Bremer Unternehmen eröffnet digitale Kaffeeschule

Barista auf dem Bildschirm

Kaffeekultur in der digitalisierten Welt: Barista Seyit Ali Yagci (l.) und Geschäftsführer Moritz Puschmann in der „Aromatico Digital Coffee School“, die Online-Seminare für Kaffeeliebhaber anbietet – als Gemeinschaftserlebnis trotz sozialer Distanz. Foto: AROMATICO

Bremen - Von Thomas Kuzaj. Kaffeegenuss wird heute gern zelebriert, wie Weinfreunde sprechen auch Kaffeeliebhaber über Sorten, Säure und Aromen. Wie aber lässt sich die Kaffeekultur samt Austausch über dieselbe in Corona-Zeiten pflegen? Digital! Das Bremer Unternehmen „Aromatico“, das sich auf den Onlinehandel mit Kaffeeprodukten spezialisiert hat, bietet jetzt Kaffeeseminare per Livestream an.

Aus der traditionsreichen Kaffeehandelsstadt Bremen hinein in die weite Digitalwelt – ein Videokonferenz-Programm mit Chat-Funktion sorgt dafür, dass jeder Teilnehmer zu Hause sitzt und dennoch ein Gemeinschaftserlebnis mit den anderen Teilnehmern und „Aromatico“-Barista Seyit Ali Yagci hat. Der Kaffee-Profi ist sozusagen der Zeremonienmeister in der „Aromatico Digital Coffee School“.

„Jeder Teilnehmer bekommt zuvor ein Kaffee-Probierpaket nach Hause geschickt“, sagt Moritz Puschmann, einer der beiden Geschäftsführer des Unternehmens. Ebenfalls im Paket finden sich Erklärungen, wie Tassen, Kaffeemühle, Wasserkocher und Co. aufgebaut werden sollen. Und Bögen, auf denen die Teilnehmer Aroma, Körper, Säure und Nachgeschmack des Kaffees beurteilen können.

Worauf sie dabei achten müssen, erklärt der Barista während des Livestreams. Freundlich klärt der Profi via Bildschirm über etliche Details auf. „Je kürzer die Kontaktzeit mit Wasser, desto feiner muss der Kaffee gemahlen werden – zum Beispiel für die Espressomaschine“, sagt er während des Premieren-Streams am Donnerstag. „Je länger die Kontaktzeit ist, desto grober sollte er gemahlen werden.“ Das gelte etwa für Stempelkannen („French Press“).

Dann die Frage direkt ans Publikum an den Bildschirmen: „Haben Sie Ihren Kaffee zu Hause schon fertig gemahlen?“ Ja, schon, aber wie heiß soll das Wasser zum Aufbrühen sein? Seyit Ali Yagci: „92 bis 96 Grad sind als Wassertemperatur ideal.“ Doch niemand muss mit dem Thermometer hantieren oder sich gar die Finger verbrühen. Der Barista weiß Rat: „Nach dem Aufkochen 30 Sekunden bis eine Minute warten, dann haben Sie die richtige Temperatur erreicht.“

Dann geht‘s ans Beurteilen der aufgebrühten Kaffeesorten. Hier gilt: Übung macht den Meister. Schließlich stecken etwa 800 Aromastoffe in einer Kaffeebohne. Gut, dass der Barista auf dem Bildschirm sagt, worauf es ankommt. „Vieles, was wir aufnehmen, geht nicht über den Gaumen, sondern über unseren Geruchssinn.“ Die Zunge, die könne nur fünf Geschmacksrichtungen unterscheiden. Die menschliche Nase aber, die sei „ein Präzisionswerkzeug“. Also gelte es auch, Aromen über die Nase wahrzunehmen. Sensorik sei ein „Zusammenspiel von Nase und Zunge“.

Der Barista nimmt die „Kaffeeschüler“ virtuell an die Hand und erläutert die Fachsprache: „Körper steht für das, was wir im Mund spüren. Säure ist das Prickeln im Kaffee, wir sprechen von Fruchtnoten.“ Im Grunde geht es ähnlich zu wie bei einer Weinprobe – nur eben mit Kaffee. Und mit der Besonderheit, dass sich jeder Teilnehmer von zu Hause (oder wo auch immer) zuschaltet. In der „Aromatico Digital Coffee School“ läuft das über die Videokonferenz-App Zoom.

Drei „Lessons“ hat „Aromatico“-Chef Puschmann zunächst einmal angesetzt, die jeweils 45 bis 60 Minuten dauern, um die 30 Euro kosten und samt Paket über die Homepage des Unternehmens gebucht werden können. Am 24. Mai geht‘s um „Cupping“ (Kaffeeprobe), am 7. Juni um die Kunst des Milchaufschäumens („Latte Art“), am 21. Juni um sommerlichen Kaffeegenuss („Cold Brew“).

„Aromatico“ wurde 2002 im niederbayrischen Mainburg gegründet. 2015 verlegte das Unternehmen seinen Sitz nach Bremen und ist seitdem eine 100-Prozent-Tochter der „Coffein Compagnie“. „Aromatico“ (30 Mitarbeiter) sitzt im ehemaligen Eduscho-Hochregallager am Löwenhof 9 in der Überseestadt.

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