Selbstbehauptungskurs der Polizei 

„Der Bauch irrt nicht“

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Rollenspiel in der Straßenbahn: Teilnehmerin Nadine (l.) und Polizistin Maike Seifert vom Präventionszentrum zeigen, wie es nicht geht. „Niemals dem Täter Raum bieten. Setzen Sie sich an den Gang, nicht ans Fenster“, rät Seifert. 

Bremen - Von Steffen Koller. Überfälle, Antanzdelikte, Vergewaltigungen – jede dieser Situationen ist für die Betroffenen schlimm und kann das restliche Leben prägen. Mit dem richtigen Verhalten lassen sie sich jedoch verhindern, lehrt ein Selbstbehauptungskurs der Polizei. „Starkes Auftreten statt starker Fäuste“ war dabei nicht nur Titel der Veranstaltung am Dienstagabend. Es ist, geht es nach Kursleiterin Maike Seifert, auch ein Schlüssel, um gefährlichen Begegnungen aus dem Weg zu gehen.

Mit den Freunden in der Disco, die Füße schlapp, Alkohol im Blut. Und dann alleine den Heimweg antreten. Viele kennen diese Situation, doch nur wenige werden wohl ein mulmiges Gefühl dabei haben. Und doch kann sich in wenigen Sekunden alles ändern. Ein Triebtäter im Hauseingang, Diebesbanden oder Menschen, die auf Stress aus sind. Die Palette der Verbrechen ist groß – die Mittel zur Abwehr aber auch.

Zwar gebe es „keine Generallösung“, dafür aber „einen bunten Strauß an Möglichkeiten“, sagt Maike Seifert vom Präventionszentrum der Polizei Bremen. Sie steht in einem Raum im Justizzentrum – hell beleuchtet, warme Atmosphäre. Doch durch Rollenspiele werden in den nächsten zwei Stunden mehrere Situationen durchgespielt, die im Ernstfall sogar Leben retten können. Grundsätzlich, so Seifert, solle jeder die Variante wählen, die zu einem passe. Gesagt, getan und auf in die erste Übung. Zwei Personen, eine hält die andere am Arm fest. Was tun? Ausnahmslos alle Teilnehmer versuchen sich zu befreien, winden sich, verdrehen ihre Handgelenke. Seifert schreitet ein und zeigt, wie es richtig geht: Mit einem Schrei, der auch den letzten Teilnehmer wachrüttelt, brüllt sie: „Lassen Sie meinen Arm los!“ Stille – und das Gefühl, es hat „Klick“ gemacht.

„Was guckst Du? Willst Du Stress?“: Viele kennen diese Situation, doch nur wenige handeln angemessen, weiß Seifert aus Erfahrung. Jürgen Schöttke (rechts) und Teilnehmer Enes üben den richtigen Umgang mit Stresssituationen. Seifert rät: „Distanz herstellen und zur Not weglaufen.“ 

„Kommunikation“, sagt Seifert, „ist das erste, was Sie einsetzen sollten.“ Andere zur Hilfe rufen, sich bemerkbar machen, Personen ansprechen. „Und siezen Sie den Angreifer!“ Niemand greife ein, wenn er glaube, es sei ein Streit unter Freunden, erklärt sie und fügt an: „Reden Sie so neutral wie möglich – nicht befehlen, nicht drohen.“

Ist keine Hilfe in der Nähe, schon im voraus Pläne zurechtlegen, rät die Polizistin. „Üben Sie Ihre Körperhaltung. Gehen Sie bestimmte Situationen im Kopf durch. Sie müssen den Überraschungseffekt auf Ihrer Seite haben.“

Es gibt, das zeige die Realität aber immer wieder, auch Situationen, in denen man komplett auf sich gestellt sei. Bei einer bevorstehenden Vergewaltigung zum Beispiel solle sich die Person „mit allen Mitteln“ wehren. „So merkwürdig es sich auch anhört, tun Sie Dinge, die eklig sind. Nässen Sie ein. Erbrechen Sie“, macht Seifert klar. Helfe dies nicht, gelten Kehlkopf und Augen als Punkte, die besonders empfindlich sind. „Gegendrücken, mit den Fingern reinstechen – alles ist erlaubt.“

Weniger dramatisch, dafür umso ärgerlicher: Diebstähle. Auch hier könne man sich schützen, sagt Seifert. Wertgegenstände am Körper verteilen und „bitte kein Portemonnaie in der Gesäßtasche tragen“. Um Angreifer abzuwehren, gebe es mittlerweile probate Mittel: „Schrillalarm“ (im Waffengeschäft erhältlich), besonders helle Taschenlampen oder die gute, alte Trillerpfeife. Und: „Hören Sie auf Ihren Bauch. Der Bauch irrt nicht.“

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