Falschgeld auf dem Konto?

Bandenmitglieder sollen Senioren um Hunderttausende von Euro betrogen haben

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Das Gesicht beim Prozessauftakt verdeckt: Hankan C. (v. l.) und Ahmet K. Dahinter dessen Verteidiger, Stephan Weinert. Die beiden Angeklagten müssen sich wegen bandenmäßigen Betrugs vor Gericht verantworten.

Bremen - Von Martin Kowalewski. Zwei 30 und 33 Jahre alte Angeklagte müssen sich seit Freitag wegen bandenmäßigen Betrugs vor der Dritten Großen Strafkammer des Landgerichts Bremen verantworten. Die türkischstämmigen Männer sollen Senioren hereingelegt haben.

Sie waren demnach die Schnittstelle zwischen den Hintermännern in der Türkei und den „Geldabholern“. Zum Prozessauftakt gestanden sie einen Teil der zehn angeklagen Taten. Die Beute soll mindestens 463.000 Euro betragen haben.

Senioren wurden bevorstehende Einbrüche vorgegaukelt

Das ergaunerte Geld soll innerhalb des Netzwerkes aufgeteilt worden sein, heißt es in der Anklage. Demnach arbeiteten die Angeklagten für eine Bande, die aus einem Callcenter im türkischen Izmir Senioren anrief. Die Anrufer gaben sich den Angaben zufolge als deutsche Polizeibeamte aus und überredeten die Opfer, vermeintlich gefährdete Vermögenswerte zum Schutz an „Kollegen“ in Zivil zu übergeben. Die Angeklagten, sogenannte „Logistiker“, organisierten der Anklage nach die Abholer und notwendige Fahrzeuge. Ihr Honorar soll nach eigenen Angaben fünf Prozent der Beute betragen.

Den Senioren wurde vorgegaukelt, dass Einbrüche bevorstünden oder kriminelle Banden Bankdaten ausspähten. Einigen Opfern sagten die vermeintlichen Polizisten, auf ihrem Konto (!) läge Falschgeld, dieses müsse zur Überprüfung abgehoben werden. Eine 85-Jährige wurde davor gewarnt, dass eine Bande Tresore sprengen wolle. Auch sie solle ihr Geld von der Bank holen. Die Frau ließ die Abholer festnehmen.

Gesamtschaden beträgt fast eine halbe Million Eure

Eine 77-jährige Seniorin aus Lübeck gab der Bande dagegen laut Staatsanwaltschaft fast 160.000 Euro in bar sowie Schmuck im Wert von rund 10.500 Euro. Ein anderes Opfer transferierte 19.300 Euro – und übergab Wertgegenstände und Auto gleich mit. Der spätere Versuch, das Auto gegen eine wertvolle Rolex-Uhr zu tauschen, schlug fehl. Insgesamt ist nach Angaben der Ermittler ein Schaden in Höhe von 463.000 Euro entstanden. Die Übergabe weiterer 116.000 Euro platzte, weil zwei Angerufene misstrauisch wurden, wie es hieß.

Die Anklage wirft dem 30 Jahre alten in der Türkei geborenen und in Wuppertal aufgewachsenen Ahmet K. und dem 33 Jahre alten Deutschen Hankan C. vor, auf der höchsten Organisationsebene Teil einer kriminellen Gruppierung gewesen zu sein. Die Angeklagten hätten Einsicht in die Abläufe gehabt und wären auch direkt an den Einnahmen beteiligt gewesen.

Den Angeklagten seien die Taten schwer nachzuweisen

Die Beweislage scheint allerdings dünn zu sein. Handyverbindungen gäben keinen Aufschluss darüber, wer konkret gesprochen habe, sagte der Vorsitzende Richter Jürgen Seifert. Den Opfern sei ein hoher Schaden entstanden, was die Angeklagten damit zu tun hätten, sei „schwer nachweisbar“. Große Vermögenswerte seien bei ihnen nicht festgestellt worden. Auch der Aufenthalt in der Nähe eines Tatorts sei kein Beweis. Dazu kommt laut Seifert, dass das Gericht es den 60 bis 75 Jahre alten Opfern aus dem ganzen Bundesgebiet ersparen will, im Prozess in Bremen auszusagen. Diese Gründe dürften wohl im „Deal“ zwischen Gericht, Staatsanwaltschaft und Verteidigung eine erhebliche Rolle gespielt haben. Die Angeklagten gestanden, Geldabholer organisiert und von der Täuschung der Senioren gewusst zu haben. Ahmet K.s Einlassung umfasst aber nicht alle ihm zur Last gelegten Taten. Ihm wird nach der Verständigung zwischen den Beteiligten ein Strafrahmen von drei bis knapp vier Jahren Haft in Aussicht gestellt. Der Strafrahmen für Hankan C. könnte eineinhalb bis zwei Jahre – ausgesetzt zur Bewährung – betragen. Er räumte ein, an fünf Taten beteiligt gewesen zu sein, von denen laut Anklage drei Versuche waren.

Nach sechs Monaten Untersuchungshaft sind beide Angeklagten jetzt wieder auf freiem Fuß. In ihren Geständnissen gaben sie als Grund für die Taten Geldprobleme und Spielsucht an. Der Prozess wird am 15. Juni fortgesetzt. Drei weitere türkischstämmige Männer werden im Zusammenhang mit den Trickbetrügereien ebenfalls strafrechtlich verfolgt.

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