Einschränkungen für Lkw-Verkehr

Stephanibrücke unter Beobachtung

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Um die Stephanibrücke ist es schlecht bestellt: Fachleute sehen sofort Handlungsbedarf. Das Amt für Straßen und Verkehr hat daher unter anderem ein Überholverbot für Lkw verfügt.

Bremen - Von Viviane Reineking. Der Verkehr über die Stephanibrücke läuft ab den heute beginnenden Sommerferien nur noch mit Einschränkungen. Diese gelten jedoch nur für Lkw. Aber auch der Bereich für Fußgänger und Radfahrer wird schmaler. Der Grund: Um das Bauwerk, das von Bremen-Mitte über die Weser in die Neustadt führt, ist es schlecht bestellt. Fachleute aus Sachsen sehen sofortigen Handlungsbedarf.

Die Weserbrücke muss in den nächsten Jahren umfassend verstärkt – im Fachjargon: ertüchtigt – werden, um den wachsenden Belastungen weiterhin gerecht zu werden. Ein Ingenieurbüro aus Sachsen, das die Brücke untersucht hat, hält gar sofortige Maßnahmen zur Entlastung der Brücke für notwendig. Das Bremer Amt für Straßen und Verkehr (ASV) wollte das Bauwerk allerdings zunächst in den nächsten sechs Monaten erst einmal nur unter „erhöhte Beobachtung“ (auch „Monitoring“ genannt) stellen, um zu erfassen, wie sich die Schäden entwickelten. So hatte es Martin Stellmann vom ASV noch vor wenigen Tagen angekündigt. Nun aber sollen die entlastenden Maßnahmen bereits zu sofort umgesetzt werden – „um diese bereits in das Monitoring mit einfließen zu lassen“, sagt Stellmann.

Lkw dürfen nicht mehr überholen

Lastkraftwagen dürfen auf der Brücke nun nicht mehr überholen, müssen zudem – vor allem auch im Falle eines Staus – einen Mindestabstand von 50 Metern zum vorausfahrenden Fahrzeug halten. Eine entsprechende Beschilderung weise auf die neue Regelung hin, so Stellmann. Einen genehmigungspflichtigen Schwerlastverkehr mit Dauererlaubnis gebe es für Bremen schon seit Jahresbeginn nicht mehr.

Eine weitere Maßnahme betrifft die tiefergelegene Brückenebene mit jeweils 5,50 Meter breiten Wegen für Fußgänger und Radfahrer: Beide Seiten werden um jeweils zwei Meter schmaler, um größere Menschenansammlungen zu verhindern. Mindestens einmal pro Monat werde nun genau hingeschaut, wie sich die Schadensbilder der Stephanibrücke weiter entwickelten, so Stellmann.

Brücke wurde 1968 gebaut

Zum Hintergrund: Als Ausweichroute zur A 1 über die Weser trägt die 1968 erbaute Stephanibrücke stetig steigende Lasten. Immer mehr und immer schwerer werdende Fahrzeuge und Lastwagen – das ist der Brücke nicht gut bekommen. Ähnlich ist es schon der Weserbrücke über die Autobahn zwischen Hemelingen und Arsten ergangen.

Bereits im Februar hatten Verkehrssenator Joachim Lohse (Grüne) und das ASV vorläufige Zahlen zu maroden Bremer Brücken vorgestellt. Demnach erhielten elf von ihnen die Note „ungenügend“ (wir berichteten).

Brücken wie die Autobahn-Weserquerung und die Stephanibrücke leiden unter dem wachsenden Lkw-Verkehr, der sich von 1990 bis 2010 etwa verdoppelt habe, heißt es. Auch das Gewicht sei ein Problem: So belaste ein 40-Tonner eine Brücke in etwa so wie 60.000 Autos. Die Autobahnbrücke wird bis zu ihrem Neubau in etwa zehn Jahren mit rund 500 Tonnen Stahl ertüchtigt.

Täglich rund 100.000 Fahrzeuge unterwegs

Nun also hat es auch die Stephanibrücke „erwischt“, die Teil der Bundesstraße 6 ist und täglich rund 100.000 Fahrzeuge tragen muss. Neun Prozent davon entfallen auf den Schwerlastverkehr. Autobahn- und Stephanibrücke – beide Bauwerke haben laut Stellmann „ähnliche Dimensionen“. Auch die Stephanibrücke wird „perspektivisch“ mit mehreren hundert Tonnen Stahl verstärkt werden müssen, sagt der Experte, bevor in einigen Jahren ein Neubau notwendig sei.

Denn die Brückenprüfer aus Sachsen haben bei einer anstehenden Nachrechnung festgestellt: Das Bauwerk, das aus Stahlteilen zusammengeschweißt ist, hat in bestimmten Stahlblechen Risse bekommen. Es ist so marode, dass die externen Fachleute den erwähnten sofortigen Handlungsbedarf sehen.

Ursprünglich war die Brücke auf eine Lebensdauer von 100 Jahren ausgerichtet. „Die aber wird sie aufgrund der Verkehrsbelastung nicht erreichen“, erklärt Stellmann. Bis Ende des Jahres könnte der Fahrplan für die Ertüchtigung stehen. Die Kosten für die Planungen, die laut Stellmann im sechsstelligen Bereich liegen werden – muss Bremen tragen. Die Baukosten selbst – Stellmann schätzt sie auf sieben bis acht Millionen Euro – müsse dann der Bund übernehmen.

Befahren werden könne die Stephanibrücke nach wie vor aber ruhigen Gewissens, betont Stellmann. „Wäre das nicht so, würden wir sie sperren.“

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