Bremen „ein bisschen durcheinander“

Bauerndemo mit 4000 Treckern: „Kontrolliertes Chaos“

Der Marktplatz war bei der zweistündigen Kundgebung „ausgebucht“. Foto: ESSER
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Der Marktplatz war bei der zweistündigen Kundgebung „ausgebucht“.

Bremen - Nichts geht mehr. Die Unterführung von der Tiefer zur Martinistraße ist blockiert. Trecker reiht sich an Trecker. Die Martinistraße wird stadteinwärts zum Dauerparkplatz. Die Parkallee in Schwachhausen und die Friedrich-Ebert-Straße (stadteinwärts) sind ebenfalls für den Verkehr gesperrt und zum Landmaschinen-Parkplatz umgewidmet worden. Das Schlagwort „Bauerndemo“ macht die Runde. Laut Polizei sind bis zum späten Vormittag etwa 2 100 Trecker aus Ostfriesland, aus den Niederlanden, Diepholz, Sulingen, aus Delmenhorst, Brake, Cloppenburg, Rotenburg, aus Oldenburg und Strom, aus Borgfeld, aus dem Blockland und dem Niedervieland in die Innenstadt gerollt. Mit Dauerhupen und entsprechendem Getöse. „Geht nicht anders“, sagt ein Landwirt aus Kirchtimke. „Wir müssen die Stadt mal ein bisschen durcheinanderbringen.“

Und mit ganz vielen Protestplakaten. Slogans wie „Lieber Verbraucher, rede bitte mit mir, nicht über mich“ sind an den Schleppern befestigt. Und: „Wenn der Bauer will, steht Deutschland will.“ Und: „Wir fahren Arbeitsplätze.“ Hinter der Demonstration steht die Bewegung „Land schafft Verbindung“. Die Bauern protestieren gegen das von der Bundesregierung geschnürte Agrarpaket mit neuen Auflagen etwa zum Insektenschutz und zum Düngen. „Genug ist genug“, wird skandiert. Jan Geerken aus dem Blockland, Mitorganisator der Demo, sagt: „Die Verschärfung der Düngeverordnung ist der Anlass, der das Fass zum Überlaufen bringt.“ Schlimmer und belastender sei die Gesamtsituation der Bauern: „Junge Leute sind selten bereit, die familiären Betriebe zu übernehmen.“

„Wir wollen uns Gehör verschaffen“, heißt es. Und weiter: „Das ist hier keine Kohlfahrt.“ Mehr eine Machtdemonstration als ein Familienausflug. Mit Beginn der Kundgebung hat sich der Marktplatz ordentlich gefüllt. Der Einsatzleiter der Polizei spricht von rund 4 000 Traktoren in der Stadt. Er bezeichnet die Lage als „kontrolliertes Chaos“. Für Ärger sorgen einige Landwirte aus den Niederlanden und Ostfriesland, die auf Wiesen an der Weser parken und Schäden angerichtet. Auch Grünflächen in den Wallanlagen werden als Abstellflächen annektiert. Dafür gibt es Strafzettel, sagt ein Polizeisprecher.

Die Wallanlagen wurden zum Parkplatz.

Zurück auf den Marktplatz: Die Kundgebung ist laut, die Menge aber friedlich. Mindestens 4 000 Teilnehmer sind dabei. „Ich habe noch nie so viele Bauern auf einem Haufen gesehen“, sagt ein Landwirt aus Cloppenburg. Passanten schlängeln mit einem Lächeln durch die Menge. Die Straßenbahnen werden längst von der Domsheide durch die Neustadt zum Brill umgeleitet. Carsten Schnakenberg, 2. Vorsitzender des Bremischen Landwirtschaftsverbandes, ist stolz darauf, „dass so viele Bauern da sind“. Das zeige, dass „Druck auf dem Kessel ist“. Er verspricht: „Wir werden nicht nachlassen, bis wir die Politik soweit haben, dass wir vernünftige Produktionsbedingungen bekommen.“

Protestplakate an den Schleppern. 

Bremens Umweltsenatorin Maike Schaefer (Grüne) sagt: „Auch in Bremen haben wir ein großes Höfesterben. Dazu hat die Agrarpolitik der Bundesregierung beigetragen.“ An die Landwirte adressiert, fährt sie fort: „Euch anzuklagen, ist der falsche Weg. Wenn wir Veränderung wollen, dann müssen wir das mit Euch besprechen.“

Am frühen Nachmittag, so kurz vor 15 Uhr, lichten sich die Reihen auf dem Marktplatz. Die Rückreisewelle beginnt. In geordneten Bahnen. Und mit Verkehrsbehinderungen auf den großen Ausfallstraßen.

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