Behördenstreit um Bunker

Der sanierte Teil des U-Boot-Bunkers „Valentin“ im Bremer Norden. Um den intakten Mittelteil gibt es jetzt Auseinandersetzungen wegen der Nutzung. Die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben will die etwa 200 Meter lange Bunkerhalle an Logistikfirmen als Lager vermieten. Hingegen plant die Gedenkstättenleitung dort einen Ausstellungsraum. ·

Bremen - Er ist 426 Meter lang, heißt „Valentin“ – und sorgt für Ärger. Europas zweitgrößter überirdischer Bunker aus dem Zweiten Weltkrieg wird zu einer Gedenkstätte ausgebaut. Die Bundesimmobilienanstalt als Verwalterin will aber Teile der Fläche künftig an Betriebe vermieten.

Die Nutzung des U-Boot-Bunkers „Valentin“ in Bremen-Nord sorgt für Streit zwischen dem obersten Landes-Denkmalschützer und der Bundesimmobilienanstalt. Europas zweitgrößter überirdischer Bunker aus dem Zweiten Weltkrieg soll, wie berichtet, zu einer Gedenkstätte werden. Längst finden hier Führungen statt. Im Mittelteil des Bauwerks soll eine Ausstellung an die Leiden von Tausenden von Zwangsarbeitern erinnern, die die gigantische U-Boot-Werft von 1943 bis 1945 errichten mussten.

Die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima), die den Bunker verwaltet, will jedoch Teile der Fläche an Unternehmen vermieten. Dafür müssten Wände oder Zäune eingezogen werden, was den Charakter der gewaltigen Halle zerstöre, sagt der Leiter des Bremer Landesamts für Denkmalpflege, Georg Skalecki. „Man könnte die Dimension nicht mehr in seiner Gänze wahrnehmen. Da muss man auch durchschreiten können.“

Der U-Boot-Bunker Valentin

U-Boot-Bunker „Valentin“ in Bremen

Britische und amerikanische Bomben hatten im Frühjahr 1945 tiefe Löcher in den noch nicht ganz fertiggestellten Bunker gerissen. Die Nationalsozialisten gaben die Baustelle daraufhin auf. Bis 2011 nutzte die Bundeswehr die noch erhaltene Bunkerhalle als Lager, danach übernahm die Bima das betagte Bauwerk.

Um die Betriebskosten für den Koloss zu decken, will diese neben einem dreigeschossigen Seitenteil – anders als ursprünglich geplant – nun auch Flächen in der großen Halle zum Einlagern vermieten. Dagegen hat Skalecki in einem Brief an die Bundesbehörde Widerspruch erhoben. Sollte diese nicht einlenken, müsse eben auf höchster politischer Ebene entschieden werden, betont er. „Da bin ich nicht verhandlungsbereit.“

Das Schreiben sei kurz vor Weihnachten eingegangen, bestätigte Bima-Fachgebietsleiter Hans-Heinrich Schrievers. „Das lassen wir gerade rechtlich prüfen, weil das doch einen erheblichen Eingriff in unsere Nutzungsmöglichkeiten darstellt.“ 3,8 Millionen Euro zahlen der Bund und das Land Bremen für den Aufbau der Gedenkstätte im Bunker „Valentin“. Seit vergangenem Mai können angemeldete Gruppen das Gelände an der Weser erkunden. Von Februar an werde die Zahl der Führungen von vier bis fünf pro Woche schrittweise steigen, wie der stellvertretende Leiter der Landeszentrale für politische Bildung, Sebastian Ellinghaus, erläutert.

Im Laufe des Jahres soll außerdem ein Pfad um den Bunker herum angelegt werden, entlang dem Stelen über dessen Entstehung und die unmenschlichen Arbeitsbedingungen auf der Baustelle informieren. Das Konzept dafür soll im März stehen. · lni

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