Behörden schlagen Alarm und suchen die Quelle für Legionellenerkrankungen

Zwei Tote in vier Monaten

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Legionellen unter der Lupe: Die Bakterien können Lugenentzündungen verursachen. In Bremen ist eine ungewöhnliche Häufung von Legionellenerkrankungen aufgetreten. Archivfoto: dpa

Bremen - Von Jörg Esser. 17 schwere Fälle von Legionellenerkrankungen mit bislang einem Todesopfer in zwei Wochen. Die Bremer Behörden sind besorgt, schlagen Alarm und suchen unter Hochdruck nach der Infektionsquelle. „Wir suchen nach der Stecknadel im Heuhaufen“, sagt die Leiterin des Gesundheitsamts, Monika Lelgemann. Es ist die zweite Welle innerhalb von vier Monaten ist. Im November gab es innerhalb von drei Wochen 19 Erkrankte und einen Toten.

Die Behörden rotieren. Ein Krisenstab ist eingerichtet worden. Und es gibt eine Auffälligkeit: Alle Patienten halten sich häufig im Bremer Westen auf – privat oder beruflich. Ob in Walle oder Gröpelingen oder Findorff, das blieb gestern auf einer Pressekonferenz offen. Nähere Angaben wollen die Behörden aus Datenschutzgründen nicht machen. Verraten haben sie, dass es sich bei beiden Todesopfern um 84Jahre alte Männer handelt. Die beiden und alle anderen Erkrankten seien Raucher, hieß es. Betroffen von der Legionellose, die eine schwere Lungenentzündung verursacht, sind bislang Menschen im Alter von 45 bis 85 Jahren.

Die Patienten der zweiten Infektionswelle werden derzeit in Kliniken behandeln. Viele liegen auf einer Intensivstation, einige schweben noch in Lebensgefahr. Lelgemann sagte, eine Infizierung könne nur über die Atemwege geschehen, wenn mit Legionellen belasteter Wasserdampf („Aerosole“) eingeatmet werde. „Man kann sich nicht über das Trinken von Wasser infizieren.“ Eine Ansteckung von Mensch zu Mensch oder von Tieren wie Stechmücken oder Parasiten ist nicht bekannt.

„Wir wollen die Infektionsquelle stilllegen“, sagte Umwelt-Staatsrat Ronny Meyer. Nach intensiver Ursachenforschung und nach Patientenbefragungen gehen Gesundheitsamt und Gewerbeaufsichtsamt jetzt davon aus, dass eine Rückkühlanlage, also eine gewerblich genutzte industrielle Großklimaanlage, die Legionellen per Wasserdampf in die Umgebung abgibt. „Wichtig ist, dass diese Anlagen jetzt vorsorglich desinfiziert werden“, forderte Gesundheitssenatorin Eva Quante-Brandt die Betreiber auf. Es gibt ein großes Problem: Rückkühlanlagen sind weder genehmigungs- noch meldepflichtig. „Es gibt kein Register“, sagte Meyer. So wurden Luftbildausnahmen ausgewertet und die Sanitär-Innung mit der Bitte um Hinweise eingeschaltet. Die Gesundheitsamtsleiterin schränkt ein: „Die exakte Quelle zu finden und somit mögliche Bakterienstämme zu identifizieren, ist wie ein Sechser im Lotto.“

Eine Infektion mit den Legionellen kann symptomlos bleiben, aber auch „klassische Grippesymptome“ auslösen. „Nicht jeder Schnupfen ist eine Legionellenerkrankung“, so Lelgemann. „Wir wollen keine Panik auslösen.“ Aber wer unter rasant ansteigendem Fieber und trockenen Husten leide, sollte „doch schneller den Arzt aufsuchen als üblich“. Letztlich können die Legionellen eine schwere Lungenentzündung verursachen, die laut Lelgemann in fünf bis zehn Prozent der Fälle tödlich endet.

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