Ein Berg mit Bühnengeschichte

„Verschwunden“: Das Stadttheater in den Wallanlagen

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Blick über den Theaterberg auf die „Ägina“ von Gerhard Marcks. 

Bremen - Von Thomas Kuzaj. Berg? Nun ja. Alpinisten würden nicht mal von einem Hügel sprechen. Aber dieser Ort in den Wallanlagen heißt nun einmal so – Theaterberg. Und Theater hat ja auch etwas mit Illusion zu tun. Seinen Namen hat der „Berg“, der mitten in der Stadt liegt, tatsächlich vom früheren Bremer Stadttheater. Heute ist es Thema unserer Serie „Verschwunden“.

Denn das ist es ja – verschwunden. Aus, vorbei, Vorhang auf ewig geschlossen. Wandernde Truppen, Komödianten und Sänger waren es zunächst gewesen, die in Bremen Theater gespielt haben. Das änderte sich grundlegend erst im Zeitalter der Aufklärung, als das Bürgertum sich emanzipierte und Bildung auch genießen wollte.

Adolph Freiherr Knigge, 1790 als hannoverscher Oberamtmann nach Bremen gekommen und hier 1796 gestorben, zählte zu den großen Förderern des Theaters, das sich nun auch zu einer sesshaften Institution entwickelte. Der Jurist Dr. Daniel Schütte (1763 bis 1850) hatte Kontakte zu Knigges Liebhabertheater und kaufte eine „stehende Bühne“, die der Schauspieler Gustav Friedrich Wilhelm Großmann (1746 bis 1796) auf der Junkernbastion am Ostertor gebaut hatte – ungefähr dort, wo heute das Olbers-Denkmal in den Wallanlagen steht: Ein Schauspielhaus, für das wechselnde Truppen engagiert wurden.

In den Jahren 1840 bis 1843, Schütte hatte sein Theater inzwischen verkauft, entstand dann ein Neubau – das Stadttheater auf der Bischofsnadel-Bastion in den Wallanlagen. Lange Zeit betrieben Pächter das Haus. Ein klassizistischer Bau, der was hermachte und anno 1855 in den Besitz der Stadt überging. 36 Meter breit, 47 Meter tief – da war schon Platz für die Illusionsmaschinerie Theater. Platz war auch für 1 400 Zuschauer. So viele passen heute ins Musicaltheater am Richtweg.

Bei einem Luftangriff weitgehend zerstört

Mozart, Rossini, Donizetti, auch Wagner – das war das Programm in den ersten Jahren des Stadttheaters. Hinzu kamen natürlich Schauspiele. In der Ära des Naturalismus waren hier auch Hauptmann und Ibsen zu sehen. Nachdem aber 1913 das neue Haus am Goetheplatz aufgemacht hatte, konzentrierte man sich im Stadttheater wieder mehr auf Opern und Operetten.

In der Zeit des Nationalsozialismus hieß das Haus dann „Staatstheater“. Im August des Kriegsjahres 1944 wurde der Spielbetrieb eingestellt. Bei einem Luftangriff am 6. Oktober 1944 ist das Theater weitgehend zerstört worden. Erhaltene Räume dienten nach Kriegsende noch als Proberäume, bevor die Ruine 1965 schließlich abgetragen wurde. In dem ehemaligen Luftschutzbunker unter dem Theater richtete der Galerist Peter Hagenah (1927 bis 2017) im Jahr 1949 die „Kunst-Krypta“ ein, in der er vor allem künstlerische Keramik-Unikate präsentierte. Die „Kunst-Krypta“ gab es bis 1962.

Das alte Theaterareal wurde ab 1966 zum terrassenförmig angelegten Theaterberg umgestaltet. Seit 1968 ist hier die liegende Skulptur „Ägina“ des Stadtmusikanten- Bildhauers Gerhard Marcks (1889 bis 1981) zu sehen.

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