„Zeitgemäße Bestattungskultur“

Erster Antrag auf Verstreuen von Totenasche liegt in Bremen vor

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In Bremen ist jetzt der erste Antrag auf Verstreuen von Totenasche auf einer Fläche außerhalb eines Friedhofs gestellt worden.

Bremen -  Im Land Bremen liegt der bundesweit erste Antrag auf Verstreuen von Totenasche auf einer Fläche außerhalb eines Friedhofs vor. Der Antrag werde jetzt bearbeitet, sagte heute der Direktor des Bremer Instituts für Rechtsmedizin, Michael Birkholz.

Laut Gesetz muss das Institut einen entsprechenden Wunsch aus Bremen genehmigen, in Bremerhaven ist der Magistrat der Stadt zuständig. Im November hatte die Bremische Bürgerschaft erstmals in Deutschland die rechtliche Möglichkeit zum Verstreuen der Asche eines Verstorbenen in privaten Gärten geschaffen. Dazu wurde das Landesgesetz über das Friedhofs- und Bestattungswesen nach langer und kontroverser Debatte gelockert.

Anfang Januar ist die Änderung in Kraft getreten und eröffnet damit die Möglichkeit, die Asche entweder in einem privaten Garten oder auf öffentlichem Grund außerhalb eines Friedhofes auszustreuen. Das entspreche einer zeitgemäßen Bestattungskultur, begrüßte der Vorsitzende der Verbraucherinitiative Bestattungskultur „Aeternitas“, Christoph Keldenich, in Königswinter bei Bonn die neue Möglichkeit. „Wir müssen auch an diejenigen denken, die sich nicht mehr den Friedhof als letzte Ruhestätte wünschen.“

Dass Friedhöfe ausstürben, sei deshalb nicht zu befürchten. Erfahrungen aus Ländern ohne Friedhofszwang wie den Niederlanden zeigten, dass die große Mehrheit der Verstorbenen weiterhin auf Friedhöfen beigesetzt werde. Die Lockerung des Friedhofszwanges im Land Bremen wurde an eine Reihe von Bedingungen geknüpft. Unter anderem muss der ausdrückliche Wille des Verstorbenen dazu schriftlich festgehalten sein. Außerdem soll eine Person zur „Totenfürsorge“ benannt werden, die darüber wacht, ob die wunschgemäße Bestattung tatsächlich eingehalten wird. Dabei müsse die Ehrfurcht vor den Toten beachtet werden, heißt es. So soll etwa die Asche bei starkem Wind nicht verstreut werden, um zu verhindern, dass Reste auf benachbarte Grundstücke wehen.

Der „Totenfürsorger“ soll am Ende eidesstattlich versichern, dass alles würdevoll abgelaufen ist. Die Kirchen hatten die Lockerung des Friedhofszwanges aus ethischen Gründen kritisiert. Der Magistrat in Bremerhaven folgt dieser Kritik und will die neuen Freiheiten des Landesbestattungsrechts nicht nutzen. „Aus Gründen der Pietät“, wie es heißt.

epd

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