Benzinspur im Appartement

Prozess wegen versuchten Mordes: Angeklagter gibt zu, Feuer gelegt zu haben

Der Angeklagte wird in den Sitzungssaal geführt, die Handfesseln werden gelöst. Seit März sitzt der junge Mann wegen versuchten Mordes in Untersuchungshaft. - Foto: Koller

Bremen - Von Steffen Koller. Seit gestern muss sich ein junger Mann vor dem Bremer Landgericht wegen versuchten Mordes verantworten. Der 28-Jährige gab bei Prozessauftakt zu, im März dieses Jahres Feuer im Zimmer einer Bremer Unterkunft mit möblierten Appartements gelegt zu haben. Sein Opfer, ein ehemaliger Freund, blieb bei der Explosion unverletzt.

Schüchtern wirkt der Angeklagte, als er den Sitzungssaal 231 des Landgerichts betritt. Die Haare sind akurat gegelt, unter einer Trainingsjacke trägt er ein weißes Hemd hervor. Bedacht, fast schon sachlich, beginnt der Angeklagte von jenem Abend zu erzählen, an dem er laut Staatsanwalt Joachim Grziwa die Absicht hatte, „einen Menschen heimtückisch zu töten“. Es ist der 20. März, als sich Tobias von R. gegen drei Uhr nachts in die Unterkunft des späteren Opfers in Hulsberg schlich. Einbrechen musste er dazu nicht, besaß er doch nach eigener Aussage als Hausmeister einen Generalschlüssel für fast alle Räume des Gebäudekomplexes.

Bevor er Benzin im Raum vergoss, habe er sich etwa eine halbe Stunde neben das Bett des Mannes gesetzt und ihm beim Schlafen zugeschaut. „Genau weiß ich das nicht mehr, es ist alles wie verschwommen.“ Dann, so schildert detailliert vor Gericht, habe er eine Spur quer durch die Wohnung gelegt und das Benzin angezündet. Durch das entstandene Luft-Gas-Gemisch kam es zur Explosion – Fenster zersplitterten, Türen wurden aus dem Rahmen gerissen. Wie durch ein Wunder blieb das Opfer unverletzt. Für Staatsanwalt Grziwa hat von R. dennoch „den Tod des Mannes für möglich gehalten und billigend in Kauf genommen“.

Als „Junkie und Lügner“ bezeichnet

Hatten der 28-Jährige und sein späteres Opfer anfangs ein sehr gutes Verhältnis, sei dieses bald gekippt, hieß es gestern. So soll von R. wenige Tage nach dem Feuer bei der Polizei den Mann, den er in einer Einrichtung für Alkoholkranke kennenlernte, als „Junkie und Lügner“ bezeichnet haben. Schulden hätten auch eine Rolle gespielt „Ich fühlte mich ausgenutzt und hintergangen“, sagt von R. Zum Tatzeitpunkt will er eine halbe Flasche Korn und vier Flaschen Bier intus gehabt haben, hinzu kamen mehrere Joints. „Ich war wie im Dauerrausch, die ganze Woche schon.“ Die Tat, an die er sich sich konkret nicht erinnere, die er vor Gericht aber einräumt, kann er sich nicht erklären. „Ich kriege es ja nicht mal hin, betrunken eine Zigarette zu drehen. Erst als es brannte, setzt mein Bewusstsein wieder ein.“ Kurios: Nach der Explosion lud der 28-Jährige sein Opfer noch auf ein Bier ein und ließ ihn über Nacht bei sich schlafen. Erst als gegen späten Nachmittag die Polizei anrief, dämmerte dem Opfer, dass es von R. war, der das Feuer gelegt hatte.

„Doch was genau gab den Handlungsimpuls?“, fragt die Vorsitzende Barbara Lätzel, „zumal Sie doch als langjähriges Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr wissen müssten, wie gefährlich ein Feuer sein kann?“ „Ich weiß es nicht. Ich mache manchmal komische Dinge“, sagt er. Bremen sei „nie sein Geschmack gewesen“, auch der triste Alltag habe an ihm genagt. „Irgendwie war ich unglücklich.“

Der Prozess wird am Dienstag, 4. Oktober, fortgesetzt.

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