Vom Becher bis zum Badteppich

Bremer Unternehmen „Kleine Wolke“ feiert 50-jähriges Bestehen

Ein Blick ins Jahr 1973: die Konfektion von Badteppichen der Marke „Kleine Wolke“. Zu Spitzenzeiten arbeiteten 1 200 Menschen an dem Standort in Bremen-Nord. - Foto: Archiv Kleine Wolke
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Ein Blick ins Jahr 1973: die Konfektion von Badteppichen der Marke „Kleine Wolke“. Zu Spitzenzeiten arbeiteten 1 200 Menschen an dem Standort in Bremen-Nord.

Bremen - Von Elisabeth Gnuschke und Martin Kowalewski. Es war 1968 im Flugzeug hoch über den Wolken, als Günthner Brinkmann die zündende Idee hatte. Er blickte auf die Wolken, die weich und kuschelig wirkten. Da wollte er seine Füße reinstellen. Und so war der Name für eine neue Marke, die „Kleine Wolke“, gefunden. In diesem Jahr feiert das Unternehmen mit Sitz im Bremer Norden, dessen Badezimmerutensilien wohl viele Menschen kennen, sein 50-jähriges Bestehen. Die Anfänge an dem Standort in Schönebeck gehen viel weiter zurück – in das Jahr 1793.

Damals gründete der Reepschläger Claus-Hinrich Michelsen die Bremer Tauwerkfabrik (BTF). 1892 entschlossen sich die Nachfolger zur Umwandlung in eine Aktiengesellschaft unter der Bezeichnung Bremer Tauwerk-Fabrik AG. Kurz nach der Jahrhundertwende war die Produktion auf 3 000 Tonnen und zehn Jahre später auf 4 000 Tonnen angestiegen, heißt es in der Historie. Der Erste Weltkrieg traf das Unternehmen schwer, wertvolle Maschinen mussten verkauft werden. 1927 übernahm Fritz Tecklenborg die Aktienmehrheit bei der BTF. Er stammte aus einer alten Bremer Seefahrerfamilie. Ihm gelang es, die Reedereien, Werften und Hochseefischereien wieder als Käufer zu gewinnen.

Im Zweiten Weltkrieg blieb BTF vor größeren Schäden bewahrt, bald wurde eine Teppichweberei angegliedert. Mehr als 1 200 Menschen arbeiteten 1961 in der Fabrik und stellten Tauwerk aller Art, Erntebindegarn für die Landwirtschaft, Sisalteppiche und -läufer her. Und dann sind wir auch schon im Jahr 1968, bei besagtem Flug über den Wolken. Die beiden Geschäftsführer Heinrich Wellmann und Günther Brinkmann fassten den Entschluss, künftig auch Badteppiche zu produzieren und schufen die Marke „Kleine Wolke“.

Hier entstehen Prototypen fürs Bad: Michael Grimbo und Anne Zeffler zeigen eine große Tuftmaschine im Atelier von „Kleine Wolke“. Das Tuften ähnelt dem Nähen, doch entstehen dabei Schlaufen. - Foto: Kowalewski

Heute bieten die Schönebecker 5 000 Produkte rund ums Badezimmer an, erzählt Geschäftsführer Michael Grimbo (49). Das Unternehmen aus Bremen gilt als Marktführer für Badezimmerutensilien. Wichtig ist heute ein abgestimmtes Design, sagt Grimbo. „Teppiche, ein WC-Sitz, eine WC-Bürste, ein Duschvorhang, ein paar Handtücher und dazu noch ein neuer Seifenspender und Zahnputzbecher – die Produkte müssen zusammenpassen, die Muster aufeinander abgestimmt sein“, sagt Grimbo.

Und noch ein Blick in die Geschichte: Die BTF wurde 1989 an den Haushaltsartikelhersteller Leifheit verkauft. Gleichzeitig wurde die traditionsreiche Tau-Herstellung beendet – sie machte nur noch einen sehr geringen Umsatzanteil aus, erzählt Anne Zeffler (33), Projektleiterin Marketing. Ab 1997 fuhr das Unternehmen schrittweise die eigene Produktion von Badteppichen zurück, 2003 wurde sie in Schönebeck eingestellt. 1997 wurde der Firmenname von BFT-Textilwerke in „Kleine Wolke“ Textilgesellschaft geändert. 2010 verkaufte Leifheit das Bremer Unternehmen an die Possehl Unternehmensgruppe (Lübeck). Produziert werden Badteppiche, Duschvorhänge und mehr in Tschechien und Fernost.

116 Mitarbeiter sind heute am Standort in Schönebeck tätig, vier weitere im Vertrieb in der Schweiz. Fünf Angestellte arbeiten im Atelier und entwerfen die verschiedenen Badezimmerartikel. „Wir beobachten den Wettbewerb. Uns interessiert, welche Farben und Formen eine Rolle spielen werden“, sagt Grimbo. Die Prototypen werden vor Ort genäht. Die Designer orientieren sich an Trendthemen und arbeiten diese in die Produkte ein. „Die Trends kommen oft aus dem Modebereich und halten dann Einzug ins Badezimmer“, sagt Grimbo.

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