Bremer Kfz-Gewerbe nach wochenlangem Lockdown mit großen Sorgen

Begehrt: E-Autos und Gebrauchte

Sie boomen auch an der Weser: E-Autos und Plug-in-Hybride.
+
Sie boomen auch an der Weser: E-Autos und Plug-in-Hybride.

Corona und der Automarkt in Bremen - dazu gibt es aus Sicht des Kfz-Landesverbandes gute und schlechte Nachrichten. Klar ist: Elektroautos und gebrauchte Wagen waren im Pandemie-Jahr die Renner.

Bremen – „Es gibt sie noch, die positiven Überraschungen in den schweren Zeiten der Corona-Pandemie. Der Gesamtumsatz im bremischen Automarkt ist gestiegen“, sagte Karl-Heinz Bley, Präsident des Kfz-Landesverbandes Niedersachsen-Bremen, bei der Vorlage der Jahresergebnisse. Gestiegen ist der Umsatz in Bremen und Bremerhaven um vier Prozent auf 1,71 Milliarden Euro. Doch es sei längst nicht alles gut, was auf den ersten Blick danach aussehe.

Es gebe zwei Verlierer, so Bley: den Handel mit Neuwagen und den Service. Gewinner hingegen seien die Gebrauchtwagen und die Elektromobilität. Den Hauptgrund für die Zunahme von E-Autos sieht Bley in staatlichen Subventionen (2 570 elektrifizierte Neuwagen, plus 260,4 Prozent). Seine Bilanz fürs erste Corona-Jahr: „Im Vergleich zu anderen Branchen sind wir mit einem blauen Auge davongekommen.“ Er befürchtet allerdings, dass das zweite Pandemie-Jahr sehr schwierig werden wird. Die Rückgänge im Auftragseingang mit minus 39 Prozent im Januar und zwölf Prozent im Februar ließen massive Verluste bei den Auto-Neuzulassungen befürchten. Bley mahnte für den Handel eine Öffnungsperspektive mit Planungssicherheit an.

Einbußen bei Neuzulassungen

Die Branchenbilanz 2020 weise bei den Neuzulassungen an der Weser Einbußen von 16,5 Prozent auf 17 607 Neuzulassungen aus. Die Corona-Monate März und April mit dem ersten Lockdown hätten für die Neuzulassungen Verluste von fast 46,7 Prozent geschrieben. Allein der April sei mit 64,5 Prozent ins Minus gerutscht. Bley: „Das ist kein gutes Omen“. Das erste Halbjahr 2020 habe zu Rückgängen von 32,8 Prozent auf 7 300 Neuzulassungen geführt, das zweite Halbjahr hingegen sei auch wegen reduzierter Mehrwertsteuer mit 10 307 Verkäufen leicht mit 0,8 Prozent ins Plus gefahren.

Prämie für Elektrofahrzeuge sorgt für Boom

Dank der Prämie von 9 000 Euro seien die Zulassungszahlen der Elektrofahrzeuge „explodiert“, sagte Bley und nannte 911 (Vorjahr 380) reine batteriebetriebene Neuwagen (BEV) und 1 659 (Vorjahr 339) Plug-in-Hybride (PHEV). Hybride gefallen ihm offenbar nicht so recht, sprach er doch vom „süßen Gift der Subvention“ und betonte, dass Hybride schließlich auch einen Verbrenner nutzten.

Die Statistik weist zudem bei den Neuzulassungen 7 470 (Vorjahr 11 746) Benziner (Vorjahr 11 746) und 5 366 Diesel (Vorjahr 7 060) aus. Der Gesamtumsatz von rund 1,7 Milliarden Euro teilte sich auf in 639,8 Millionen Euro für Neuwagen, 745,9 Millionen Euro für Gebrauchtwagen, 212,7 Millionen Euro für den Service und 111,5 Millionen Euro für den Verkauf neuer und gebrauchter Nutzfahrzeuge. Der Anteil des Kfz-Gewerbes an diesem Marktumsatz beträgt laut Statistik 1,36 Milliarden Euro (79,6 Prozent, Vorjahr 80,4 Prozent). Als „bemerkenswert“ bezeichnete Bley den Umsatzanteil für Gebrauchte mit 43,6 Prozent (Vorjahr 34,5). Gebrauchte hätten im Corona-Jahr 2020 einen Lauf gehabt. Und sie seien durchschnittlich teurer geworden: 14 750 statt 12 610 Euro im Vorjahr. Auch für neue Autos legten die Käufer mehr Geld hin: 36 340 statt 33 990 Euro. Gefragt waren laut Bley insbesondere Fahrerassistenzsysteme. SUVs steigerten auch an der Weser erneut ihren Marktanteil: von 32,3, auf 33,5 Prozent.

Kossmann: Nicht jeder SUV ist groß - die meisten sind Kompaktwagen

Apropos SUV: Dazu hat Hans Jörg Kossmann, Landesinnungsmeister und Obermeister der Bremer Kfz-Innung, eine klare Meinung. Er ging unter anderem auf die Linken ein, denen SUVs ein Dorn im Auge sind. Nicht jeder SUV sei groß, so Kossmann, die meisten in Deutschland seien nichts anderes als um wenige Zentimeter höhergelegte Klein- und Kompaktwagen. 75 Prozent der neu zugelassenen SUV seien Kompaktwagen.

Kossmann: „Ein SUV-Problem heraufbeschwören zu wollen, das es nun mit der Verbotskeule zu bekämpfen gilt, bringt niemanden weiter – ebensowenig wie vermeintliche Umweltschützer.“ Statt einer konstruktiven Diskussion über Sicherheit in Innenstädten, Assistenzsysteme oder einer Differenzierung des SUV-Begriffs herrsche „blanke Polemik“. Der Kunde solle selbst entscheiden, welches Auto er fahren wolle. „Verbotsdebatten sind nicht zielführend, die Grünen haben dies bereits erleben und erfahren müssen“, so Kossmann.

Weiter geht’s zum Thema Ausbildung. Bei den Azubiverträgen habe das Kfz-Gewerbe „dramatisch hohe Rückgänge“ hinnehmen müssen: 22,5 Prozent minus bei den neu abgeschlossenen Ausbildungsverträgen für Kfz-Mechatroniker und 30,8 Prozent minus bei Automobilkaufleuten. Dies entspreche 165 neuen Mechatronikern (Vorjahr 213) und 27 neuen Kaufleuten (Vorjahr 39). Mit Blick auf die Fachkräfte-Lage sei das eine dramatische Entwicklung, sagte Kossmann.

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Massive Raketenangriffe: Israel antwortet mit Luftschlag

Massive Raketenangriffe: Israel antwortet mit Luftschlag

Die beliebtesten Kuchenklassiker und Tortenträume

Die beliebtesten Kuchenklassiker und Tortenträume

Bayern feiern Titel mit Gala - Lewandowski-Tore 37, 38, 39

Bayern feiern Titel mit Gala - Lewandowski-Tore 37, 38, 39

Bill und Melinda Gates lassen sich scheiden

Bill und Melinda Gates lassen sich scheiden

Meistgelesene Artikel

Wohnen statt Mustern im früheren Bremer Bundeswehr-Hochhaus

Wohnen statt Mustern im früheren Bremer Bundeswehr-Hochhaus

Wohnen statt Mustern im früheren Bremer Bundeswehr-Hochhaus
Familie in Bremen brutal getötet: Vater soll Täter sein – Stress als Auslöser?

Familie in Bremen brutal getötet: Vater soll Täter sein – Stress als Auslöser?

Familie in Bremen brutal getötet: Vater soll Täter sein – Stress als Auslöser?
Mann im Taxi fährt 21 Fahrräder zu Schrott

Mann im Taxi fährt 21 Fahrräder zu Schrott

Mann im Taxi fährt 21 Fahrräder zu Schrott
Mittlerweile macht Kadir Soytürk mit dem „Geschmackslabor“ zehn Millionen Euro Umsatz im Jahr

Mittlerweile macht Kadir Soytürk mit dem „Geschmackslabor“ zehn Millionen Euro Umsatz im Jahr

Mittlerweile macht Kadir Soytürk mit dem „Geschmackslabor“ zehn Millionen Euro Umsatz im Jahr

Kommentare