„Mein Kunst-Stück“ mit Jub Mönsters Kugelschreiberzeichnung eines Tanzsalons

Beständiger Wandel

Jub Mönster mit der Kugelschreiberzeichnung eines Tanzsalons. - Foto: Niesmann

Bremen - Von Isabel Niesmann. Der Tanzsalon wirkt wie aus einer anderen Zeit: edel und verlassen zugleich. Ein Flügel, gepolsterte Bänke und Stühle und die typisch runde Decke über der Tanzfläche. Nur in Blau und Weiß entstehen Spiegelungen, Strukturen, Details und Schattierungen.

In unserer Serie „Mein Kunst-Stück“ stellt Jub Mönster seine Kugelschreiberzeichnung eines Tanzsalons vor, die Ende Oktober auf der Internationalen Kunstmesse in Zürich zu sehen sein wird und die er erst vor wenigen Tagen fertiggestellt hat. Ein Monat Arbeit steckt in dem Bild, das vor allem abends entstanden ist. Die Materialen sind simpel und günstig: eine Resopal-Platte und ein ganz normaler blauer Kugelschreiber.

Was Mönster daraus geschaffen hat, ist beeindruckend, erfordert technisches und handwerkliches Können und Ausdauer. Es ist Teil seiner vierteiligen Mini-Serie über verschwundene Tanzsalons. Die Zeichnung spiegelt Vergangenes wider, zeigt Räume mit ihrem eigenen Zauber. Mönster findet: „Es ist eine ganz einzigartige Atmosphäre.“

Wenn man ihn fragt, wie er zur Kunst gekommen ist, muss er ein wenig nachdenken. Klassenkameraden erzählten, dass er schon in der Schule immer viel gemalt hat. Zunächst absolvierte er jedoch eine Bankausbildung. Dann aber wurde ihm alles zu eng: „Mein Plan A war die Bewerbung bei der Kunstschule, Plan B die Fahrt zur See.“ Plan A klappte; Mönster studierte Malerei und Film an der Hochschule für Gestaltung in Bremen.

Seitdem ist er als selbstständiger Künstler tätig, zeichnet, malt (auch Wandbilder), illustriert Kinderbücher, war Gründungsmitglied der Gesellschaft für Aktuelle Kunst in Bremen, gründete ein Baukunst-Projekt für Langzeitarbeitslose und ist auch als Fotograf und Bildhauer tätig. Er nahm an vielen Gruppen- und Einzelausstellungen im In- und Ausland teil und wurde für seine Arbeit vielfach mit renommierten Preisen und Stipendien ausgezeichnet.

Zumindest zur Zeit liegt der Fokus auf der Malerei mit Acryl und Öl, auf Farben, Texturen, Mischungen und Effekten, die den Künstler faszinieren. „Bestimmte Qualitäten sind nur mit bestimmten Techniken möglich. Das ist wie beim Gitarrespielen. Früher wollte ich immer spielen können, ohne hinzugucken, das habe ich nie geschafft.“ In der Malerei aber sei er dort angekommen. „Wenn ich das Meer male, weiß ich genau, welche Pinsel ich nehmen muss, ohne darüber nachdenken zu müssen.“

Ein bestimmtes Thema, ein Problem, das ihn sein ganzes Leben lang beschäftigt, hat er nicht. „Vielfältigkeit kennzeichnet mein Leben. Vielleicht ist der ständige Wandel mein Wiedererkennungswert“, so der Künstler. Außerdem taucht immer wieder der Mensch auf, seine Hilflosigkeit, das Komische an ihm, die Merkwürdigkeiten, Momente der Freude, der Überraschung.

So findet Mönster Inspiration vor allem im Denken und Beobachten: „Meistens entsteht das eine aus dem anderen, manchmal ausgesprochen plötzlich. Die erste Anregung ist immer von außen.“ Nicht selten ist diese erste Anregung Teil seiner Sammelleidenschaft: ein Dia, ein alter Film oder eine Postkarte, die Mönster auf Flohmärkten entdeckt.

Sein Alltag ist dabei durchstrukturiert, von 9 bis 17 Uhr ist der 67-Jährige im Atelier, oft macht er abends zu Hause weiter. „Ich kenne keinen Künstler, der von seiner Kunst lebt und faul ist. Es ist ein harter Kampf. Das merkt man nur nicht so, weil es Spaß macht.“

Vorbilder wechseln für ihn immer wieder. Zur Zeit sind es Diego Velázquez und Francisco de Goya und der Bildhauer Alberto Giacometti, aber auch andere, die in keiner direkten Verbindung zu seiner Arbeit stehen. Schenken würde Mönster sein „Kunst-Stück“ der Kunsthalle Bremen: „Es würde gut ins grafische Kabinett passen.“

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