Streit vor Verwaltungsgericht

Gymnasialleiterin klagt gegen Einrichtung einer Inklusionsklasse

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Christel Kelm ist die Schulleiterin des Gymnasium Horn. 

Bremen - Kann eine Schulbehörde einem Gymnasium die Einführung einer Inklusionsklasse anordnen, in der Kinder mit geistiger Behinderung gemeinsam mit anderen Schülern lernen? Die Schulbehörde bejaht die Frage ausdrücklich, anders als die Leiterin des Gymnasiums Horn, die Klage einreichte. Beide Seiten beharrten am Mittwoch auch vor dem Verwaltungsgericht auf ihrer Position.

Mit ihrer Klage ging die beamtete Schulleiterin Christel Kelm gegen die eigene dienstvorgesetzte Bildungsbehörde vor. Sie führte an, die Anordnung, an ihrer Schule in der fünften Jahrgangsstufe eine inklusive Klasse mit geistig behinderten Schülern einzurichten, sei rechtswidrig und verletze sie in ihren Rechten als Direktorin. 

Richterin Anette Ohrmann hielt dem entgegen, das Ziel der inklusiven Beschulung stehe seit 2009 im Bremischen Schulgesetz und gelte für alle Schulen. Überdies müsse die Beamtin Anordnungen der Schulbehörde umsetzen.

In dem geplanten Klassenverband sollen nach dem Willen der Behörde 19 Schüler mit einer Gymnasialempfehlung zusammen mit bis zu fünf geistig behinderten Kindern unterrichtet werden. Kelm argumentierte, der gymnasiale Unterricht sei auf das Abitur ausgerichtet. 

Das damit verbundene erhöhte Lerntempo überfordere die behinderten Kinder. Außerdem fehlten Räume sowie Personal und Ausstattung wie beispielsweise ein Hebelifter im Bad.

An 17 Bremer Schulen gibt es bereits Inklusionsklassen

Im vollbesetzten Gerichtssaal gab es aus dem Publikum spontan Beifall für beide Seiten. Das Gymnasium Horn zählt 1100 Schüler. Im November 2017 erhielt die Schulleiterin die Anordnung, dass auch in Horn – wie schon länger an den beiden Gymnasien Vegesack und „Links der Weser“ – ein inklusiver Klassenverband eingerichtet werden soll. Es gibt acht städtische Gymnasien. An insgesamt 17 Schulen in Bremen existieren Inklusionsklassen.

Die klagende Schulleiterin sieht das zweisprachige Gymnasium Horn vor allem als Lernort mit gehobenen Leistungsanforderungen an die Schüler und dem erklärten Ziel, zum Abitur zu führen. Sie fürchtet Zustände, die auch in Inklusionsklassen an anderen Schulen festzustellen seien: große Unruhe bei beeinträchtigten Kindern, während die anderen Mathe oder Englisch lernen. 

Bei der Anordnung habe ihr Vorgesetzter ihr gesagt, dass die Entscheidung weder fachlich noch sachlich begründet sei. „Aber Sie müssen das jetzt tun“, habe er ihr gesagt. Sie äußerte ihre Bedenken zunächst intern und reichte dann im März Klage ein.

Rösler: Das Gymnasium ist für alle da

Die Vertreterin der Schulbehörde, Ulrike Rösler, ließ keinen Zweifel daran, dass die beeinträchtigten Kinder wie geplant in sechs Wochen nach den Sommerferien am Gymnasium Horn beschult werden, auch ohne Mitwirkung der Schulleiterin. „Das Gymnasium ist nicht nur für leistungsstarke Kinder gedacht“, betonte Rösler. 

Sie und Abteilungsleiter Michael Huesmann sagten, für Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf stünden nicht fachliches Lernen und Abitur an erster Stelle, sondern das soziale Lernen in der Gemeinschaft. Kelm entgegnete daraufhin: „Schulen sind keine Begegnungsstätten.“ 

dpa/epd

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