheitsförderung regelmäßig während der Arbeitszeit angeboten.

„Man sieht, da passiert was“

Im Training ging es dann unter anderem um Bewegungen wie bei der Arbeit in einem Obst- und Gemüsegarten und um Würfe auf Kegel. Fortschritte wurden sichtbar, als sich die Entfernungen vergrößerten und die Bälle kleiner wurden. „Man sieht, da passiert was“, beschreibt Milles den Effekt. Sport eigne sich für die Entwicklung im physischen, psychischen und sozialen Bereich, sagt der Sportwissenschaftler Dr. Ulrich Meseck. „Wir waren überrascht, welche Fortschritte zu erkennen waren“, sagt Joanna Wiese, in deren Händen die praktische Konzeption und Umsetzung lag. Am Ende steht nun eine Erkenntnis, die die Beteiligten so zusammenfassen: „Wenn das regelmäßige Bewegungstraining auf die jeweilige Behinderung und Entwicklungsschritte der Teilnehmer abgestimmt ist, gibt es eindrucksvolle Fortschritte in Sachen Ausdauer, Kondition, Koordination, Beweglichkeit und Reaktionsfähigkeit.“

Und: „Das wiederum wirkt sich positiv auch auf die Leistungsfähigkeit, das Selbstwertgefühl und die Zufriedenheit der behinderten Menschen an ihrem jeweiligen Arbeitsplatz aus.“ Denn: „Aktivierung führt zu allgemeiner Aufmerksamkeit“, schreiben Milles, Meseck und Wiese in der Studie. „Der Organismus wird mit Energie versorgt und Emotionen begleiten die kognitive Verarbeitung. Allgemein wird durch Aktivierung ,etwas in Gang gebracht‘.“ Kamen die Teilnehmer nach dem Sport an den Arbeitsplatz zurück, wirkten sie aktiver, selbstbewusster und motivierter, berichteten die Werkstatt- und Gruppenleiter des Martinshofs dem Wissenschaftlerteam. Die Werkstatt Bremen hat die Studienergebnisse in ihre Kursangebote eingebaut.

Über fünf Jahre hat die AOK die Studie mit jeweils 20 000 Euro unterstützt. Zudem sind zwei Bücher erschienen – ein Band („Inklusion praktisch begründet“) über die Studie an sich, ein weiterer Band als Praxis-Handbuch mit dem Titel „Sportliche Aktivierung in Werkstätten für behinderte Menschen“.

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