Vortrag über Korallen bei „Wissen um 11“

Bakterien als „Platzanweiser“

Widmet sich seit Jahren der Erforschung von Korallenriffen: Astrid Gärdes. - Foto: Koller
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Widmet sich seit Jahren der Erforschung von Korallenriffen: Astrid Gärdes. 

Bremen - Von Steffen Koller. Sind sie wunderschön und doch so verwundbar: Korallen. Die Biologin Astrid Gärdes widmet sich seit Jahren den Bewohnern der Meere und stellte ihre Arbeit am Sonnabend in der Vortragsreihe „Wissen um 11“ im Haus der Wissenschaften vor. Im Fokus ihrer Arbeit stehen besonders die Wechselwirkungen zwischen Korallen und Bakterien. Ihre Erkenntnis: Wie so oft im Leben, kommt es auf die Dosis an.

„Klein, aber oho: Welche Funktionen haben Bakterien im Korallenriff“ – so lautete der Titel des Vortrags, der die Besucher in weit entfernte Welten führte. In Welten, die zum einen vor Schönheit verblüffen, aber auch eindrucksvoll aufzeigen, wie zerbrechlich das marine Ökosystem sein kann. Die Wissenschaftlerin vom Leibniz-Zentrum für Marine Tropenökologie hat zusammen mit ihren Kollegen nicht nur in eigens dafür durchgeführten Experimenten den Einfluss von Bakterien auf Korallen untersucht, auch Reisen nach Indonesien stehen dabei auf dem Programm.

Ihre Erkenntnisse zeigen, dass Bakterien eine „Schlüsselrolle im globalen Stoffkreislauf“ einnehmen. Sie haben, so Gärdes, dabei ganz spezifische Aufgaben. So dienen Bakterien unter anderem als „Platzanweiser“ und können Korallenlarven genau signalisieren, an welchen Punkten sie sich anlagern müssen, um weitere Riffe entstehen zu lassen. Doch diese Funktion ist – wie viele andere auch – in Gefahr. Gerade durch menschliche Einflüsse, wie verunreinigte Zuflüsse, erhöhte Salzgehalte und die Schifffahrt, werde das Gleichgewicht immens gestört. Kleinere Dosen seien dabei nicht das Problem, doch speziell durch ihre Arbeit in Indonesien habe sie gelernt, dass es die Menge ist, die den Unterschied ausmachen kann.

Denn: Ist das Ökosystem erstmal soweit aus den Fugen geraten, dass sich Infektionen der Korallen ausbreiten, verenden sie und hinterlassen triste Unterwasserwelten – was letztlich auch für den Menschen zur Gefahr werden kann. Durch verunreinigtes Wasser würden Krankheitserreger auf Meerestiere übertragen, die letztlich im Kochtopf landen und sich so auf den Menschen verteilen. Ihre Forschungsergebnisse sollen im besten Fall politischen Gremien dazu dienen, konkrete Gegenmaßnahmen einzuleiten, hofft Gärdes. Besonders in Ländern, die über keinerlei Kläranlagen verfügen, sei dies ein wichtiger Schritt, das biologische Gleichgewicht der Korallen wiederherzustellen. Und das Wissen über Bakterien ist dabei von „unschätzbarem Wert“, meint Gärdes.

Auch ohne wissenschaftliche Kenntnisse könne jeder, besonders Touristen, ihren Beitrag zum Schutz der Riffe leisten. Es reiche schon, sich einfach an der Schönheit der Korallen zu erfreuen, anstatt wie so oft, sie durch Diebstahl oder „reinstochern oder rauftreten nachhaltig zu beschädigen“, so Gärdes.

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