28-Jähriger zu sechs Jahren Haft verurteilt

Belastendes „Indizienbündel“

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Am Landgericht Bremen wurde am Freitag das Urteil gegen zwei Männer wegen Raubes und gefährlicher Körperverletzung gesprochen.

Bremen - Von Steffen Koller. Unter erhöhten Sicherheitsvorkehrungen hat das Landgericht Bremen am Freitag zwei Männer unter anderem wegen Raubes, gefährlicher Körperverletzung und Beihilfe zum unerlaubten Waffenbesitz schuldig gesprochen. Ein 28-jähriger Angeklagter wurde zu sechs Jahren Haft verurteilt, sein 34 Jahre alter Komplize zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und zehn Monaten.

Damit folgte die Kammer den Anträgen der Staatsanwaltschaft, die ebenjenes Strafmaß gefordert hatte. Die Anwälte der Männer, Wilfried Behrendt und Axel Holtfort,hatten jeweils auf Freispruch für ihre Mandanten plädiert. Das Gericht unter Vorsitz von Richter Jens Florstedt kam nach mehr als sieben Monaten Prozessdauer und über 20 Verhandlungstagen zu folgendem Sachverhalt: Die Angeklagten Said E. (28) und sein Cousin Saindi B. (34), beide tschetschenische Staatsbürger, sind nach Auffassung der Kammer im August 2016 zum Arbeitsplatz ihres Opfers gefahren, fingen den Mann dort ab und forderten unter Ausübung und Androhung von Gewalt 25.000 Euro von ihm. Das Geld soll der Mann nach Erkenntnissen des Gerichts einem weiteren Mann geschuldet haben. E. und B. waren für das Eintreiben des Geldes zuständig.

Mit Tritten und Schlägen hätten E., B. und zwei weitere Personen ihr Opfer dazu gedrängt, die Schulden auszuhändigen, sagte Florstedt. Als dieser nicht zahlte, stahlen sie sein Portemonnaie samt 70 Euro und gaben ihm „mit eindeutigen Bewegungen an den Hosenbund“ zu verstehen, dass mit ihnen „nicht zu spaßen“ sei, so Richter Florstedt. Rund drei Wochen später hätten Said E. und weitere Personen dem Mann an einem Garagenhof aufgelauert und ihn wieder bedrängt, die Autotür seines Wagens zugeschlagen und so sein Bein „in Verletzungsabsicht“ eingequetscht, rekonstruierte das Gericht. An diesem Vorfall war laut Kammer aber nur E. beteiligt.

Während der mehr als 20 Verhandlungstage wertete das Gericht DNA-Spuren aus, hörte Sachverständige, Gutachter und mehrere Zeugenaussagen. Das Gericht sei sich bewusst, dass auch das Opfer „ein Langfinger und Schlitzohr mit Gefängnisaufenthalten“ gewesen sei und dass „Tätigkeiten in der Unterwelt beide Männer verband“, dennoch habe sich aus einem „Indizienbündel“ die Schuld der Angeklagten ergeben. Das Opfer habe zudem kein Motiv gehabt, bei seiner Aussage zu lügen, urteilte das Gericht. „Alle Zeugenaussagen waren im Wesentlichen glaubhaft“, sagte Florstedt. In abgehörten Telefonaten habe E. zudem gesagt, er habe seinem Opfer „eine kleine Massage verpasst“, gleichzeitig nannte er alle Namen beteiligter Personen – für das Gericht quasi ein Schuldeingeständnis, auch wenn E. Gewalt gegenüber dem Mann stets bestritten hatte.

Zusätzlich fanden Polizisten bei der Festnahme mehrere automatische und halbautomatische Gewehre, Schalldämpfer, geladene Magazine und über 100 Schuss Munition im Wagen von Said E. Deshalb verurteilte ihn das Gericht auch wegen Beihilfe zum unerlaubten Waffenbesitz. Dass die Waffen dem Angeklagten gehörten, konnte die Kammer allerdings nicht nachweisen.

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