VBN setzt ab sofort Schweizer App ein

Bremen: Bahnfahren mit einem Wisch

Drei Männer stehen mit Smartphones vor einem Bus.
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Tickets per Smartphone: Gian-Mattia Schucan (v.l.), Rainer Counen und „Fairtiq“-Projektleiter Andreas Dubach geben den Startschuss für in der Schweiz entwickelte Ticketing-App „Fairtiq“ im VBN-Land.

Der Verkehrsverbund Bremen/Niedersachsen erweitert sein digitales Angebot. Und setzt ab sofort die „Fairtiq“-App ein. Bahnfahren wird damit unkomplizierter.

Bremen – Das Bus- und Bahnfahren in Bremen und im gesamten VBN-Land (dem Geltungsbereich des Verkehrsverbundes Bremen/Niedersachsen) wird ab sofort viel einfacher. Zumindest für Smartphone-Nutzer. Ein Wisch beim Einsteigen, ein Wisch beim Aussteigen. Den Rest regelt eine App – die „Fairtiq“-App des gleichnamigen Start-ups mit Sitz in der Schweizer Hauptstadt Bern.

Fahrgäste können mit der App Busse, Straßenbahnen und Züge bargeldlos und ohne konventionellen Fahrkartenkauf nutzen. Und sind dabei zum bestmöglichen Tagespreis unterwegs, verspricht der VBN. „Für unsere Fahrgäste ist ein Ticket nur ein Mittel zum Zweck“, sagt VBN-Gechäftsführer Rainer Counen. Mit der App entfalle das Nachdenken über die passende Fahrkarte und den günstigsten Tarif.

Das System ist unkompliziert. Hat sich der Nutzer in der App registriert und Zahlungsinformationen (gezahlt werden muss per Kreditkarte) hinterlegt, dann genügt beim Einsteigen in Bus und Bahn eben eine Wischbewegung in der App, um den Fahrtantritt zu erfassen. Ein weiterer Wisch in die andere Richtung beim Aussteigen beendet die Fahrterfassung. Beim Umsteigen läuft die Fahrt in der App automatisch weiter. So reicht ein Wisch auf dem Weg vom Weserwehr in Hastedt bis nach Oldenburg. Die App enthält zudem eine Preisdeckel-Funktion, die automatisch verhindert, dass mehrere Einzelfahrten an einem Tag den Preis eines Tagestickets überschreiten. „Fairtiq“ erstellt automatisch das Ticket für die gefahrene Strecke. Und stellt sicher, dass das Ticket auch bei einer Kontrolle immer griffbereit ist. Und noch etwas: Die Funktion „Smart Stop“ erkennt in Zukunft, wenn der Fahrgast vergessen hat, seine Tour zu beenden und startet einen Countdown, um ihn auszuchecken.

Einfaches Umsteigen und Preisdeckel

Der VBN und das Schweizer Unternehmen haben das Projekt innerhalb von sieben Monaten startklar gemacht, heißt es. Das VBN-Land sei die zehnte Region in Deutschland, die auf die „einfachste Fahrkarte“ (so der Slogan der Schweizer) setzt. Dabei sind unter anderem Göttingen, Dresden, München, Flensburg, Magdeburg und Halle an der Saale.

„Fairtiq“ wurde vor fünf Jahren mit Ziel gegründet, Reisen mit öffentlichen Verkehrsmitteln so leicht wie möglich zu machen. Gründer und -Geschäftsführer Gian-Mattia Schucan war zuvor Vertriebschef bei der Schweizer Staatsbahn (SSB). Die gebührenfreie Ticketing-App wird mittlerweile in der gesamten Schweiz sowie in Liechtenstein, in Teilen Österreichs und eben Deutschlands angeboten. Und: Wer sich einmal bei „Fairtiq“ angemeldet hat, kann in allen Regionen, in denen die App angeboten wird, diese Anwendung nutzen.

Schweizer Modell erreicht Deutschland

Auch der Datenschutz sei gewährleistet, sagt Schucan. Seinen Angaben zufolge werden die Daten ausschließlich für den Betrieb der App genutzt und alte Daten nach einem Jahr gelöscht. Der VBN wiederum erweitert mit der App seine digitale Angebotspalette. Das ist in Corona-Zeiten ein weiterer Pluspunkt. Der Verbund setzt dabei vor allem auf Gelegenheitskunden. Zielvorgaben für „Fairtiq“ gibt es übrigens nicht. In der Schweiz nutzen laut Schucan zwölf Prozent aller Fahrgäste die App. In Göttingen liege die Quote nach kurzer Zeit bei 25 Prozent.

Übrigens: Auch wer kein Smartphone hat, kann weiterhin in Bremen und im VBN-Land mit den öffentlichen Verkehrsmitteln fahren. In den Fahrzeugen sind weiterhin Automaten installiert, an denen Tickets gelöst und Fahrten auf den BOB-Tickets gespeichert werden können. Und auch die „Knipskästen“ für die guten alten Papier-Fahrkarten bleiben erhalten, versichert der Verkehrsverbund.

Fahrgastzahlen brechen 2020 ein

Im Verkehrsverbund Bremen/Niedersachsen (VBN) sind 30 kommunale und private Verkehrsunternehmen der Städte Bremen, Bremerhaven, Delmenhorst und Oldenburg sowie der Landkreise Ammerland, Oldenburg, Wesermarsch, Cuxhaven, Nienburg, Osterholz, Rotenburg, Verden und Diepholz zusammengeschlossen. Im VBN-Land, das sich über 9 416 Quadratkilometer erstreckt, leben rund zwei Millionen Menschen. Rund 500 Bus-, Zug- und Straßenbahnlinien beförderten im ersten Corona-Jahr 2020 rund 116,7 Millionen Fahrgäste. Im Jahr 2019 waren es 175,4 Millionen Fahrgäste.

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