Bergsteiger auf Rollen 

Rehamesse „Irma“ zeigt Neuheiten und Sportmöglichkeiten

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Sport mit Behinderung: Nina Hoffmann (l.) und Maria Schöne haben ausnahmsweise im Rollstuhl Platz genommen und testen unter Anleitung von Nicolas Sanchez de la Torre das Rollstuhl-Tennis.

Bremen - Von Viviane Reineking. Langsam tastet „Scewo“ sich rückwärts an die Treppe heran. Dann, Stufe für Stufe, hebt das schicke Gefährt sich und seinen Entwickler nach oben. Der selbstbalancierende, treppensteigende Rollstuhl ist ein Highlight auf der Mobilitäts- und Rehabilitationsmesse „Irma“ in den Messehallen 6 und 7 an der Bremer Bürgerweide. Heute, Sonnabend, öffnet sie von 10 bis 18 Uhr, am morgigen Sonntag von 10 bis 16 Uhr. Eintritt: fünf Euro.

Rollstühle, Handbikes, Gehhilfen, Prothesen, Liftsysteme, Reha- und Pflegehilfsmittel, Reiseangebote (alle Halle 7) und Behindertensport (Halle 6): Rund 120 Aussteller zeigen und informieren über Angebote, die Senioren, Rollstuhlfahrern und Menschen mit Behinderung zu mehr Selbstständigkeit, Lebensqualität und Komfort verhelfen können. Im Mittelpunkt stehe die gleichberechtigte Teilhabe am Leben, sagt Christian Brandt von Fackh vom Veranstalter „Escales“. Der erwartet insgesamt rund 8000 Besucher.

Zurück zu „Scewo“: „Wir wollten ein Gerät entwickeln, dass Spaß macht“, sagt Sebastian Schoch, Softwareentwickler aus der Schweiz. Herausgekommen ist ein futuristisch anmutender und über Smartphone und Joystick steuerbarer Rollstuhl mit verschiedenfarbigen LED-Scheinwerfern, wendig wie ein Segway, kraftvoll wie ein Bergsteiger. Entworfen hat es ein Start-up, das aus der ETH Zürich entstanden ist. Ein paar Stände weiter dreht ein fahrerloser Rollstuhl seine Runden. Gesteuert wird er über eine schmale Brille von Entwickler Claudiu Leverenz von „Munevo“, ebenfalls eine Ausgründung aus einer Universität, der TU München. „Die Brille funktioniert über Bewegungssensoren. Kippt man etwa den Kopf nach rechts, fährt der Rollstuhl in diese Richtung.“

Im Blindparcours können Besucher einmal ausprobieren, sich ohne Sehkraft zurechtzufinden.

Schwer zu überwinden sind für Rollstuhlfahrer nicht nur Treppen. Auch Bordsteinkanten, Kieswege, Steigungen und enge Türen gehören dazu. Diese Hürden simuliert ein Testparcours, in dem auch nicht Betroffene im Leihrollstuhl einen Perspektivwechsel wagen können. „Besonders schwierig fanden wir es, eine Steigung zu überwinden und die Tür zu öffnen“, sagen Annika Ottsen und Rieke Peiser, die eine Ausbildung zur Heilerziehungspflegerin absolvieren und deshalb auf der Messe sind. Beide meinen: „Es macht einem bewusst, welche Hindernisse Rollstuhlfahrer im Alltag eigentlich überwinden müssen.“

Überwindet Treppen: „Scewo“ mit Entwickler Sebastian Schoch aus der Schweiz.

Vor unzähligen Hürden dürften Betroffene auch im Urlaub stehen. Denn längst nicht jedes Hotel, dass sich selbst als „barrierefrei“ bezeichne, sei dies auch tatsächlich, weiß Brandt von Fackh. Voll im Trend liegen Reisen auf einem Kreuzfahrtschiff. Es gebe Schiffe, die seien komplett barrierefrei, so Nina Bäumchen und Nicole Deutzmann-Asmussen vom Reiseveranstalter „Kreuzfahrten & Mehr.“ Sie informieren etwa über ein behindertengerechtes und vollständig auf Rollstuhlfahrer ausgerichtetes Flusskreuzfahrtschiff, das auf dem Rhein und in den Niederlanden unterwegs ist. Sportlich geht es derweil eine Messehalle weiter zu: Vereine und Verbände informieren hier etwa zu Rollstuhlbasketball, Tanzen, Rugby und Rollstuhl-Tennis. Unter der Anleitung von Nicolas Sanchez de la Torre können Rollstuhlfahrer und Besucher im Leihrollstuhl die Sportart testen. Gespielt wird diese zum Beispiel beim TV Bierden, der im vergangenen Jahr seinen ersten Rollstuhltennis-Platz mit speziell verdichtetem Belag eingeweiht hat. Derzeit sind hier drei Rollstuhlfahrer aktiv. „Wir freuen uns natürlich über weitere Mitspieler“, so Rollstuhltennis-Beauftragter Frank Bergs.

Infos und Aussteller: www.irma-messe.de

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