Denkmal für einen Freund

Eine Bank für stillen Knollennasenmann

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Spaß mit Loriot: Barbara Schmidt schmiegt sich an die Loriotfigur. Ehemann Jürgen Dewet Schmidt (wie immer mit Fliege) sowie Karin und Uwe Hollweg schauen ihr dabei zu und lachen.

Bremen - Von Thomas Kuzaj. 200 Kilogramm, das ist ein ganz schönes Gewicht. 200 Kilogramm wiegt sie, die Loriotfigur, die jetzt am Loriotplatz auf einer Parkbank in den Wallanlagen sitzt. Montagmittag wurde sie enthüllt. Ein Augenblick, auf den Jürgen Dewet Schmidt (Grashoff) jahrelang hingearbeitet hat. „Es war nicht einfach, aber es hat immer Spaß gemacht“, sagte er am Montag.

Schmidt und Loriot (Vicco von Bülow, 1923 bis 2011), der etliche seiner Fernsehklassiker in Bremen produziert hat, waren Freunde. Denn wenn er in Bremen arbeitete, musste Loriot ja auch etwas essen. Und so landete er eines Tages – im Jahr 1975 war das – in Grashoffs Bistro, das damals noch in der Sögestraße lag. Er sollte noch häufig wiederkommen. Sehr häufig, um genau zu sein.

Denn der Humorist war zufrieden. Er signierte bei seinem Premierenbesuch ein Tischset und zeichnete auch eines seiner charakteristischen Knollennasenmännchen darauf. Eine Reliquie, die noch heute bei Grashoff verwahrt wird. Inzwischen sind Bistro und Delikatessenhandlung ja längst an der Contrescarpe, Höhe Herdentor, zu finden.

Verzeihung – der Platz vor dem Bistro trägt ja bereits seit einigen Jahren den Namen Loriotplatz. Und nun hat der Loriotplatz eben auch eine Loriotfigur. Gemeinsam mit Loriot-Tocher Susanne von Bülow wählte Schmidt den Standort aus. Im Rücken das üppige Grün der Wallanlagen – ein passender Rahmen für ein Denkmal, das an das Werk eines Künstlers erinnert, der die Eigenheiten des Bürgertums auf so unnachahmliche Weise zu karikieren wusste.

Ein Knollennasenmann ist es natürlich, der da nun auf der Parkbank sitzt. Fein gestreifte Hose, die Beine übereinandergeschlagen, das Kinn in die Hände gestützt. Eine Figur wie auf dem Titel des Buchs „Loriots großer Ratgeber“ aus dem Jahr 1983 – in Menschengröße nachgebildet. Der Künstler und Loriot-Kenner Roman Johann Strobl hat die knollennasige Bronzeplastik gefertigt. Ein weiterer Künstler – Patrick Przewloka – hat sie bemalt.

Früher war mehr Lametta? Nun, mehr Lametta geht kaum. Die Figur an und für sich ist unaufdringlich – aber zugleich eben auch ein spektakulärer Hingucker. Sie dürfte sich recht schnell zu einem der beliebtesten Fotomotive in der Stadt entwickeln. Jetzt gibt es schließlich die Möglichkeit, sich auf einer Parkbank neben einem Loriot-Mann fotografieren zu lassen.

Jürgen Dewet Schmidt und seine Ehefrau Barbara sowie die der Kunst gewidmete Stiftung von Karin und Uwe Hollweg haben der Stadt die Figur geschenkt. „Auch heute noch ist Loriot der Größte“, sagte Uwe Hollweg am Montag vor der feierlichen Enthüllung der Figur. „Wenn er in Bremen war, ist hier seine Heimat gewesen.“ Hier – in Grashoffs Bistro. Dort gab es am Montag zur Feier des Tages ein Loriot-Menü (ohne die sprichwörtliche Nudel aus dem Spaghetti-Sketch). Zum Finale wurden den Gästen Kosakenzipfel (mit Zitronencreme) serviert.

Die Loriotfigur ist die zweite Würdigung des Humoristen im Bremer Straßenbild –nach dem bronzenen Loriotsofa, das seit November 2013 bei Radio Bremen im Faulenquartier vor der Tür steht. Ebenfalls 2013 hatte ja der Loriotplatz seinen Namen bekommen (nach längeren und peinlichen, bundesweit belächelten Streitereien um den richtigen Ort für den Platz).

Nun hat Jürgen Dewet Schmidt auf eben diesem Platz seinem Freund ein Denkmal gesetzt.

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