Frühchen-Tod: Staatsanwalt sagt aus / Verwirrung um Hygienezuständigkeit des entlassenen Chefarztes

„Behörde wollte Ermittlungen verzögern“

Bremen - Die Gesundheitsbehörde hat nach Angaben der Staatsanwaltschaft den Start der Ermittlungen zum Tod mehrerer Frühchen in einer Klinik verzögern wollen. Senatorin Renate Jürgens-Pieper (SPD) habe ihn vor der ersten eilig anberaumten Pressekonferenz im November telefonisch gebeten, seine Fragen an die Verantwortlichen zunächst zurückzustellen, sagte gestern Staatsanwalt Uwe Picard im Parlamentarischen Untersuchungsausschuss.

Die Klinikleitung und die Gesundheitsbehörde hatten Anfang November die Öffentlichkeit über die tödliche Infektionswelle im Klinikum Mitte informiert. Dort hatten sich mehrere Frühchen mit einem multiresistenten Darmkeim angesteckt. Drei Kinder starben an der Infektion. Die Verantwortlichen hätten die Staatsanwaltschaft jedoch nicht über die Vorfälle unterrichtet, sagte Picard. Er hatte erst kurz vor der Pressekonferenz aus den Medien davon erfahren.

„Ein Staatsanwalt, der so etwas hört und nicht agiert, ist am falschen Platz“, sagte Picard. Er sei sofort zur Klinik gefahren, um Geschäftsleitung und Ärzte vor der Pressekonferenz zu befragen. Die Senatorin habe ihn jedoch angerufen, um dies zu dem Zeitpunkt zu verhindern – ohne Erfolg. „Dieses Gespräch hat nicht dazugeführt, dass ich mich insoweit habe erweichen lassen, meine Ermittlungen zurückzustellen“, sagte Picard. „Ich habe meine Aufgaben wahrgenommen.“

Gesundheits-Staatsrat Joachim Schuster hatte zwei Tage später eine Dienstaufsichtsbeschwerde gegen den Staatsanwalt eingereicht, diese wurde aber später zurückgezogen. Picard bezeichnete das Verhalten der Gesundheitsbehörde als befremdlich. Wenn er früher über die tödliche Infektionswelle im Klinikum Mitte informiert worden wäre, hätte der holprige Start bei den Ermittlungen verhindert werden können. Picard hatte den Fall nach eigenen Angaben bis zum 7. November bearbeitet. Danach habe er diesen an ein anderes Dezernat übergeben.

Die Staatsanwaltschaft ermittelt inzwischen wegen sechs Todesfällen. Im Fokus steht der frühere Chefarzt der Kinderklinik, Prof. Dr. Hans-Iko Huppertz. Gegen ihn wird wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung und Körperverletzung ermittelt. Inzwischen wurde bekannt, dass der im November 2011 fristlos entlassene Medziner möglicherweise zum Zeitpunkt des tödlichen Keimausbruchs offiziell nicht mehr der hygieneverantwortliche Arzt des Krankenhauses war. Die schriftliche Vereinbarung über die unentgeltliche Zusatzaufgabe war am 31. März 2011 ausgelaufen, wie gestern eine Sprecherin der Klinik-Holding Gesundheit Nord bestätigte. Huppertz habe das Hygieneamt dennoch weiter geführt. „Das ist nie von einer Seite infrage gestellt worden“, sagte die Sprecherin. Das stillschweigende Übereinkommen sei juristisch einem schriftlichen Vertrag gleichzusetzen. · lni/dapd

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