Der Kampf ums Detail

Beluga-Prozess: Wussten Banken von Stolbergs Finanztricks?

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Beluga-Prozess: Der Angeklagte Niels Stolberg (l.)und Anwalt Bernd Groß.

Bremen - Von Ralf Sussek. Der Beluga-Prozess gegen den Firmengründer Niels Stolberg und drei seiner ehemaligen Mitarbeiter sollte heute mit der Vernehmung mehrerer Bankmitarbeiter fortgesetzt werden. Vernommen wurde nur eine Mitarbeiterin. Der Teufel steckt eben im Detail.

Wie verlief die Geschäftsbeziehung mit Beluga, wie wurden die Kreditverträge verhandelt und eingetütet, wie waren die Abläufe innerhalb der Abteilung, fragt die Vorsitzende Monika Schaefer die Mitarbeiterin der Bremer Landesbank (BLB). Die 46-jährige Bankkauffrau, seit ihrer Ausbildung bei der BLB, war seit 2002 im Geschäftsbereich Schiffsfinanzierungen und Kundenberaterin von Beluga. Sie stellte die Vorlagen für Finanzierungsanfragen zusammen, war Ansprechpartnerin in allen Kreditfragen („wir waren ständig in Kontakt“), in intensiven Zeiten mehrmals am Tag. Stolberg, der mit seinen Mitarbeitern unter anderem des 16-fachen Kreditbetrugs zulasten der BLB, Commerzbank und NordLB angeklagt ist, hatte seinerzeit von der BLB als seiner „Hausbank“ gesprochen.

Ganz eng mag die Zeugin die Geschäftsbeziehung zu Stolberg nicht darstellen, zumal das Institut 2008 aus der Schiffsneubaufinanzierung bei Beluga ausgestiegen war. „Wir hatten uns entschieden, nicht mehr zu finanzieren. Beluga sollte sich erstmal konsolidieren“, sagt die Zeugin. Eine Einschätzung, die Stolberg im Nachhinein teilen könnte. „Das rasante und starke Wachstum war nicht nur positiv“, hatte er am zweiten Verhandlungstag erklärt.

Nicht einverstanden ist der ehemalige Vorzeigeunternehmer mit anderen Aussagen. Da kommt Bewegung auf die Anklagebank, Verteidiger und Angeklagte zeigen spürbare Reaktionen. Zum Beispiel, wenn es um sogenannte Stundungsvereinbarungen geht. So hatte Stolberg wiederholt Schiffe in China in Auftrag gegeben und die holländische Werft Volharding mit der Bauaufsicht und weiteren Leistungen betraut. Kosten dafür in einem Fall: rund 7,5Millionen Euro. Diese Kosten fielen aber nie an, weil Stolberg mit Volharding eine unbefristete Stundungsvereinbarung abgeschlossen und der Bank vorgelegt hatte. Ihr sei dieser Passus in der Vereinbarung nicht aufgefallen, sagt die Zeugin. Auch nicht, dass dies einer Verzichtserklärung Volhardings gleichkommt. Oder dass bei früheren Finanzierungen vergleichbarer Größe der Anteil der Volharding-Leistungen lediglich 700.000 Euro betrug.

Die Verteidiger kämpfen mit hartnäckigen Fragen darum, die Banken aus ihrer Rolle der getäuschten Opfer herauszuzerren. Sie wollen die Richter überzeugen, dass die Banken über diese „kreative Darstellung von Eigenkapital“ (Stolberg) Bescheid gewusst und sie mitgemacht haben. Auch deshalb erwähnen sie, dass die interne Revision der Commerzbank nach der Beluga-Pleite „unstimmige“ Verträge moniert habe. Der Prozess wird am Dienstag mit der Vernehmung weiterer BLB-Mitarbeiter fortgesetzt.

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