In der Kunsthalle laufen die letzten Vorbereitungen für die Liebermann-Ausstellung

„Besucher ins Bild ziehen“

Kuratorin Dr. Dorothee Hansen will die Besucher in die Bilder „hineinziehen“. - Foto: Heyne

Bremen - Von Ulla Heyne. Multimedia-Ecke fürs Selfie, Liebermann „to go“ im Museumsshop und ein „Pack Opening“: Die Vorbereitungen für die Liebermann-Ausstellung in der Kunsthalle laufen auf Hochtouren.

In der Youtuber-Szene hätte man es wohl „Pack Opening“ genannt – und ähnlich große mediale Aufmerksamkeit zog das Öffnen des Pakets mit dem Gemälde „Pferderennen in den Cascinen“ von Max Liebermann am Dienstag in der Kunsthalle auf sich. Das 1909 entstandene, vom Kunstmuseum Winterthur entliehene Ölgemälde bildet eines der wichtigsten Exponate der Ausstellung „Max Liebermann – Vom Freizeitvergnügen zum modernen Sport“, die am 22. Oktober in der Kunsthalle eröffnet wird und dann bis zum 26. Februar 2017 dort zu sehen ist.

Für Kuratorin Dr. Dorothee Hansen war der Moment der Ankunft einer von vielen spannenden; diverse der 140  Werke treffen dieser Tage aus anderen Kunsthallen, aber auch als Leihgaben aus privaten Sammlungen in Bremen ein. Einige sieht die Kuratorin hier zum ersten Mal: „Von einigen gibt es keinerlei Abbildungen, sondern nur Einträge im Werksverzeichnis.“ Das Aufspüren über Netzwerke von Galeristen und Kunstliebhabern habe etwas von Detektivarbeit; rund zwei Jahre hat die Vorbereitung dieser Ausstellung in Anspruch genommen.

Die „Anreise“ der Exponate ist nicht ganz ohne, wie sich in der Kunsthalle zeigt: Jedes Gemälde wird einzeln in einer maßangefertigten Kiste verpackt, per Lkw durch eine der beiden Klimaschleusen gefahren, die die Institution seit 2011 vorhält, und darf sich bis zum Öffnen der Kiste 24 Stunden lang akklimatisieren, um Rissen im Ölauftrag vorzubeugen, sagt Amelie Menk, eine der beiden Restauratorinnen. Neben einer genauen Begutachtung auf etwaige Schäden hin ist auch die Dokumentation der Verpackungsweise – von Haus zu Haus unterschiedlich – oberstes Gebot. „Nur durch den Aufbau von Vertrauen darauf, dass wir, genau wie gewünscht, mit dem Werk umgehen, ist eine Ausstellung wie diese überhaupt erst möglich“, sagt Hansen.

Nach der Betrachtung der 140 Gemälde sowie umfangreichen historischen Hintergrundmaterials – in gleich drei Vitrinen finden sich unter anderem eine Ausgabe des historischen Satiremagazins „Simplicissimus“ aus dem eigenen Archiv, „Die Amazone der Reitkunst“ aus einer Kooperation mit dem Pferdemuseum Verden oder ein „Illustriertes Lawn-Tennis-Jahrbuch“ vom Tennisclub Rotherbaum in Hamburg – gibt es in der „Multimedia-Ecke“ nebenan endlich etwas zum Anfassen und vor allem zum Fotografieren. Die dort aufgebaute Kulisse mit Originalnetz und Schlägern vor einer überlebensgroßen Wand mit dem Hauptmotiv soll „die Besucher noch mehr ins Bild hineinziehen und sie anregen, sich näher damit auseinanderzusetzen“, sagt Hansen – gerade im Hinblick auf die zahlreichen Gruppenbuchungen keine üble Idee.

Für alle die, denen das Selfie in der Multimedia-Ecke noch nicht reicht, bietet der Museumsshop reichlich „Liebermann to go“: Als Mäppchen, Notizbüchlein bis zu breit gefächerter Literatur für Groß und Klein reicht die Palette. Nach dem Erfolg der „Hundertwasserwolle“ ist man erfinderisch geworden.

Ob dieses Mal die Weihnachtsbaumkugeln mit Pferderennen-Silhouette, die zum Tischtennisspiel umbaubare Kladde fürs Büro oder doch die Nudeln in Form von Fußballern und Fahrrädern zum Renner werden, wird sich zeigen.

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